Aktualisiert 23.04.2014 10:57

Rio de JaneiroStrassenschlachten in Favela fordern einen Toten

Im legendären Stadtteil Copacabana ist es zu heftigen Strassenschlachten zwischen Demonstranten und der Polizei gekommen. Dabei soll ein Mann nach einem Schusswechsel getötet worden sein.

von
bee

Nach dem Tod eines bekannten Slumbewohners ist es in Rio de Janeiro zu schweren Ausschreitungen gekommen. Wütende Demonstranten schleuderten am Dienstag selbst gebaute Sprengsätze auf eine belebte Strasse im Touristengebiet in der Copacabana. Zudem legten sie Feuer und warfen mit Flaschen und anderen Gegenständen. Als eine Eliteeinheit der Polizei daraufhin in die Armensiedlung Pavão-Pavãozinho einrückte, waren Schusswechsel zu hören. Dabei sei ein Mann erschossen worden, teilte die Stadtverwaltung nach Angaben brasilianischer Medien mit.

Die betroffene Gegend ist nur wenige Hundert Meter von Spielstätten für die Olympischen Spiele 2016 entfernt. Durch den Gewaltausbruch wurde der Verkehr auf mehreren Hauptstrassen der brasilianischen Metropole lahmgelegt.

«Die Polizei hat meinen Freund zu Tode geprügelt»

Hintergrund der Unruhen ist der Fund einer Leiche eines 25-Jährigen in dem Slum. Beim jungen Mann handelte es sich um einen bekannten Tänzer in einer Fernsehshow des grössten Senders Globo. Die Hintergründe seines Todes sind bislang unklar, doch machten die Demonstranten die Polizei dafür verantwortlich.

«Die Polizei hat meinen Freund zu Tode geprügelt, genauso wie sie in anderen Vierteln gefoltert und getötet haben», sagte ein Bewohner von Pavão-Pavãozinho, Johanas Mesquita. «Diese Bemühungen zur Befriedung der Favelas sind fehlgeschlagen, die Polizeigewalt ersetzt doch nur, was die Drogengangs vorher getan haben.»

Vor der Fussballweltmeisterschaft im Juni haben Sicherheitskräfte im grossen Stil Verbrecherbanden aus Slums in Rio hinausgedrängt. Bislang sind auf diese Weise 37 «polizeilich befriedete Gebiete» in einem von 1,5 Millionen Menschen bewohnten Areal entstanden. Die Gangs schlagen jedoch mit Attacken auf Polizeiposten zurück. Zudem klagen Menschen in den Favelas immer wieder über das übermässig harte Vorgehen von Beamten, das oft zum Tod von Slumbewohnern führe. (bee/sda)

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