«Jemand meinte, ich wolle die Kinder vergiften.» - Corona-Massentests an Schulen – darum machen so viele Eltern nicht mit
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«Jemand meinte, ich wolle die Kinder vergiften.»Corona-Massentests an Schulen – darum machen so viele Eltern nicht mit

In vielen Kantonen gibt es Corona-Reihentests an Schulen. «Das sorgt für grosse Diskussionen», sagt der Rektor einer Luzerner Sekundarschule. In manchen Gemeinden macht kaum die Hälfte der Familien mit.

von
Noah Knüsel
Michelle Muff
Claudia Blumer
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In vielen Schweizer Schulen wird den Schülerinnen und Schülern wöchentlich ein Spucktest angeboten. 

In vielen Schweizer Schulen wird den Schülerinnen und Schülern wöchentlich ein Spucktest angeboten.

20min/Taddeo Cerletti
Damit können Massenquarantänen von Schulklassen verhindert werden: Wer an den Tests teilnimmt, muss sich im Fall eines positiv getesteten Mitschülers oder Mitschülerin nicht in Kontaktquarantäne begeben. 

Damit können Massenquarantänen von Schulklassen verhindert werden: Wer an den Tests teilnimmt, muss sich im Fall eines positiv getesteten Mitschülers oder Mitschülerin nicht in Kontaktquarantäne begeben.

Unsplash: Mira Kireeva
Doch die Massentests sorgen für Diskussionen: «Die Reihentests polarisieren», sagt etwa der Rektor einer Luzernern Sekundarschule. 

Doch die Massentests sorgen für Diskussionen: «Die Reihentests polarisieren», sagt etwa der Rektor einer Luzernern Sekundarschule.

Unsplash: CDC

Darum gehts

  • Corona-Massentests gehören in vielen Schweizer Schulen zum Alltag.

  • Teils nimmt aber weniger als die Hälfte der Schülerinnen und Schüler an den freiwilligen Tests teil.

  • «Es gibt ein breites Lager an Massnahmen-Kritikerinnen und -Kritikern, die das Testen völlig übertrieben findet», heisst es bei einer Luzerner Sekundarschule.

  • Die Winterthurer Schulpräsidentin Chantal Galladé kann Test-Gegnerinnen und -Gegner nur schwer verstehen.

  • Michael Bubendorf vom Verein «Freunde der Verfassung» dagegen kann nachvollziehen, warum Eltern ihre Kinder nicht testen lassen wollen.

Seit Ende der Sommerferien kommt es an vielen Schweizer Schulen zu Corona-Ausbrüchen. In Schaffhausen und im Aargau wurde die Maskenpflicht im Klassenzimmer wieder eingeführt. In vielen Kantonen gehören zudem regelmässige, freiwillige Massentests zum Corona-Schutzkonzept.

Die Beteiligung daran schwankt aber stark (siehe Box). Teils nimmt weniger als die Hälfte der Schülerinnen und Schüler an den Tests teil. So etwa an der Sekundarschule einer Luzerner Landgemeinde: «Am letzten Massentest gaben 40 Prozent eine Speichelprobe ab», sagt der Rektor. Die Massnahme sorge für grosse Diskussionen: «Es gibt ein breites Lager an Massnahmen-Kritikerinnen – und Kritikern, die das Testen völlig übertrieben finden.»

«Eine laute Minderheit»

Auch im Lenzburger Oberstufenzentrum Lenzhard nehmen je nach Niveau unterschiedlich viele Schülerinnen und Schüler an den Massentests teil, wie Rektor Edgar Kohler sagt: «In der Realschule ist es höchstens die Hälfte der Klasse.»

Viele Eltern befürchteten Lohneinbussen, wenn sie wegen ihrer Kinder in Quarantäne müssten, so Kohler. «Es gibt aber auch eine laute Minderheit, die sich Gehör verschafft», sagt er. «Das sind Personen, die absolut gegen jegliche Massnahmen sind.»

Verständnis für Test-Gegner

Auch Chantal Galladé, die Schulpräsidentin der Winterthurer Bezirke Altstadt und Töss, hatte schon mit Test-Gegnern und -Gegnerinnen zu tun: «Jemand meinte zum Beispiel, ich wolle die Kinder vergiften.» Für sie sei schwer zu beurteilen, was diese Personen antreibe: «Es sind ja nur Spucktests, die körperliche Integrität wird nicht tangiert.»

Michael Bubendorf vom Verein «Freunde der Verfassung» dagegen versteht Eltern, die ihre Kinder nicht testen lassen wollen: «Es ist falsch, dass man Kinder wöchentlich dem Stress des Testens aussetzt und ihnen vermittelt, sie seien wandelnde, hochansteckende Infektionsherde.» So befürchte er bei den Schülern und Schülerinnen durch die Reihentests psychische Schäden: «Das muss verhindert werden – auch wenn die körperliche Integrität bei den Tests gewahrt bleibt, muss man auf die psychische Gesundheit achten.»

Gibt es in deiner Schule regelmässige, freiwillige Massentests? Erzähl uns im Formular unten, warum du an ihnen teilnimmst oder nicht.

So ist die Test-Beteiligung in den Kantonen

Die Beteiligung an Massentests schwankt gemäss einer Umfrage unter verschiedenen Kantonen stark. «In Schwyz nehmen im Durchschnitt 56 Prozent der Schülerinnen und Schüler an den Spucktests teil», sagt Patrick von Dach vom Bildungsdepartement. Auf dem Land sei die Beteiligung zudem tiefer – in einer Gemeinde liege sie nur bei 13 Prozent. Im Kanton Obwalden nehmen laut dem Gesundheitsamt zwischen 60 und 80 Prozent der Schülerinnen und Schüler an den Tests teil; in Bern sind es gemäss der Bildungsdirektion rund zwei Drittel. In Aargau und Zürich gibt es dagegen keine Zahlen zur Beteiligung. In Luzern nehmen laut Regula Bucher vom Bildungsdepartement rund drei Viertel der Schülerinnen und Schüler teil: «Das ist ein guter Wert, die Durchführung der Massentests klappt so weit.»


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