Aktualisiert 05.04.2007 00:40

Streit um Farben: Zangengeburt für UNO-Klimabericht

Die grossen Luftverschmutzer USA, Russland und China wollen den neuen UNO-Klimabericht abschwächen. Die drei Staaten melden bei den Abschlussverhandlungen über den Bericht in Brüssel immer wieder Änderungswünsche an.

Die Russen seien regelrecht auf Konfrontationskurs, verlautete aus Konferenzkreisen. Mehr als 100 Delegationen verhandeln seit Montag über den Entwurf des UNO-Klimarats (IPCC, Intergovernmental Panel on Climate Change) für den zweiten Teil des Reports. Das Ergebnis wird diesen Freitag in Brüssel vorgestellt.

Die Studie soll die drohenden Folgen des Klimawandels beschreiben. Wie es weiter hiess, bezweifelt die Verhandlungsrunde die Zuverlässigkeit der aus Russland gelieferten Daten. Die Forscher hätten diese zum Teil nicht anerkannt. Das verärgere die Russen. «Die haben dann erst einmal alles blockiert», hiess es aus den Delegationen.

USA: Lieber Gelb als Rot

Die USA seien unter anderem bemüht, Äusserungen zum drohenden Wassermangel abzuschwächen. Den USA erscheine zum Beispiel eine Karte zum vorhergesagten Temperaturanstieg «zu rot». Sie wollten für geringe Erhöhungen als Farbe ein weniger alarmierendes Gelb. Auch die Chinesen verlangten zahlreiche Änderungen.

«Die Gespräche verlaufen zäh und langsam», sagte Klimaexpertin Gabriela von Goerne, die für die Umweltorganisation Greenpeace die Gespräche in Brüssel verfolgt. Es gebe noch viele «Ungereimtheiten und Streitpunkte». «Allen Delegationen ist aber klar, dass der Klimawandel stattfindet und dramatische Folgen haben wird.»

Sie rechne damit, dass bis spät in die Nacht zum Freitag gestritten werde. Dann werde es aber einen Kompromiss geben. Im ersten Teil des Reports hatten die Experten den wissenschaftlichen Beweis erbracht, dass der Mensch mit grosser Wahrscheinlichkeit für den Klimawandel verantwortlich ist.

Artensterben erwartet

Im dritten Teil sollen Möglichkeiten beschrieben werden, wie die Erderwärmung noch gestoppt werden kann. Die drei Teile des insgesamt vierten Klimareports haben gut 2500 Forscher darunter 450 Hauptautoren im Laufe von sechs Jahren erstellt.

Der Entwurf für den zweiten Teil zeichnet ein düsteres Bild von den Folgen des Klimawandels. Mindestens ein Fünftel der Tier- und Pflanzenarten seien vom Aussterben bedroht. Hitze, Smog und Unterernährung machten immer mehr Menschen krank. Naturkatastrophen wie Fluten oder Dürren werden häufiger. (sda)

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