Wintereinbruch: Strecke wegen Lawinen-Gefahr unterbrochen
Aktualisiert

WintereinbruchStrecke wegen Lawinen-Gefahr unterbrochen

Was am Sonntag noch unglaublich tönte, ist jetzt eingetroffen: Die Kälte hat den Sommer verjagt. Auf bis zu 1000 Meter über Meer schneit es sogar.

von
qll
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Der Schnee ist zurück: In Verbier VS - auf 1500 Meter - tanzen die Flocken.

Der Schnee ist zurück: In Verbier VS - auf 1500 Meter - tanzen die Flocken.

Leser-Reporter/Rossier
So sah es in vier Ortschaften gestern und heute aus.

So sah es in vier Ortschaften gestern und heute aus.

Meteonews
«Wir versinken hier im Schnee», so der Leser-Reporter aus Saas-Fee VS zu diesem Bild.

«Wir versinken hier im Schnee», so der Leser-Reporter aus Saas-Fee VS zu diesem Bild.

Leser-Reporter

Glace essen, in der Sonne liegen oder grillieren – am Wochenende war das noch möglich. Doch das Thermometer ist nun in den Keller gefallen. Am Montagmorgen musste man vielerorts die Jacke herausholen und an den Schirm denken. «Es regnet in der ganzen Schweiz und es regnet viel», sagte Cédric Sütterlin von Meteonews.

So sind in der West- und Zentralschweiz in den letzten 24 Stunden verbreitet 20 bis 40 Liter Regen pro Quadratmeter gefallen. Auch die Schneefallgrenze ist deutlich gesunken: «Speziell im Berner Oberland und in der Zentralschweiz schneite es stellenweise sogar auf 1000 Meter oder knapp darunter.» Mehrere Leser-Reporter schickten Bilder von verschneiten Strassen und Landschaften. «Wir versinken hier im Schnee», so ein Leser aus Saas-Fee.

Lawinengefahr

Wegen Lawinengefahr wurde sogar die Strecke zwischen Grindelwald Grund und Kleine Scheidegg für den Bahnverkehr unterbrochen, wie die SBB auf ihrer Homepage meldet. Reisende von Grindelwald Grund nach Kleine Scheidegg oder umgekehrt sollen via Lauterbrunnen reisen. Weiter heisst es, dass die Dauer des Unterbruchs bis Betriebsschluss anhalte.

Auch zwischen Weissbad und Wasserauen ist die Strecke für den Bahnverkehr unterbrochen. Der Grund: Starke Winde. Wegen eines Unwetters ist auch die Strecke zwischen Brienz BRB und Planalp für den Bahnverkehr unterbrochen.

Besserung ab Mittwoch

Weiter herunter komme der Schnee aber nicht mehr. Auch der Regen wird am Montag im Verlauf des Tages langsam nachlassen. «Dennoch bleibt es nass, kalt und zeitweise windig», sagt Sütterlin. Als Höchsttemperaturen für den heutigen Montag gibt er im Flachland zwischen 8 und 10 Grad an.

Eine Besserung sei bereits ab Dienstagnachmittag, spätestens jedoch ab Mittwoch in Sicht. «Die Temperaturen steigen dann täglich zwar an, ab Donnerstag kann örtlich wieder mit 25 Grad gerechnet werden», sagt Sütterlin. «Doch besonders aufs Wochenende hin ist am Nachmittag jeweils die Gewittergefahr doch deutlich erhöht.»

Schneemenge für Mai «aussergewöhnlich»

Dass es Ende Mai noch einen derartigen Temperatursturz gibt, sei relativ speziell, sagt Sütterlin. Solche Ausbrüche kämen zwar immer wieder vor, in diesem Monat habe es jedoch schon eher aussergewöhnlich oft Temperaturstürze gegeben. Schuld ist beim derzeitigen Wetter eine kräftige Kaltfront mit polarem Ursprung. «Sie liess die Temperaturen innerhalb von zwölf bis 16 Stunden um rund 20 Grad fallen», so der Meteorologe.

Zwar könne es auch im Juni noch vorkommen, dass die 10-Grad-Marke nicht geknackt wird, «dass es am Montag jedoch beispielsweise in Meiringen unter fünf Grad blieb, ist aussergewöhnlich». Auch die grosse Schneemenge, die ab rund 1000 Metern Höhe fiel, sei nicht üblich für den Mai. Momentan sei jedoch kein weiterer Wintereinbruch mehr in Sicht. «Ganz ausgeschlossen ist es aber nicht.»

Getreide, Reben und Erdbeeren gefährdet

Unter dem chaotischen Wetter leiden auch die Bauern. «Die meisten Pflanzen vertragen zwar kurzfristige Temperaturstürze», erklärt Hans Rüssli, Sprecher des Schweizer Bauernverbands. Das Wetter setzt dem Schweizer Getreide aber dennoch zu: «Bei unbehandeltem Getreide findet man wegen der tiefen Temperaturen und der feuchten Witterung allmählich immer mehr Gelbrost.» Das könne zu Einbussen in der Getreideernte führen.

Auch für die Rebbauern sieht es alles andere als rosig aus: «Die Reben haben sonst schon unter dem Frost gelitten. Lokal gibt es deshalb in diesem Jahr wenig oder gar keinen Ertrag», sagt Rüssli. Am meisten zitterten derzeit aber die Erdbeerbauern. «Bei Freilandfeldern setzt nach zwei bis drei Tagen Feuchtigkeit die Fäulnis ein», sagt Rüssli. Kurz gesagt: «Es wünschen sich alle sonniges und warmes Wetter.»

Bei Monthey im Kanton Wallis ist alles weiss:

Die aktuelle Wetterprognose finden Sie hier:

Temperatursturz von über 22 Grad innert 18 Stunden

Das Beispiel von Château-d'Oex VD illustriert den Wetterumsturz, wie SRF Meteo am Montag mitteilte. In dem rund 1000 Meter hoch gelegenen Ort wurde am Montagmorgen eine Temperatur von lediglich 0,4 Grad gemessen. Am Sonntag lag die Höchsttemperatur dort bei 22,8 Grad.

Dies entsprach laut SRF Meteo einem Temperatursturz von mehr als 22 Grad innerhalb von rund 18 Stunden. Am Montagnachmittag wurde im Waadtländer Ort noch eine Höchsttemperatur von 5 Grad erwartet, was immer noch einer Abkühlung von rund 18 Grad gegenüber dem Sonntag entspricht.

Am Montagmorgen waren zahlreiche Alpenpässe wieder mit Schnee bedeckt, so etwa der Col des Mosses mit einer Passhöhe von 1445 Metern über Meer oder der Simplon-, der Lukmanier-, der Flüela-, der Bernina- und der Julierpass. Der Klausenpass musste vorübergehend sogar wieder geschlossen werden. (sda)

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