Aktualisiert 04.03.2011 14:13

Vermisste ZwillingeStrand auf Korsika durchkämmt

Eine Schar von Beamten geht weiteren Spuren auf Korsika nach. Gleichzeitig wurden die Zwillinge angeblich im italienischen Treviso gesehen.

von
Annette Hirschberg

Am Montagmorgen durchkämmten 50 Beamte den Strand von Palombaggio bei Porto Vecchio im Südosten der Insel Korsika. Gemäss dem französischen Radio RTL waren sie auf der Suche nach Livia und Alessia, den beiden seit dem 30. Januar verschwundenen Schweizer Zwillingen.

Gleichzeitig häufen sich Meldungen von Personen, die glauben, Livia und Alessia gesehen zu haben. So ist eine Frau im süditalienischen Salento tief und fest überzeugt, die Mädchen hätten im Januar dort in einer Kaffeebar gesessen. «Seit Tagen schlafe ich nicht mehr. Ich fürchte, man wird mir nicht glauben. Aber ich habe die Zwillinge ganz sicher gesehen, zusammen mit einem erwachsenen Paar», sagt die pensionierte Lehrerin.

Auch in der norditalienischen Stadt Treviso, unweit von Venedig, wurde die Polizei aufgeschreckt. «Kommt schnell, hier sind zwei Kinder, die aussehen wie die verschwundenen Schweizer Zwillinge», meldete sich eine Person aus einem Hotel bei der Alarmzentrale. Und sie war nicht die einzige. Doch leider handelte es sich um einen falschen Alarm, wie die Polizei vor Ort feststellte. Die zwei blonden Mädchen, die Livia und Alessia tatsächlich zum verwechseln ähnlich sahen, waren zwei holländische Schwestern, die mit ihren Eltern unterwegs waren.

GPS bringt keine neue Information

Die Untersuchung des kaputten Navigationsgerätes aus dem Auto des Vaters Matthias S. hat vorerst zu keinen neuen Erkenntnisen geführt, wie der zuständige Staatsanwalt in Italien am Montag bekannt gab. Nach der Analyse wurde das Gerät dem Hersteller zugesandt - in der Hoffnung, dass dieser doch noch neue Informationen herauslesen kann, berichtete die Nachrichtenagentur ansa.

Die Teile des kaputten Gerätes waren in Cerignola gefunden worden. Dort hatte sich der Vater der Zwillinge aus St-Sulpice VD vor einen Zug geworfen. Mit Hilfe des Navigationsgerätes hoffen die Ermittler, die Route des Autos rekonstruieren zu können.

DNA-Spuren noch nicht ausgewertet

Während die Polizeikorps in der Schweiz, Frankreich und Italien unzähligen Hinweisen nachgehen, versuchen mehrere Labors auch DNA-Spuren der Mädchen auf der Reiseroute des Vaters zu finden. So etwa auf einem Kugelschreiber der Fährgesellschaft mit der Matthias S. nach Korsika gereist war. Damit könnte bewiesen werden, dass die Mädchen am 1. Februar zusammen mit ihrem Vater auf der Fähre waren. «Die Auswertungen sind noch nicht abgeschlossen, darum können wir noch nicht sagen, ob die Mädchen den Stift berührt haben», erklärt Alfredo Fabrocini, Untersuchungsleiter im Fall Livia und Alessia im süditalienischen Foggia.

Keine Angaben gibt es bis jetzt auch zu den gefundenen Blutspuren im Norden von Korsika. «Wir geben keinen Kommentar ab», heisst es auf Anfrage von 20 Minuten Online aus dem Büro von Staatsanwalt Jacques Dallest in Marseille. So ist weiterhin unklar, ob es sich bei den Spuren überhaupt um menschliches Blut handelt.

Korsika im Fokus - Schweiz nicht ausgeschlossen

Befragt vom TV-Sender Rai2, gab der Staatsanwalt Vincenzo Russo nun bekannt, dass ausgeschlossen werden könne, dass die Zwillinge mit dem Vater nach Italien gereist seien. Es gebe keine Hinweise auf eine Einreise der beiden Mädchen.

Der Waadtländer Staatsanwalt Eric Cottier geht davon aus, dass die Kinder via Frankreich nach Korsika gebracht worden sind. Es sei aber auch möglich, dass die Zwillinge die Schweiz nie verlassen haben, wie er am Sonntag gegenüber dem italischen TV-Sender Canale 5 sagte.

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.