Fake 30er-Zone in Münsingen BE - «Familien ängstigen sich um Kinder» – Strassenvandalen melden sich anonym
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Fake 30er-Zone in Münsingen BE«Familien ängstigen sich um Kinder» – Strassenvandalen melden sich anonym

Eine falsche 30er-Zone tauchte in Münsingen BE auf. Nun ermittelt die Polizei wegen des Schadens am Belag. Liefert eine anonyme E-Mail Hinweise?

von
Lucas Orellano
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Plötzlich Tempo 30? Bei einigen Autolenkerinnen und -lenkern sorgte die Bodenmarkierung für Irritationen.

Plötzlich Tempo 30? Bei einigen Autolenkerinnen und -lenkern sorgte die Bodenmarkierung für Irritationen.

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Wer für die Fake-Beschriftung verantwortlich ist, ist trotz Bekennerschreiben unklar. Die Kapo hat Abklärungen aufgenommen…

Wer für die Fake-Beschriftung verantwortlich ist, ist trotz Bekennerschreiben unklar. Die Kapo hat Abklärungen aufgenommen…

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…und das Strasseninspektorat zur Reinigung aufgeboten.

…und das Strasseninspektorat zur Reinigung aufgeboten.

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Darum gehts

  • In Münsingen prangte eines Morgens eine grosse 30 auf der Tägertschistrasse.

  • Die Kantonspolizei hat Ermittlungen aufgenommen, weil der Belag beschädigt wurde.

  • In einer Bekenner-Email verteidigt sich das «Komitee Aktion Strassenmalerei». Es gehe nicht um Zerstörungswut.

Flächendeckende 30er-Zone – Ja oder Nein? Diese Frage sorgt in verschiedenen Städten für hitzige Diskussionen. Beispielsweise in Paris oder in Zürich – und auch in Münsingen BE. Aktueller Auslöser dafür ist eine Aktion, bei der Ende August kurzerhand eine 30er-Zone auf der Tägertschistrasse eingerichtet wurde.

Gemeindeparlamentarier Michael Hochstrasser stellte Fotos davon auf Facebook und schrieb dazu: «Solch respektlose Aktionen gehören nicht in unsere Gemeinde. Wenn man ein Anliegen hat, gibt es die Möglichkeit von politischen Vorstössen». Verschiedene Userinnen und User verschafften daraufhin ihrem Ärger über die Aktion Luft. Einige hielten die neue Markierung sogar für echt.

Dem war allerdings nicht so. Die weisse 30 auf dem Asphalt musste entfernt werden, wie die Kantonspolizei Bern auf Anfrage von 20 Minuten bestätigte. Dabei wurde der Belag beschädigt, der Schaden wird wohl Tausende Franken betragen. Gemäss Kapo wurden nun Ermittlungen aufgenommen, um herauszufinden, auf wessen Konto die Tat geht.

«Es geht nicht um Zerstörungswut»

Dabei helfen könnte ein Bekennerschreiben, das bei Hochstrasser eingetroffen ist. In dem E-Mail, das 20 Minuten vorliegt, verteidigt eine Gruppe, die sich «Komitee Aktion Strassenmalerei» nennt, die gefälschte 30er-Zone.

«Ihr Unmut ist verständlich», heisst es dort. «Ich kann Ihnen versichern: Es geht nicht um Zerstörungswut oder eine Aktion von Wirrköpfen. Es geht darum, dass viele Familien, die an oder nahe der Tägertschistrasse wohnen, sich jeden Tag um ihre Kinder ängstigen, die praktisch ungeschützt riesigen Lastwagen und rücksichtslosen Automobilisten dort ausgesetzt sind.»

Einige Bekannte hätten sich mit der Bitte an die Behörden gewandt, auf der ganzen Strasse Tempo 30 einzuführen, Schutzgeländer anzubringen, oder die Kinder anders zu schützen. «Keine Anfrage stiess auf Gehör, man wurde immer abgespiesen. Niemand hat Verständnis für verängstigte Eltern, sondern es scheint, dass jeder mit 50 durchs Dorf blochen will», heisst es weiter. Deshalb habe nun «ein/e Bürger/in» allen Mut zusammengenommen und eine 30 auf den Asphalt gemalt, um auf das Anliegen aufmerksam zu machen.

Kommt die Zone 30?

Hochstrasser hat Verständnis für die Anliegen des Komitees, wie er in seiner Antwortmail schreibt. «Meine negative Äusserung zur Malerei hängt ausschliesslich mit der Vorgehensweise zusammen, welche in einer demokratischen Gesellschaft nicht zielführend sein darf», sagt er. «Mit Provokation etwas durchdrücken ist kein guter Weg.» Auch er störe sich daran, dass in Münsingen teilweise Fussgängerstreifen in 30er-Zonen aufgehoben wurden. Mit Verweis auf das Bafu lehnt er Tempo 30 auf der Tägertschistrasse oder anderen Kantonsstrassen jedoch ab – dies sei für Quartierstrassen geeignet.

Im Münsinger Verkehr könnte sich indes das 50er-Regime in den kommenden Jahren auflösen. «Wir bearbeiten zurzeit das Vorprojekt für die Sanierung der Tägertschistrasse», sagt Adrian Gygli, Projektleiter Strassenbau beim kantonalen Tiefbauamt. «Dabei wird geprüft, ob Tempo 30 aus Verkehrssicherheitsgründen nötig ist. Das Vorprojekt wird voraussichtlich im Herbst in die Mitwirkung gehen.»

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Um diese Strasse geht es: Die Tägertschistrasse in Münsingen, die vom Kreisel in Richtung Ortsausgang führt. Jeder Punkt auf der Karte symbolisiert einen Unfall in den letzten 10 Jahren.

Um diese Strasse geht es: Die Tägertschistrasse in Münsingen, die vom Kreisel in Richtung Ortsausgang führt. Jeder Punkt auf der Karte symbolisiert einen Unfall in den letzten 10 Jahren.

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In diesem Zeitraum auf der Tägertschistrasse laut dem Bundesamt für Strassen (Astra) zweimal zu Unfällen mit Fussgängerinnen und Fussgängern: Einmal im November 2013 und einmal im April 2019 wurde eine Person leicht verletzt.

In diesem Zeitraum auf der Tägertschistrasse laut dem Bundesamt für Strassen (Astra) zweimal zu Unfällen mit Fussgängerinnen und Fussgängern: Einmal im November 2013 und einmal im April 2019 wurde eine Person leicht verletzt.

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