Bilder in Zeitung: Strafverfahren wegen Fotos von Carlos' Zelle
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Bilder in ZeitungStrafverfahren wegen Fotos von Carlos' Zelle

Die Zürcher Staatsanwaltschaft hat wegen der Fotos der verwüsteten Zelle von Carlos ein Verfahren wegen Verdachts auf Amtsgeheimnisverletzung eingeleitet – gegen unbekannt.

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lüs/tab
Roger Huber wurde von Oberjugendanwalt Marcel Riesen im August 2013 eingestellt. Er sollte ihn als Krisenberater im Fall Carlos unterstützen.

Roger Huber wurde von Oberjugendanwalt Marcel Riesen im August 2013 eingestellt. Er sollte ihn als Krisenberater im Fall Carlos unterstützen.

Fotos der Zelle, die Jugendstraftäter Carlos (18) aus Protest gegen seine Inhaftierung verwüstet hatte, sind im Februar in die Medien gelangt. Dies beschäftigt nun die Ermittlungsbehörden: Die Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich hat am Dienstag ein Strafverfahren wegen Verdachts auf Amtsgeheimnisverletzung eingeleitet, wie Corinne Bouvard, Sprecherin der Zürcher Oberstaatsanwaltschaft, zu 20 Minuten sagt. «Ermittelt wird gegen unbekannt und in alle Richtungen.» Ob es in diesem Fall schon zu Hausdurchsuchungen gekommen ist, will Bouvard nicht sagen.

Benjamin Tommer, Sprecher der Justizdirektion des Kantons Zürich, sagt: «Justizdirektor Martin Graf verurteilt es, dass die Bilder den Medien zugespielt wurden. Er begrüsst es darum, dass die Staatsanwaltschaft die Vorgänge untersucht.»

«So wütet Carlos im Knast» – neben dieser Schlagzeile waren auf einer Doppelseite des «SonntagsBlicks» vom 16. Februar vier Bilder einer zerstörten Gefängniszelle zu sehen. Das Thema: Messerstecher Carlos hatte im Massnahmenzentrum Uitikon seine Zelle demoliert. Woher die Zeitung die Aufnahmen hatte, ist bislang unbekannt. Gemäss Informationen der NZZ sollen sie von Roger Huber stammen, dem PR-Berater des Leitenden Oberjugendanwalts Marcel Riesen.

Riesen hatte Huber Ende August 2013 engagiert – als Krisenberater im Fall Carlos. Die Bilder der verwüsteten Zelle wurden zwei Tage vor dem Entscheid des Bundesgerichts, was mit Carlos passieren soll, veröffentlicht. Doch wie ist der «SonntagsBlick» an diese Fotos gekommen? Relevant ist diese Frage insofern, als die Weitergabe eine Amtsgeheimnisverletzung darstellten kann. Edi Estermann, der Ringier-Konzernsprecher, hat der NZZ mit Verweis auf den Quellenschutz mitgeteilt, er könne die Frage, wie die Bilder zur Zeitung gelangten, nicht beantworten.

«Die Bilder stammen tatsächlich von Huber»

Ein Kadermitglied von Ringier soll der Zeitung aber mehrfach bestätigt haben, dass die Bilder aus dem «SonntagsBlick» tatsächlich von Roger Huber stammen. Huber hingegen dementiert. «Ja, ich habe die Bilder von Marcel Riesen erhalten», gibt er zwar zu. Es sei aber falsch, dass er die Bilder dem «SonntagBlick» zur Verfügung gestellt habe. Denn sein Mandat umfasse Monitoring und Beratung von Oberjugendanwalt Riesen, nicht aber eine aktive Medienarbeit. Zudem dürfe er keine internen Informationen an die Presse weitergeben. Folglich stelle sich die Frage gar nicht, so Huber.

Während eines Telefongesprächs sagte Huber später aber, er frage sich inzwischen natürlich auch, wie die Bilder von seinem Computer auf die Redaktion des «SonntagBlick» gelangt sein könnten. Er sei an den infrage kommenden Tagen zu Hause in St. Gallen gewesen und habe seinen Computer, der in einem Gemeinschaftsbüro stehe, gar nicht bedienen können.

Amtsgeheimnisverletzung ist nach Art. 320 StGB ein Offizialdelikt und muss von Amtes wegen verfolgt werden. Huber rechne offenbar damit, so die NZZ in ihrem Artikel weiter. Er habe am Telefon ungefragt gestanden, dass er seinen E-Mail-Account auf Anweisung von Riesen wöchentlich lösche.

Gegenüber 20 Minuten bekräftigte Huber am Mittwoch, dass er die Bilder nicht den Medien zugespielt habe. Weiter wolle er sich nicht zum Fall äussern. Er gehe aber davon aus, dass sein Beratungsmandat für Riesen weiterlaufe – bisher habe er nichts Gegenteiliges gehört. Auch sei er von der Polizei noch nicht kontaktiert worden.

«Übliches Vorgehen»

Dass Oberjugendanwalt Riesen seinen Berater auf dem Laufenden hielt, indem er ihm die Bilder zukommen liess, entspricht laut Justizdirektions-Sprecher Tommer «dem üblichen Vorgehen». Ob und welche Konsequenzen die Weitergabe der Bilder an die Medien für die Beteiligten habe, lässt sich gemäss Tommer erst sagen, wenn die Resultate der Strafuntersuchung vorliegen. Bis dahin gelte für die Beteiligten die Unschuldsvermutung.

Diese Doppelseite erschien am 16. Februar im «SonntagsBlick».

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