15.02.2020 20:20

SAR-Wert

Strahlt das iPhone 11 Pro viel stärker als erlaubt?

Laut einem unabhängigen Testlabor gibt das neueste Apple-Modell beinahe doppelt so viel Strahlung ab, wie in den USA erlaubt – entgegen den Angaben von Apple.

von
doz
1 / 33
Laut einem amerikanischen Forschungslabor strahlt das iPhone 11 Pro viel zu stark.

Laut einem amerikanischen Forschungslabor strahlt das iPhone 11 Pro viel zu stark.

Gece33/iStock
Das Labor hat einen SAR-Wert von 3,8 beim Telefon gemessen. Der von Apple kommunizierte Wert liegt bei 0,99.

Das Labor hat einen SAR-Wert von 3,8 beim Telefon gemessen. Der von Apple kommunizierte Wert liegt bei 0,99.

Grinvalds/iStock
Das deutsche Bundesamt für Strahlenschutz hat Ende 2019 eine Liste herausgegeben, auf der zu sehen ist, welche Telefone besonders stark und welche besonders schwach strahlen. Dafür hat es die offiziell kommunizierten Werte verwendet.

Das deutsche Bundesamt für Strahlenschutz hat Ende 2019 eine Liste herausgegeben, auf der zu sehen ist, welche Telefone besonders stark und welche besonders schwach strahlen. Dafür hat es die offiziell kommunizierten Werte verwendet.

Anchiy/iStock

Das neuste Smartphone von Apple, das iPhone 11 Pro, strahlt gewaltig. Das behauptet das unabhängige Forschungslabor RF Exposure Lab, das das Modell getestet hat. Das Resultat: Der gemessene SAR-Wert (siehe Box) liegt bei 3,8 Watt pro Kilogramm. Das Limit der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist bei 2 W/kg angesetzt. In den USA liegt das Limit noch tiefer. Laut der US-Kommunikationsbehörde FCC ist dieses bei 1,6 W/kg angesetzt.

Laut der Messung des RF Exposure Lab strahlt das iPhone 11 Pro also mehr als doppelt so stark wie in den USA erlaubt. Auch die Limite der WHO wird überschritten. Stellt sich die Frage, weshalb dieser Wert so stark von jenem, den Apple selbst kommuniziert hat, abweicht. Gemäss Hersteller liegt der SAR-Wert des iPhone 11 Pro bei 0,99.

Unterschiedliche Testergebnisse

Um dieser Frage auf den Grund zu gehen, führte die FCC selbst Tests am iPhone 11 Pro durch. Dabei konnte kein überhöhter SAR-Wert gemessen werden. Wie kam RF Exposure Lab also auf diesen Wert?

Dazu gibt es laut Joel Moskowitz, Strahlen-Wissenschaftler an der Universität Berkeley, verschiedene Theorien. Gegenüber «IEEE Spectrum», sagt er, dass die Testmethoden von RF Exposure Lab fehlerhaft sein könnten. Allerdings handelt es sich um ein zertifiziertes Testlabor, das ständig Tests dieser Art durchführt.

Verschiedene Geräte getestet

Die zweite Möglichkeit sei beunruhigender, so Moskowitz: RF Exposure Lab habe die Telefone, die getestet wurden, selbst gekauft. Jene Geräte, die von der FCC getestet wurden, seien jedoch von Apple zur Verfügung gestellt worden. «Es wäre ein Leichtes, diese Telefone mit einer Spezial-Software zu versehen, sodass sie weniger stark strahlen», so Moskowitz.

Die Tech-Website BGR sieht dies aber eher als Verschwörungstheorie an. Sie gibt eine andere Erklärung: Die Studie von RF Exposure Lab wurde von Penumbra Brands in Auftrag gegeben. Die Firma macht ihr Geld mit dem Verkauf von Schutzhüllen, die die Strahlung eines Smartphones – beispielsweise eines iPhones 11 Pro – mindern sollen. «Die Firma warnt also vor der Strahlung des iPhones und ist gleichzeitig gewillt, den Kunden eine Hülle gegen dieselbe Strahlung zu verkaufen. Wie praktisch», heisst es auf der BGR-Website.

Apple hat sich bisher nicht zu den gemessenen Werten von RF Exposure Lab oder zu den Anschuldigungen von Moskowitz geäussert.

Veraltete Testmethoden

Während sich die Wissenschaft nach wie vor uneins über die tatsächliche Strahlengefahr durch Handys ist, gibt das Bundesamt für Gesundheit folgende Tipps, um die persönliche Strahlenbelastung von Mobiltelefonen zu verringern:

Zudem sollten Smartphones nicht zu nahe am Körper getragen werden. Die Tests, die den SAR-Wert eines Telefons ermitteln, überprüfen die Strahlung, wenn ein Telefon 5 Millimeter vom Körper entfernt gehalten wird. Dies ist zwar nicht viel, bei einer normalen Nutzung befindet sich das Telefon aber häufig in einem Abstand von rund 2 Millimetern vom Körper entfernt. Dies ist ein Grund, weshalb einzelne Strahlenforscher seit längerem eine Überholung der Messmethoden des SAR-Werts fordern.

Der SAR-Wert

Strahlung wird als sogenannter SAR-Wert angegeben. Dabei handelt es sich um einen Messwert, der zeigt, wie stark die elektromagnetische Strahlung eines Geräts in den Körper eines Menschen eindringt. Je geringer dieser Wert ist, desto weniger stark ist die Strahlung. Um den SAR-Wert eines Telefons zu ermitteln, wird es an einem Kopfmodell getestet. Dieses ist mit einer Flüssigkeit gefüllt, die eine ähnliche Leitfähigkeit wie menschliches Gewebe aufweist. Der zugelassene SAR-Grenzwert liegt laut WHO bei 2 Watt pro Kilogramm und wird für den Gebrauch des Geräts direkt am Ohr gemessen.

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.