Rassismus-Vorwurf: Streit um Kinderspiel
Aktualisiert

Rassismus-VorwurfStreit um Kinderspiel

Das Kinderspiel «Wer hat Angst vor dem schwarzen Mann?» soll aus den Walliser Schulen verschwinden. Grund: Ein Elternpaar findet das Spiel rassistisch. Die Walliser Schulbehörde denkt über einen neuen Namen nach.

von
Simona Marty

In Walliser Schulen sollen Kinder nicht mehr vom «schwarzen Mann» in der Turnhalle umhergejagt werden. Ein Walliser und seine afroamerikanische Frau wollen das Kinderspiel aus der Schule verbannen, weil es rassistisch sei. «Wenn das Spiel ‹Wer hat Angst vor Juden oder Homosexuellen?› heissen würde, wie würden dann die Leute reagieren?», so der Walliser gegenüber der «Tribune de Genève». Weil ihr Sohn im Jahr 2010 im Unterricht am Spiel teilnehmen musste, beschwerten sich die Eltern aus Monthey VS bei der Walliser Bildungsdirektion. Diese will das Spiel aber auch in Zukunft nicht verbieten – hat aber einen neuen Namen vorgeschlagen: «Wer hat Angst vor dem Wolf?».

Georg Kreis, Präsident der Eidgenössischen Kommission für Rassismus, sieht dafür jedoch keinen Grund. «Ein Verbot für die Bezeichnung ‹schwarzer Mann› halte ich nicht für richtig. Die Bemühungen wären am falschen Ort, denn es gibt gravierendere Probleme im Bereich Rassismus, die zuerst bekämpft werden sollten.»

Tatsächlich ist der Ursprung des «schwarzen Mannes» nicht rassistisch. Laut dem Liederforscher Franz Magnus Böhme (1897) ist das Spiel ein Überbleibsel der Pest- und Totentänze. Der «schwarze Mann» war dabei ein Symbol für die Verbreitung der Pest und des Todes.

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