Dubioses Dokument: Strafanzeige gegen Tschagajew
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Dubioses DokumentStrafanzeige gegen Tschagajew

Ist das Dokument, mit dem Xamax-Boss Bulat Tschagajew den Besitz von 35 Millionen Dollar dokumentiert, echt oder nicht? Mit dieser Frage wird sich nun die Justiz beschäftigen.

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mon/dmz/ats

Für den tschetschenischen Xamax-Besitzer Bulat Tschagajew wird die Luft dünn. Der Anwalt Vincent Solari hat gemäss der Westschweizer Zeitung «Le Temps» Strafanzeige gegen den Klub-Boss eingereicht wegen «Fälschung und Betrugsversuch in einem Zivilprozess». Der Vertreter eines Gläubigers des Vereins gab an, er habe nach eingehender Prüfung «genügend Beweise», dass es sich bei dem von Tschagajew vorgelegten Dokument um eine Fälschung handle.

Die Rede ist von der angeblichen Bestätigung der Bank of America, die dem Tschetschenen den Besitz von 35 Millionen US-Dollar bescheinigen soll. Diese hat Tschagajew bei der Swiss Football League und dem Neuenburger Zivilgericht eingereicht, um seine Zahlungsfähigkeit zu bescheinigen. Doch kaum war sie an die Öffentlichkeit gelangt, kamen starke Zweifel an der Echtheit auf (20 Minuten Online berichtete).

Zahlreiche Ungereimtheiten

So forschte der Amerika-Korrespondent des Westschweizer-Fernsehens TSR nach und enthüllte, dass die unterzeichnende Person in der entsprechenden Filiale des Finanzinstituts in New York unbekannt ist, genauso wie der verwendete Stempel. Ausserdem sei die angegebene Adresse der Bank veraltet. Des Weiteren ist das Schreiben laut Experten nicht in dem üblichen Business-Englisch verfasst. Auch sei es ungewöhnlich für eine Bank, sich darüber zu äussern, dass «eine ausreichende Menge an jährlichen Mitteln für den Verein» bereit liegen. Zu guter Letzt entspricht die Datierung nicht amerikanischen Normen. Die Bank of America hat unterdessen eine Untersuchung angekündigt, um die Herkunft des Dokuments zu ermitteln.

«Le Matin dimanche» hatte ebenfalls Experten befragt, die zu einem vernichtenden Urteil kamen. «Das Dokument hat keinen Wert», so der eine. Und ein Vermittler der der Bank of America gab zu Protokoll: «Es ist eine Schande für unseren Beruf. Ich kann ihnen versichern, dass eine solche Bestätigung unmöglich von der Bank of America stammt. Ich möchte nicht an der Stelle des Anwalts sein, der dieses Dokument erstellt hat.»

Drohender Konkurs doch nicht abgewendet?

Am vergangenen Mittwoch war Xamax vor dem Neuenburger Zivilgericht knapp am Konkurs vorbeigeschrammt. Richter Bastien Sandoz, der das Urteil gefällt und den beiden Parteien die Begründung noch nicht hat zukommen lassen, wollte nach der neuen Entwicklung gegenüber «Le Matin» keine Stellung nehmen. Er gab nur an, dass es automatisch ein Strafverfahren geben werde, falls das Dokument wirklich zweifelhaft sei. Ein von der Zeitung befragter Experte liess sich zitieren: «Wenn der Richter sich bei seinem Urteil auch nur auszugsweise auf ein falsches Dokument verliess, so ist dieses nichtig.»

Xamax-Anwalt François Canonica wollte sich auf Anfrage von «L'Express/L'Impartial» nicht zur Echtheit des umstrittenen Papiers äussern. «Wenn es echt ist, so hat sich das Problem geregelt», sagt er. «Wenn es jedoch gefälscht ist, dann wurde mein Treu und Glauben missbraucht und ich muss mein Mandat niederlegen.»

Der ASL-Verein nahm am Samstagabend in einer Mitteilung auf seiner Webseite Stellung und nannte die Vorwürfe «unaufhörlich, störend und haltlos». Man sieht sich bei Xamax als Opfer einer Medienhetze.

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