195 Kilo Schnee: Strafsenkung im grössten Kokainfall der Schweiz
Aktualisiert

195 Kilo SchneeStrafsenkung im grössten Kokainfall der Schweiz

Im grössten bisher aufgeflogenen Kokainfall der Schweiz hat das Obergericht die Strafe gegen einen brasilianischen Drogenboss um drei Jahre auf noch achteinhalb Jahre gesenkt.

von
Attila Szenogrady

Ein Schweizer Architekt (42) und ein brasilianischer Unternehmer (38) haben als Bandenchefs zwischen Frühling 2002 und August 2005 nicht weniger als 195 Kilogramm hochwertiges Kokain aus Brasilien in die Schweiz eingeführt. Einen Grossteil der harten Drogen schmuggelte die Bande in Steinplatten und Kerzen versteckt über den Seeweg. Die Grossdealer konnten in der Folge rund 135 Kilogramm des im Kanton Aargau gelagerten Kokains im Grossraum Zürich absetzen und einen Umsatz von über 5,4 Millionen Franken erzielen.

Zerstrittene Bosse

Als der Fall im Herbst 2007 zunächst das Bezirksgericht Zürich beschäftigte, waren die beiden aufgeflogenen und verhafteten Bosse schon längst zerstritten. Obwohl sie schon seit 1992 eine Liebesbeziehung gepflegt und sogar geheiratet hatten. Der Grund für das Zerwürfnis war simpel: Während der Architekt reinen Tisch machte und alle Vorwürfe unumwunden zugab, wies sein Ex-Lebenspartner die meisten Anklagepunkte zurück und stellte sich als willenloses Opfer hin.

Das umfassende Geständnis brachte dem Schweizer Angeklagten eine relativ milde Freiheitsstrafe von neun Jahren ein. Der ebenfalls verurteilte Südamerikaner wurde hingegen mit elfeinhalb Jahren bestraft.

Sofortige Haftentlassung gefordert

Der Verteidiger des Südamerikaners legte Berufung ein und erneuerte am Dienstag vor dem Zürcher Obergericht seine Anträge. Demnach sollte sein Mandant bloss wegen Gehilfenschaft zweieinviertel Jahre Freiheitsstrafe kassieren. Im schlimmsten Fall vier Jahre. Auf jeden Fall forderte er aber die sofortige Haftentlassung seines Klienten. Der Rechtsanwalt zerpflückte dabei in erster Linie die belastenden Aussagen des geständigen Schweizers, den er als smarten Lügner bezeichnete, der alle um den Finger gewickelt habe.

Strafsenkung dank weniger Tatbeiträge

Bei der rechtlichen Würdigung hatte der Verteidiger keinen Erfolg. So zeigten sich die Oberrichter überzeugt, dass mit dem brasilianischen Geschäftsmann alles andere als ein willenloses Opfer vor den Schranken stand. Trotzdem kam das Obergericht zu einer deutlichen Strafsenkung auf noch achteinhalb Jahre. In erster Linie, da der Angeklagte im Vergleich zu seinem Schweizer Partner deutlich weniger Tatbeiträge geleistet habe. So sei dem Südamerikaner die Einfuhr von «lediglich» 155 Kilogramm Kokain nachgewiesen. Also rund 40 Kilogramm weniger als dem Haupttäter.

Schweizer laut Obergericht zu milde bestraft

Zudem sei der Schweizer Drogenhändler vom Bezirksgericht Zürich mit neun Jahren zu milde bestraft worden. Die beiden Urteile sollten aber in einem nachvollziehbaren Verhältnis zueinander stehen, zeigten sich die Oberrichter überzeugt. Trotz der Strafsenkung kann der Angeklagte kaum zufrieden sein. Er wurde nämlich erneut verpflichtet, aus dem unrechtmässig erlangten Vermögensvorteil eine halbe Million Franken dem Kanton Zürich abzuliefern.

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