Ausschreitungen in Athen: Strassenschlachten vor griechischem Parlament
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Ausschreitungen in AthenStrassenschlachten vor griechischem Parlament

Die Proteste in Athen sind vorbei. Im Parlament verzögert sich die Abstimmung auf unbestimmte Zeit. Regierungschef Tsipras spricht zum Parlament.

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Gewalttätige Ausschreitungen bei einer Demonstration in Athen: Polizisten werden mit Molotow-Cocktails und Ziegelsteinen beworfen.

Gewalttätige Ausschreitungen bei einer Demonstration in Athen: Polizisten werden mit Molotow-Cocktails und Ziegelsteinen beworfen.

kein Anbieter/Emilio Morenatti/AP
Eine Gruppe von Autonomen hat sich unter die Demonstranten gemischt und die Polizei attackiert.

Eine Gruppe von Autonomen hat sich unter die Demonstranten gemischt und die Polizei attackiert.

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Die Polizei setzte sich mit Pfeffersprays und Tränengas zur Wehr.

Die Polizei setzte sich mit Pfeffersprays und Tränengas zur Wehr.

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Vor der umstrittenen Parlamentsabstimmung über die Sparauflagen sind die Emotionen in Griechenland hochgekocht. Am Abend kam es auf dem Syntagma-Platz vor dem Parlament in Athen zu Strassenschlachten zwischen einer Gruppe Autonomer und Bereitschaftspolizisten. Molotow-Cocktails und Ziegelsteine folgen auf der einen Seite, die andere antwortete mit Tränengas und Pfefferspray.

Im Parlamentsgebäude wird hitzig über die Spar- und Reformgesetze debattiert. Es wird aber damit gerechnet, dass sie in der Nacht zum Donnerstag mit Stimmen der Opposition gebilligt werden. Die Mehrwertsteuererhöhungen und Rentenreformen, die Griechenland umsetzen muss, bevor es mit den internationalen Geldgebern über ein drittes Hilfspaket verhandeln kann, bedeuten weitere wirtschaftlich harte Jahre für die Griechen. Dutzende Abgeordnete der Syriza von Ministerpräsident Alexis Tsipras wollen deshalb in der Nacht gegen das Vorhaben stimmen.

Angestellte im öffentlichen Dienst gingen aus Protest in einen 24-stündigen Streik und legten damit das öffentliche Leben im ganzen Land weitgehend lahm. Rund 12'500 Menschen marschierten bei einer Kundgebung durch das Zentrum Athens. Eine Gruppe von Demonstranten löste sich dabei aus der Menge und warf mit Molotow-Cocktails und Steinen auf die Bereitschaftspolizisten. Diese setzten Pfefferspray und Tränengas ein. Auch Fensterscheiben wurden eingeschlagen und Autos angezündet. Die Polizei meldete mindestens 50 Festnahmen.

Der Chefreporter der deutschen Bild, Paul Ronzheimer, hat die Ausschreitungen live miterlebt und einen Stream auf Periscope gestellt:

Zahlreiche Tweets berichten bereits von den Ausschreitungen in Athen:

Zu Beginn der Debatte im Parlament äusserte Finanzminister Euklid Tsakalotos Verständnis für den Unmut, betonte aber auch, dass es keine Alternativen zur Einigung mit den europäischen Geldgebern unter harschen Auflagen gegeben habe. «Ich muss Ihnen sagen, dieser Montagmorgen um 9:30 Uhr, das war der schwierigste Tag in meinem Leben. Es war eine Entscheidung, die für den Rest meines Lebens auf mir lasten wird», sagte er. «Ich weiss nicht, ob wir das Richtige getan haben. Aber ich weiss, dass wir etwas getan haben, mit der Einsicht, dass wir keine Wahl hatten.»

Mit einer Abstimmung im Parlament wird erst tief in der Nacht gerechnet, nachdem Parlamentspräsidentin Zoe Konstantopoulou eine Sitzung des Präsidiums einberufen und damit den Beginn der Debatte verzögert hatte. Konstantopoulou gilt als entschiedene Gegnerin des Sparkurses. In der vergangenen Woche kam das Votum bei einer ähnlichen Debatte erst um 03.00 Uhr morgens.

Die stellvertretende Finanzministerin Nadja Valavani kündigte an, nicht für das Gesetz zu stimmen und trat von ihrem Regierungssitz zurück. In einem Brief an Tsipras, der vom Finanzministerium veröffentlicht wurde, erklärte sie, die Taktik der «dominanten Kreise in Deutschland» sei «die vollständige Erniedrigung der Regierung und des Landes». (sda)

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