Dealer ausgeraubt: Strafe für ausgeschafften Hasch-Räuber
Aktualisiert

Dealer ausgeraubtStrafe für ausgeschafften Hasch-Räuber

Eine dreiköpfige Bande hat in Winkel bei Bülach ZH einen Schweizer Haschischdealer in dessen Wohnung brutal überfallen. Ein Haupttäter erhielt nun eine bedingte Freiheitsstrafe von zwei Jahren.

von
Attila Szenogrady

Der heute 52-jährige Geschädigte aus Winkel wird den Sonntag vom 15. April 2007 wohl nie mehr vergessen. Damals erhielt er in den Abendstunden unerwarteten Besuch von drei jungen Männern, die bei ihm Haschisch kaufen wollten. Als der Schweizer die angeblichen Käufer vom ersten Stock aus weg wies, gingen die drei Ausländer plötzlich zum Angriff über.

Verprügelt und ausgeraubt

Während ein Afghane an der Fassade hochkletterte und ein am Fenster befestigtes Moskitonetz wegriss, schlugen ein Serbe und ein Türke die Wohnungstüre ein. Sie drängten den Mieter in die Küche, wo er vom türkischen Täter brutal zusammengeschlagen wurde. Das Opfer erlitt eine Rissquetschwunde am Hinterkopf, eine Quetschung der Schulter sowie ein verstauchtes Handgelenk. Kurz darauf plünderte das Trio seine Wohnung. Es erbeutete nicht nur eine Blechdose mit Haschisch, sondern auch Bargeld für über 2000 Franken.

Der türkische Räuber entpuppte sich als besonders dreist. Er trug zusätzlich einen Flachbildfernseher sowie ein Videospielgerät aus der Wohnung. Dank zwei Komplizen, die in der Nähe des Tatorts mit einem Fluchtauto warteten, gelang der Bande zunächst die Flucht.

Haupttäter noch vor Urteil ausgeschafft

Nur wenige Wochen nach dem Ueberfall konnte die Polizei alle Täter festnehmen. Darunter auch den heute 24-jährigen Türken, der danach 120 Tage in Untersuchungshaft verbrachte. Am ersten Strafprozess vor dem Bezirksgericht Bülach glänzte er allerdings durch Abwesenheit. So hatten die Behörden den Asylbewerber bereits im Januar 2008 in seine Heimat ausgeschafft.

Fest steht, dass die Bülacher Richter den arbeitslosen Barmann wegen Raubes und zahlreichen Nebendelikten zu einer teilbedingten Freiheitsstrafe von 27 Monaten verurteilten. Zwölf Monate davon sollte er verbüssen.

Strafsenkung dank Wohlverhalten

Die Verteidigung des Angeklagten legte Berufung ein und verlangte kürzlich am Zürcher Obergericht eine deutliche Strafsenkung auf noch 18 Monate bedingt. Der Anwalt machte geltend, dass sein Mandant als Ersttäter völlig spontan an dem Raubüberfall teilgenommen habe.

Das Obergericht ist nun in seinem am Freitag eröffneten Urteil dem Verteidiger teilweise gefolgt. Es hat die Strafe nicht nur auf 24 Monate gesenkt, sondern auch gänzlich auf Bewährung ausgesetzt. Für die Oberrichter war wesentlich, dass der geständige Angeklagte heute immer noch in Istanbul im Schoss seiner Familie lebt und ein legales Auskommen gefunden hat. Daher ging das Obergericht im Gegensatz zum Bülacher Gericht von guten Bewährungsaussichten aus.

Weniger Glück hatte der mehrfach vorbestrafte serbische Mittäter. Er kassierte in einem separaten Prozess eine unbedingte Freiheitsstrafe von 33 Monaten. Der Afghane kam mit 22 Monaten bedingt davon.

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