Reaktion auf Hedgefonds-Debakel - Jetzt droht den CS-Bankern das Boni-Aus
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Reaktion auf Hedgefonds-DebakelJetzt droht den CS-Bankern das Boni-Aus

Im Bonustopf der Credit Suisse befinden sich über 3 Milliarden Franken. Nach den neusten Skandalen mit folgenschweren Verlusten für die Bank sollen die Angestellten auf Boni in Millionenhöhe verzichten.

von
Janine Gloor
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Die Credit Suisse hat in den letzten Wochen herbe Verluste einstecken müssen.

Die Credit Suisse hat in den letzten Wochen herbe Verluste einstecken müssen.

20min/Marco Zangger
CEO Thomas Gottstein (Bild) und Verwaltungsratspräsident Urs Rohner verzichten auf Boni in Millionenhöhe.

CEO Thomas Gottstein (Bild) und Verwaltungsratspräsident Urs Rohner verzichten auf Boni in Millionenhöhe.

Credit Suisse
Nun soll die CS weitere Boni in der Höhe von hunderten Millionen Franken streichen, berichtet die Zeitung Financial Times.

Nun soll die CS weitere Boni in der Höhe von hunderten Millionen Franken streichen, berichtet die Zeitung Financial Times.

20min/Marco Zangger

Darum gehts

  • Die Credit Suisse will Boni in der Höhe von mehreren hundert Millionen Franken streichen.

  • Grund sind die herben Verluste im ersten Quartal.

  • Für Ständerat Thomas Minder reicht das bei weitem nicht.

  • Er fordert eine Nullrunde für die Führungsetage.

Die Credit Suisse (CS) erwartet in den ersten drei Monaten im Jahr 2021 Verluste in der Höhe von über 900 Millionen Franken. Verantwortlich dafür waren Skandale um den kollabierten Hedgefonds  Archegos Capital Management und die insolvente Bremer Bank Greensill.

CS-CEO Thomas Gottstein und Verwaltungsratspräsident Urs Rohner verzichten deswegen auf Boni in Millionenhöhe. Nun sollen weitere CS-Banker ohne den Geldregen aus dem Bonustopf auskommen müssen, wie die Financial Times berichtet. Die Rede ist von hunderten Millionen Franken.

Im Bonus-Pool der Credit Suisse befinden sich über 3 Milliarden Franken. Wie viel davon gestrichen wird, soll gemäss der Financial Times mit den Quartalszahlen von nächster Woche offengelegt werden.

«Mit Fixlöhnen wäre das nicht passiert»

Der Schaffhauser Ständerat und Initiant der 2013 angenommenen «Abzocker-Initiative», Thomas Minder, hat kein Verständnis für die Boni von Bankern bei Millionenverlusten. Die überhöhten Boni würden Anreize für risikofreudiges Verhalten schaffen. «Wenn bei der Credit Suisse nur Fixlöhne gezahlt würden, wären diese Debakel nie passiert», ist er sicher. Denn die überhöhten Boni würden Anreize für zu risikofreudiges Verhalten schaffen.

Am 30. April findet die Generalversammlung der Credit Suisse statt. «Das muss für die Führungsetage eine Nullrunde geben», sagt Minder. «Die Aktionäre müssen die Vergütungssumme zurückweisen.» Weder einen Fixlohn noch einen Bonus soll es für die CS-Spitze geben. «Die haben in den letzten Jahren genug verdient», so Minder.

Die Credit Suisse kommentiere die Angelegenheit nicht, sagte eine Mediensprecherin der Bank zu 20 Minuten.

Will die Credit Suisse ihr Anlagen-Geschäft abstossen?

Die Gerüchteküche brodelt. Nicht nur die Streichungen der Boni geben zu reden: Die Credit Suisse soll ihr Anlagen-Management-Geschäft verkaufen. Das berichten die Zeitungen von CH Media. Trotz der neusten Skandale sollen ausländische Banken Schlange stehen, um sich dieses Geschäft zu sichern. Grund dafür seien unter anderem die vielen schwerreichen Kunden, die mit einer Übernahme gewonnen werden können. Gegenüber 20 Minuten gibt die Credit Suisse an, keine Pläne für den Verkauf des Anlagen-Geschäfts zu haben. Insgesamt betrug das Vermögen, das die CS 2020 verwaltete, 440 Milliarden Franken.

Bonus auch bei schlechten Leistungen

Können mit einer Kürzung der Boni zu risikofreudige Banker direkt bestraft werden? Ganz so einfach ist es nicht. «Es kommt immer darauf an, wie fest die Auszahlung von Boni an objektive Kriterien wie das Erreichen von objektiv messbaren Zielen geknüpft ist», sagt Alex Geissbühler, Spezialist für Bankenaufsicht und HSLU-Dozent. Nur, wenn ein Mitarbeiter die vereinbarten Ziele nicht erreicht hat, wäre es möglich, den Bonus zu kürzen oder nicht auszuzahlen.

Doch pauschal allen Mitarbeitenden den Bonus zu streichen, sei aus arbeitsrechtlicher Sicht schwierig. Und selbst bei Bankern, die ungenügende Leistungen erbracht haben, sei es nicht in jedem Fall möglich. Insbesondere dann, wenn ein regelmässig ausbezahlter Bonus allenfalls zu einer fixen Lohnkomponente geworden ist und vom Angestellten als solche erwartet werden darf.

Geissbühler glaubt nicht, dass die Credit Suisse aufgrund der Mega-Skandale ihr umfassendes Salärsystem als solches überdenken müsse. «Was aber nicht bedeutet, dass man sich nicht bezüglich Höhe einzelner Boni grundsätzlich Gedanken machen sollte.»

«Boni dürfen keine Anreize für hohe Risiken sein»

«Die Aussicht auf hohe Boni sollen nicht dazu führen, dass Banker zu hohe Risiken eingehen und noch dafür belohnt werden», sagt Geissbühler. In einem Rundschreiben hält die Finma genau das fest: «Solche Anreize dürfen nicht dazu verleiten, unangemessene Risiken einzugehen, gegen geltendes Recht oder erlassene Weisungen zu verstossen oder Vereinbarungen zu missachten.»

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