Hanspeter Thür: «Street View ist nur ein Pilotfall»
Aktualisiert

Hanspeter Thür«Street View ist nur ein Pilotfall»

Der Schweizer Datenschützer sagt den «nicht-autorisierten» Bildern im Internet den Kampf an. Sollte er gegen Google gewinnen, wären die Auswirkungen enorm.

von
Daniel Schurter
Der Eidgenössische Datenschützer Hanspeter Thür will am Beispiel von Googles Dienst «Street View» die Frage klären lassen, ob man ungefragt im Internet abgebildet werden darf. (Bild: Keystone)

Der Eidgenössische Datenschützer Hanspeter Thür will am Beispiel von Googles Dienst «Street View» die Frage klären lassen, ob man ungefragt im Internet abgebildet werden darf. (Bild: Keystone)

Der Schweizer Datenschützer wünscht sich ein Grundsatzurteil, das weitreichende Folgen haben könnte – nicht nur für Google, sondern für verschiedene Internet-Firmen. Die höchsten Richter des Landes sollen verbindlich klären, ob Fotos ohne das Einverständnis der abgebildeten Personen ins Internet geladen werden dürfen. Würde das Veröffentlichen solcher nicht-autorisierten Bilder grundsätzlich verboten, müssten zahlreiche Online-Dienste angepasst werden. Wie stark auch Facebook und andere populäre Plattformen betroffen wären, ist nicht klar.

Weitere Fälle sollen folgen

«Googles Street View ist nur ein Pilotfall», bestätigt der Datenschützer gegenüber 20 Minuten Online. Sollte das Gericht seiner Argumentation folgen, hätte dies Auswirkungen, die noch nicht abgeschätzt werden können. «Was für Google gilt, gilt für alle», sagt Hanspeter Thür. Und weiter: «Wenn der grosse Fall gelöst ist, könnten weitere Fälle folgen.» Das hänge schliesslich von den Internetnutzern ab, sagt der Datenschützer. Sollte sich jemand zu einer gerichtlichen Klage entschliessen, weil sein Konterfei ohne Erlaubnis ins Internet gestellt wurde, hätte er dank dem Grundsatzurteil gute Karten - und würde vom Datenschützer wenn nötig unterstützt. Das heisst, es müssten sich in Zukunft auch andere Firmen warm anziehen, die User-Bilder im Internet veröffentlichen.

«Zu wenig zuverlässig»

Allein in einem kleinen Land wie der Schweiz würden Millionen von Bildern aufgeschaltet, gibt der Datenschützer zu bedenken. Da sei es für den einzelnen User nicht zumutbar, dass er selber aktiv werden müsse, um nicht-autorisierte Bilder aus dem Internet zu löschen. Vielmehr stünden die Anbieter solcher Dienste in der Pflicht. Sie müssten von sich aus gewährleisten, dass die Persönlichkeitsrechte der Menschen nicht verletzt werden.

Probleme verschärfen sich

Hanspeter Thür sieht den Schutz der Privatsphäre in Zukunft noch stärker bedroht. «Die technische Entwicklung wird die Probleme massiv verschärfen.» Der Datenschützer hat die automatische Gesichtserkennung im Sinn. Dank spezieller Software lassen sich Fotos scannen und abgebildete Gesichter einer Person zuordnen, indem im Internet nach dem gleichen Gesicht gesucht wird.

Google versichert zwar, dass auch in Zukunft auf Gesichtserkennung verzichtet werde. Doch das scheint den Datenschützer nicht zu beruhigen: «Was Google nicht tut, macht jemand anders.» Die neue Technologie, die es schon heute gebe, werde sich durchsetzen, ist er überzeugt. Dem gelte es frühzeitig Rechnung zu tragen und die gesetzlichen Bestimmungen anzupassen.

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