Aktualisiert 06.03.2010 08:30

Bülach ZHStrafloser Kücheneinsatz

Ausgerechnet als ein Asylbewerber aus Bangladesh in der Küche eines Bülacher Restaurants spontan mit anpackte, kreuzte die Kantonspolizei Zürich auf. Am Freitag wurde der Hilfskoch freigesprochen.

von
Attila Szenogrady

Die Aussagen des heute 37-jährigen Angeklagten aus Bangladesh erstaunten. So erklärte er am Freitag vor dem Obergericht, dass er schon in diversen Zürcher Restaurants probehalber eingestellt worden sei. Ohne dafür einen müden Rappen erhalten zu haben. Um einen Probeeinsatz habe es sich auch am vergangenen 19. August gehandelt, erinnerte sich der Asylbewerber zurück.

Tatort Küche

Damals hielt sich der Hilfskoch um die Mittagszeit in der Küche des Bülacher Restaurants «Cardinal 3» auf. In der Hoffnung auf eine feste Arbeitsstelle packte er spontan mit an und machte sich über 90 Minuten lang als Küchengehilfe nützlich. Bis Gäste der Kantonspolizei Zürich um 13.45 Uhr einen unerwarteten Besuch abstatteten und vom dunkelhäutigen Helfer die Papiere verlangten. Da der Mann über keine Arbeitsbewilligung verfügte, kam die Justiz ins Spiel.

Zufällige Arbeit nicht strafbar

Bereits einen Tag nach der Razzia erhob die Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland Anklage wegen Erwerbstätigkeit ohne Bewilligung. Die zuständige Staatsanwältin schrieb, dass der Beschuldigte bereits am Vortag 90 Minuten ausgeholfen hatte. Womit sich die gesamte Deliktsdauer auf drei Stunden ausdehnte. Der Strafantrag lautete auf 30 Tagessätze zu 30 Franken auf Bewährung sowie 500 Franken Busse.

Schon das Bezirksgericht Bülach sorgte im letzten Oktober für die erste Ueberraschung. Es sprach den Hilfskoch frei und entschädigte ihn für einen Tag Haft mit 100 Franken. Laut dem Bülacher Richter sind nämlich mehr oder weniger zufällige Arbeiten nicht strafbar. Der dreistündige Einsatz des Angeklagten sein keine Erwerbstätigkeit, befand der Richter.

Staatsanwaltschaft erneut abgeblitzt

Die vom Bülacher Gericht düpierte Staatsanwaltschaft legte Berufung ein und forderte am Freitag vor dem Zürcher Obergericht erneut einen Schuldspruch. Selbst eine nicht bezahlte Tätigkeit sei ohne Bewilligung strafbar, schrieb der Ankläger. Zudem sei eine auch kurze Tätigkeit auf Probe einer Anstellung mit Probezeit gleich zu stellen.

Argumente ohne Erfolg. So sprach auch das Obergericht den Angeklagten frei. Allerdings mit einer anderen Begründung als das Bülacher Verdikt. So könne man dem Hilfskoch nicht widerlegen, ob er im guten Treuen geglaubt habe, dass sein Einsatz noch nicht bewilligungspflichtig sei, sagte der Gerichtsvorsitzende Christoph Spiess. Der englisch sprechende Angeklagte erhielt eine Umtriebsentschädigung von 200 Franken. Spiess machte den Vater zum Schluss aufmerksam, dass er sich beim nächsten Mal nicht mehr auf einen Irrtum berufen könne. Die vom Angeklagten aufgeworfene Gratis-Arbeit in der Zürcher Gastro-Szene nahmen die Oberrichter zur Kenntnis, wollten die Vorwürfe aber nicht kommentieren. Das Gericht wäre aber froh, wenn solche Missstände an die Oeffentlichkeit gelängen, sagte Spiess dazu.

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