Aktualisiert 20.05.2007 18:36

Streit um Berner Gassenküche

Der Streit um den Standort der Berner Gassenküche schwelt weiter: Am Sonntag verhinderte die Polizei die Essensabgabe beim Bernerhof, tolerierte sie aber auf der Kleinen Schanze - in einer Woche soll sie nur noch an der Hodlerstrasse geduldet werden.

Wie vom Gemeinderat angekündigt, verhinderte die Stadtpolizei am frühen Sonntagabend die Essensabgabe auf der Passerelle beim Bernerhof. Ein Aufgebot von rund 20 Polizeigrenadieren sperrte die Passerelle gegen 17.30 Uhr ab.

Thai-Curry und Eistee

Die Gassenküche tauchte mit ihrer Klientele erst nach 18 Uhr auf. Die rund 150 Personen platzierten sich in der Parkanlage der Kleinen Schanze, die gleich an die Bernerhof-Passerelle anschliesst. Dort begann die Essensausgabe, die Leute wurden mit Thai-Curry, Eistee und Bananen-Milchshake verköstigt, ein Teil der Anwesenden konsumierte auch harte Drogen.

Die Polizei schritt nicht ein, obwohl auf der Kleinen Schanze die gleiche Parkordnung gilt wie auf der Bernerhof-Passerelle, mit welcher der Gemeinderat das dortige Verbot unter anderem begründet hatte. Die Parkordnung verbietet unter anderem den Konsum illegaler Drogen. Auftrag des Gemeinderates sei es, die Essensabgabe auf der Passerelle zu verhindern, sagte dazu Polizeisprecher Franz Märki.

Ab nächster Woche nur noch an der Hodlerstrasse

Man habe gehofft, dass die Organisatoren der SchülerInnenkoordination Einsicht zeigten und den angebotenen Standort bei der Anlaufstelle an der Hodlerstrasse benutzen würden, sagte Polizeidirektor Stephan Hügli auf Anfrage. «Für heute hat der Gemeinderat die SikB noch gewähren lassen».

Zwar sei der Gemeinderat «weiterhin gesprächsbereit», er sehe jedoch keine andere Lösung als den Standort an der Hodlerstrasse. Ausser dort werde die Gassenküche deshalb ab nächsten Sonntag «nirgendes mehr geduldet».

«Dies ist die Haltung des Gesamtgemeinderats», bestätigte Sozialdirektorin Edith Olibet (SP). Sie hoffe nicht, dass es zwischen der Polizei und der Gassenküche zu einem Katz- und Maus- Spiel komme. Dies zu verhindern liege an der Gassenküche, «wenn ihr tatsächlich an der Essensabgabe für die Drogenabhängigen gelegen ist».

Hügli und Olibet liessen sich am Sonntag nicht vor Ort blicken. Bei der Essensabgabe vor zwei Wochen hatten sie vergeblich versucht, mit den Organisatoren ins Gespräch zu kommen, die SikB hatte die beiden Magistraten aber abblitzen lassen.

SikB: «Politische Ziele»

Verterterinnen und Vertreter der SikB stellten gegenüber Journalisten klar, dass ihre Organisation mit der Essensabgabe «seit jeher auch politische Ziele verfolgt» und dieses auch nicht verheimlicht habe.

Der Hof bei der Anlaufstelle an der Hodlerstrasse widerspreche den Wünschen der Gassenküche-Benutzer und sei zu klein.

Gegen «Säuberungspolitik»

Gegen ihn sprächen aber auch prinzipielle Gründe. Gehe die SikB auf den Vorschlag ein, unterstütze sie damit die «Säuberungspolitk» des Gemeinderats in der Innenstadt.

Auch einen anderen dezentralen oder nicht-öffentlich zugänglichen Standort, beispielsweise eine Zivilschutzanlage, würde die SikB aus diesem Grund nicht akzeptieren, wie eine Sprecherin sagte. Eine Instrumentalisierung der Drogenabhängigen könne die SikB darin nicht erkennen. «Wir schleppen die Leute schliesslich nicht zur Essensabgabe, sie kommen freiwillig».

(sda)

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