Aktualisiert 20.06.2008 12:44

Zwei TodesopferStrafmass für Bieler Messerstecher reduziert

Das Berner Obergericht hat im Bieler Tötungsdelikt von 2004 den Schuldspruch der ersten Instanz weitgehend bestätigt. Es gewichtete allerdings die verminderte Zurechnungsfähigkeit des heute 22-jährigen Täters stärker und reduzierte das Strafmass.

Zwei Menschen hatten im August 2004 in Biel vor einer Bar aus nichtigem Anlass ihr Leben lassen müssen. Beide, ein 28-jähriger Spanier und ein 27-jähriger Schweizer, wurden von hinten im Rahmen einer Massenschlägerei mit mehreren Messerstichen getötet.

Für die 2. Strafkammer des Obergerichts gab es keine Zweifel an der Täterschaft des Angeschuldigten, wie Oberrichter Martin Räz am Freitag bei der Urteilsverkündigung sagte. Die Vorinstanz habe die Sachbeweise «schlüssig erhoben». Tatwaffe war ein Küchenmesser, das der Angeklagte in den Ausgang mitgenommen hatte.

Der Verteidigung gelang es nach Ansicht des Obergerichts nicht, begründete und unüberwindbare Zweifel an der Schuld des heute 22- jährigen Angeklagten beizubringen. Zwar gebe es Widersprüche im Rahmen der vielen Zeugenaussagen. Das hänge aber damit zusammen, dass niemend das komplexe Geschehen bei der turbulenten Schlägerei habe überblicken können.

Das Gericht reduzierte die Strafe für den jungen Mann von 15 auf 12 Jahre Zuchthaus und gewichtete dabei dessen verminderte Zurechnungsfähigkeit stärker. Der Mann habe eine niedere Aggressionsschwelle und sei emotional instabil. Er sei etwas ruhiger geworden, brauche jedoch dringend die therapeutische Behandlung in einer geschlossenen Einrichtung, die Teil des Urteils ist.

Der Angeschuldigte betonte in einem emotionalen Ausbruch vor Gericht nochmals seine Unschuld und richtete heftige Vorwürfe an den vorsitzenden Richter. Nach mehrmaliger Ermahnung wurde er des Saales verwiesen. Der junge Mann ist nach einem Zellenbrand, den er kurz nach der Tat selber gelegt hat, auf den Rollstuhl angewiesen. (sda)

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