Harlan Laboratories: Streik in Tierversuchslabor wegen Stellenabbau
Aktualisiert

Harlan LaboratoriesStreik in Tierversuchslabor wegen Stellenabbau

Um 220 Jobs zu retten protestieren die Mitarbeiter eines Laborbetriebs vor dem Regierungsgebäude in Liestal. Zustimmung erhalten sie ausgerechnet von Tierschützern.

von
Dominique Artacho

Die Firma Harlan Laboratories mit Standorten in Itingen und Füllinsdorf, die Dienstleistungen für Pharmaunternehmen erbringt und Tierversuche durchführt, wird wegen Defiziten womöglich geschlossen. 220 Arbeitsplätze stehen auf dem Spiel. Um diese zu retten, zog die Harlan-Belegschaft am Montag während eines 90-minütigen Warnstreik vors Regierungsgebäude in Liestal.

«Wir sind nicht bereit, kampflos unsere Plätze zu verlieren», sagt Hansueli Scheidegger, Co-Leiter Unia Nordwestschweiz. Da die Geschäftsleitung nicht auf die Forderung einer Fristverlängerung für das Konsultationsverfahren bis Ende Jahr einging und eine Galgenfrist bis 14. Oktober festlegte, statteten die Harlan-Mitarbeiter der Baselbieter Regierung einen Besuch ab.

«Regierung soll Partei ergreifen»

Von Itingen aus fuhren mit zwei Bussen rund 100 Streikende nach Liestal, um dort vom Bahnhofsplatz Richtung Regierungsgebäude zu ziehen. Mit Fahnen, Plakaten und Trillerpfeifen ausgerüstet schritten die Protestierenden durch die Strassen Liestals und riefen: «Wir sind Harlan. Wir sind hier.»

Vor dem Regierungsgebäude wurde die Menge vom Baselbieter Regierungsrat Thomas Weber begrüsst. Scheidegger richtete seine Forderungen an ihn: «Wir verlangen von der Regierung ein klares Ja zu unseren Arbeitsplätzen. Wir wollen, dass sie Partei ergreift und nicht eine Vermittlerrolle einnimmt.» Konkret solle die Regierung intervenieren und der Geschäftsleitung sagen: «So nicht!».

Daraufhin äusserte sich Weber, er habe als Volkswirtschaftsdirektor Interesse, die Arbeitsplätze zu erhalten und biete deshalb der Harlan Hilfe und Unterstützung in ihrer Rettungsaktion an. «Wir werden gerne vermitteln, jedoch liegt die schlussendliche Entscheidung bei der Geschäftsleitung von Harlan.» Scheidegger zeigte sich wenig erfreut über die Aussage, hofft aber weiter nach einer Einladung zu einem persönlichen Gespräch mit dem Regierungsrat.

Auch Tierschützer jubeln nicht

Das US-Unternehmen Harlan Laboratories war per 1. Mai von der britischen Huntingdon Life Sciences übernommen worden. Mitte September verkündete diese die Schliessung der Schweizer Harlan-Standorte. Für die Mitarbeiter ein Schock: «Nach 28 Jahren der Aufopferung für die Firma auf die Strasse gestellt zu werden, das ist herabwürdigend», erzählt Werner Heusner, Mitarbeiter in der IT der Harlan.

Aber nicht nur die Mitarbeiter, sondern auch Tierschützer sind wenig begeistert, dass der Firma, die seit jeher in Kritik wegen Tierversuchen steht, die Schliessung droht. Wie Helen Sandmeier vom Schweizerischen Tierschutz STS verlauten lässt, würden die Tierversuche mit der Schliessung nur ins Ausland verlegt. Anders als in der Schweiz gebe es dort aber weniger Vorschriften zum Schutz des Tieres: «Den Tieren ist mit der Schliessung nicht geholfen - womöglich verschlimmert sich ihre Situation sogar».

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