DSK-Prozess: Strauss-Kahn bekennt sich nicht schuldig
Aktualisiert

DSK-ProzessStrauss-Kahn bekennt sich nicht schuldig

Der Ex-IWF-Chef hat heute vor Gericht zu den Vorwürfung Stellung genommen und seine Unschuld beteuert. Wie sein Verteidiger Benjamin Brafman voraussagte, tritt er entschieden auf.

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Der ehemalige IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn hat sich am Montag zu den gegen ihn erhobenen Vergewaltigungsvorwürfen nicht schuldig bekannt. Der zurückgetretene Chef des Internationalen Währungsfonds äusserte sich vor Gericht in Manhattan mit fester Stimme. Begleitet wurde er von seinen beiden Verteidigern. Seine Frau, die Journalistin Anne Sinclair, war ebenfalls anwesend.

Dem 62-Jährigen wird vorgeworfen, Mitte Mai ein Hotel-Zimmermädchen in New York sexuell angegriffen zu haben. Es war der erste Gerichtstermin seit seiner Freilassung aus der Untersuchungshaft gegen Kaution vor mehr als zwei Wochen.

Strauss-Kahn hatte die Beschuldigungen des 32-jährigen Zimmermädchens bereits zuvor zurückgewiesen. Die Verteidigung hat erklärt, sie habe Informationen, die die Glaubwürdigkeit des mutmasslichen Opfers «ernsthaft untergraben». Ausserdem stützten die forensischen Beweise den Vorwurf von erzwungenem Sex ihrer Ansicht nach nicht.

Brafman äusserte sich

Sein Anwalt Ben Brafman hatte zuvor in einem 20-minütigen Beitrag des französischen Fernsehsenders M6 angegeben, ein gutes Gefühl zu haben: «Ich werde nicht viel über den Fall verraten, aber ich kann sagen, mein Mandant wird sehr entspannt auftreten.» Er sei fest von Strauss-Kahns Unschuld überzeugt.

Erstmals seit Beginn der Affäre Strauss-Kahn liess sich sein Staranwalt von den Medien interviewen. Die Reportage gibt Einblick in die besonderen Arbeitsmethoden des 62-Jährigen. Les Levine, ein Privatdetektiv, der mehrere Jahre mit Brafman arbeitete, erzählt, dass es eine übliche Praxis des Anwalts sei, die «Abfalleimer zu durchwühlen» und sich an jedes noch so kleine Detail zu klammern, um vor Gericht Zweifel an den Aussagen der Anklage zu säen.

«Er ist besonders gut, wenn es darum geht, den Staatsanwalt zu bedrängen», meint Walter Mack, ein ehemaliger Ankläger, der in der 1980er-Jahren den Prozess gegen die Mafiabosse Gambino und Colombo führte und mit Brafman zu tun hatte. «Jeden Morgen kam er eine halbe Stunde vor der Verhandlung zu mir und wies auf alle Fehler hin, die ich bei meiner Arbeit machte. Mit der Zeit war ich komplett verunsichert.» Im Jahr 2001 schaffte es Brafman, dass Rapper Puff Daddy – heute als P. Diddy bekannt – freigesprochen wurde, obwohl ihn mehr als 100 Zeugen gesehen hatten, wie er mit seiner Waffe um sich schoss. Als das Urteil fiel, habe man Brafman zu sich selbst sagen gehört: «Gott sei Dank.»

Der eiserne Blick macht sie alle fertig

«Ich halte mich nur an die Fakten», meint Ben Brafman. Dabei genüge es manchmal, dass bei den Geschworenen ein minimaler Zweifel entstehe. Darauf basierte vor einigen Jahren die Verteidigung eines bekannten Gangsters: Peter Gatien war beschuldigt worden, Ecstasy in Discos zu vertreiben. Ben Brafman hatte am Abend vor der Verhandlung beobachtet, wie zwei Zeugen, die sich laut eigenen Aussagen lange nicht begegnet waren, den gleichen Anzug trugen.

«Vor Gericht fragte er zunächst den zweiten Zeugen, wann er den ersten das letzte Mal gesehen hatte», erinnert sich Gatien in der Reportage. Als er angab, das sei schon lange her, fragte Brafman, wie es dann möglich sei, dass er den Anzug des anderen Zeugen trage. «Darauf wandte er sich sofort an die Geschworenen und fragte: ‹Würden Sie einem Lügner ihren Hausschlüssel überlassen?›», so sein ehemaliger Klient. «Minuten später war ich ein freier Mann.»

«Sobald er eine Lüge aufgedeckt hat, stürmt er durch die Bresche», erklärt James Cohen, Rechtsprofessor der Universität Fordham, gegenüber M6 auf metaphorische Art die Arbeitsweise Brafmans. «Er äussert sich kaum zu seinem Klienten, er geht eher auf die Zeugen los. Ich habe gesehen, wie er seine Gegner auseinandernimmt», sagt Cohen. Der eiserne Blick, der ihm ebenfalls nachgesagt wird, trage viel dazu bei. «Ich will mir gar nicht vorstellen, was er mit dem Zimmermädchen anstellen wird.» (kle/dapd)

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