Strafe für Koran-Stempel auf Klopapier
Aktualisiert

Strafe für Koran-Stempel auf Klopapier

Für das Bedrucken von Klopapier mit einem Koran-Stempel ist ein 61-jähriger Frührentner in Deutschland zu einer Haftstrafe von einem Jahr auf Bewährung verurteilt worden.

Der Angeklagte habe bewusst eine andere Religion beschimpft, sagte Richter Carsten Krumm am Donnerstag bei der Urteilsbegründung. Anlass für sein Vorgehen sei unter anderem Betroffenheit über den Mord an dem niederländischen Filmemacher Theo van Gogh gewesen. Die Tat habe für den Angeklagten schwere Folgen gehabt: Er habe massive Morddrohungen erhalten und müsse um sein Leben fürchten.

Der Frührentner hatte nach den Feststellungen des Gerichts im Sommer 2005 einzelne Blätter Toilettenpapier mit dem Stempel «Koran, der heilige Qur'än» versehen und an Moscheen, Fernsehsender und Nachrichtenmagazine verschickt. In einem beigelegten Schreiben beschimpfte er den Koran als «Kochbuch für Terroristen» und äusserte, die Heilige Schrift des Islam rufe zu Gewalttaten auf.

Zudem bot der Mann, der nach eigenen Angaben 15 Jahre im Nahen Osten gelebt hat, entsprechende Klopapierrollen für vier Euro das Stück zum Verkauf an. Er erklärte, mit dem Erlös eine «Gedenkstätte für alle Opfer des islamischen Terrors» errichten zu wollen. Dieses Angebot hatte er auch in Internetforen veröffentlicht.

Der 61-Jährige hatte zu Beginn der Verhandlung Teile der Schuld einer von ihm nicht näher benannten Studentengruppe zugewiesen, räumte aber schliesslich über seinen Verteidiger die Tat ein. Anlass für die Aktion war demnach seine «Empörung und Erschütterung» über den Mord an dem niederländischen Filmemacher van Gogh im November 2004. Dieser sei weitläufig mit ihm verwandt. Der Angeklagte betonte aber, er habe die Klopapierrollen nicht wirklich verkaufen wollen.

Durch die weltpolitische Lage angesichts des Karikaturenstreits habe sich die Bedeutung des Prozesses enorm gesteigert, sagte Richter Krumm. «Wenn man an die Presse weitergibt, was man da vor sich hinstempelt, kann das ein richtiger Orkan werden.» Der Angeklagte hatte nach der Aktion Morddrohungen erhalten und nach eigenen Erzählungen auch eine Patronenhülse in seinem Briefkasten gefunden. Der Iran protestierte im Juli 2005 in einer offiziellen Note beim Auswärtigen Amt und bat um sofortige Unterbindung der öffentlichen Beleidigung des Koran.

Mit dem Urteil wegen Beschimpfung eines religiösen Bekenntnisses und Störung des öffentlichen Friedens folgte das Gericht der Forderung von Oberstaatsanwalt Wolfgang Schweer. Die Verteidigung bat lediglich um eine milde Bestrafung. Strafschärfend wirkten sich die Vorstrafen des Angeklagten aus, der bereits wegen falscher Verdächtigung, Verstoss gegen das Sprengstoffgesetz und Brandstiftung verurteilt war und mehrere Jahre in Haft verbracht hat. Die Bewährungszeit für seine Reststrafe sollte am (morgigen) Donnerstag enden.

Die neue Bewährungszeit legte das Gericht auf fünf Jahre fest. Das Urteil ist rechtskräftig. (dapd)

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