Fernsehreform: Streik gegen Sarkozys TV-Pläne
Aktualisiert

FernsehreformStreik gegen Sarkozys TV-Pläne

Frankreich hat eine Reform des öffentlichen Rundfunks eingeleitet, mit der die Werbung im Staatsfernsehen schrittweise abgeschafft wird. Jetzt wird gestreikt.

Vor Beginn der Parlamentsdebatte traten am Dienstag zahlreiche Mitarbeiter des öffentlichen Rundfunks in den Ausstand, um das Reformgesetz noch zu verhindern. Kulturministerin Christine Albanel versicherte im Fernsehen, der Staat werde den Ausfall der Werbeeinnahmen von 450 Millionen Euro im kommenden Jahr und auch in den beiden Folgejahren ersetzen. Dies soll über Steuern erfolgen.

Das Gesetz sieht auch vor, die staatlichen Sender wie zu Zeiten des Präsidenten General Charles de Gaulle unter einem Dach zu vereinen. Die Chefs von France Télévisions, Radio France und den Auslandssendern sollen künftig vom Staatschef ernannt werden und nicht mehr vom Rundfunkrat CSA. Präsident Nicolas Sarkozy begründet dies damit, dass der Staat der Aktionär der Sender sei.

Der Zentrumspolitiker François Bayrou warnte dagegen vor dem Verlust der politischen Unabhängigkeit von Radio und Fernsehen und rief zu einem Misstrauensvotum gegen die Regierung auf.

Kritiker werfen Sarkozy zudem vor, mit der Reform die Wirtschaftsinteressen seines Freundes Martin Bouygues fördern zu wollen, der den grössten Privatsender TF1 besitzt. Die Privatsender sollen künftig mehr Werbung bringen und dafür Filme öfter unterbrechen dürfen als bisher. Sarkozy argumentiert, er wolle das Staatsfernsehen vom Quotenzwang befreien, der das Niveau nach unten drücke.

Jeder siebte Mitarbeiter von Radio France beteiligte sich nach Angaben des Unternehmens an dem Streik gegen die Reform. Einige Sender änderten das Programm. Die Mittagsnachrichten im Fernsehsender France 2 fielen aus. Die Gewerkschaften befürchten als Folge der Reform auch einen Stellenabbau bei den Sendern und geringere Aufträge für heimische Filmproduzenten.

(sda)

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