Sexistischer Inhalt: Sexismus-Streit um «Layla» – Oktoberfest-Wirte wollen Ballermann-Hit nicht spielen

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Sexistischer InhaltStreit um «Layla» – Oktoberfest-Wirte wollen Ballermann-Hit nicht spielen

Ein Ballermann-Hit schlägt Wellen. Einige deutsche Städte haben ihn von Volksfesten verbannt. Nun nehmen Politiker, Musiker und der Oktoberfest-Chef Stellung zu einem möglichen Verbot.

von
Katrin Ofner
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Diese beiden Musiker sind mit «Layla» für einen der umstrittensten Sommerhits verantwortlich: DJ Robin und Schürze.

Diese beiden Musiker sind mit «Layla» für einen der umstrittensten Sommerhits verantwortlich: DJ Robin und Schürze.

Instagram/djrobin1996
In Deutschland löst der Song eine weitreichende Diskussion aus. So weitreichend, dass sich nun sogar Wirte des Oktoberfests eingeschalten haben.

In Deutschland löst der Song eine weitreichende Diskussion aus. So weitreichend, dass sich nun sogar Wirte des Oktoberfests eingeschalten haben.

imago images/Zoonar
Diese wollen den Ballermann-Hit aufgrund des Texts nicht spielen. Er sei rassistisch und sexistisch.

Diese wollen den Ballermann-Hit aufgrund des Texts nicht spielen. Er sei rassistisch und sexistisch.

REUTERS

Darum gehts

  • Der Ballermann-Song «Layla» von DJ Robin und Schürze ist auf Platz 1 der Charts – aber polarisiert. 

  • Der Vorwurf: Sein Text – «Sie ist schöner, jünger, geiler» – sei sexistisch.

  • In Städten wie Düsseldorf und Würzburg wurde der Song bereits auf Volksfesten verboten.

  • Auch in der Schweiz sorgt der Hit für Gesprächsstoff.

In Deutschland katapultierte er sich auf den ersten Platz der Charts, in der Schweiz belegt er aktuell den fünften Platz: der Ballermann-Hit «Layla». Doch viel mehr als ausgelassene Partystimmung sorgt der Song derzeit für Diskussionen. Der Grund: In dem Track wird eine Layla als «Puffmama» besungen, die «schöner, jünger, geiler» sei. Der Vorwurf: Der Text sei diskriminierend und sexistisch. Der deutsche Radiosender «Schlager Radio» spielt die Nummer deshalb sogar erst ab 22 Uhr.

Die Kontroverse über den Song geht mittlerweile so weit, dass sich deutsche Politiker zu Wort melden. So sagt der Würzburger Stadtsprecher Christian Weiss zu «Bild», dass bei städtischen Veranstaltungen «kein Liedgut» gespielt werde, das «rassistische, extreme und sexistische Inhalte hat». In den Städten Würzburg und Düsseldorf wurde der Hit von ihren Volksfesten bereits verbannt.

Dass dies aber scheinbar nicht ganz eingehalten wird, zeigt ein Video auf Twitter von Anfang der Woche. Bei einem Volksfest werden die Gäste sogar noch animiert, den Song zu singen.

Oktoberfest-Wirte wollen «Layla» nicht spielen

Auch in München ist eine Debatte zum Song entbrannt. In der «Festhalle Schottenhamel» von Wiesn-Wirt Christian Schottenhamel werde man «Layla» etwa nicht zu hören bekommen: «Ich spiele es nicht, weil es mir nicht gefällt. Wir haben unseren Kapellen die Anweisung gegeben: Das braucht ihr gar nicht üben, weil es wird nicht gespielt werden», sagt der 59-Jährige zur deutschen Zeitung. Dies habe er auch an seine Kollegen der anderen Zelte weitergegeben: «Wir haben das in unsere Wirte-Whatsapp-Gruppe gestellt, dass das Lied umstritten ist.» – scheinbar mit Erfolg. «Unter uns Wirten sind wir uns einig: Das Lied wird auf der Wiesn nicht gespielt werden und basta», sagt Peter Inselkammer (52) vom «Armbrustschützenzelt» zur «Münchner Abendzeitung».

Davon hält Oktoberfest-Chef Clemens Baumgärnter (45) jedoch nichts. «Ich bin nicht die Musikpolizei. Ich halte aber überhaupt nichts von einer Verbotskultur. Es ist zwar populär, Dinge zu verbieten, entspricht aber nicht meiner Haltung. Ich glaube, dass sich schlechte Musik eh nicht durchsetzen wird», sagt er zur «Bild.» Ebenfalls gegen ein Verbot spricht sich Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer (50) aus. In seiner Stadt sei «Layla» am vergangenen Wochenende rauf- und runtergespielt worden und «niemand hat sich beschwert». Auch Justizminister Marco Buschmann (44) schaltet sich in die Diskussion ein. «Man kann sie sogar doof oder geschmacklos finden. Sie aber behördlich zu verbieten, finde ich, ist eins zu viel», so der FDP-Politiker.

Findest du den Text von «Layla» sexistisch?

«In jedem Deutsch-Rap-Lied sind die Texte schlimmer»

Der «Layla»-Produzent und Ballermann-Star Ikke Hüftgold (45) macht sich über die Kontroverse lustig: «Ich hoffe, das Aussenministerium um Frau Baerbock schaltet sich auch noch ein. Denn es sieht so aus, als würde ‹Layla› international Thema sein – eine weltweite Debatte. Wir sind für jeden Staatsempfang bereit, auch gern bei Herrn Biden.» DJ Robin nennt die Verbote «Wahnsinn» und sagt zu «Bild»: «Wenn schon ‹Layla› zu sexistisch ist, müsste in Zukunft die Hälfte der Lieder gestrichen werden. In jedem Deutsch-Rap-Lied sind die Texte schlimmer. Da regt sich kein Mensch auf.»

Auch in der Schweiz wird der Song immer mehr zum Thema. So twittert etwa die Schweizer Autorin und Kolumnistin Tamara Wernli: «Als Frau kann ich bestätigen: Nichts hilft mir bei der Stärkung meines Selbstwertgefühls, meiner Selbstbestimmung und meiner gesellschaftlichen Stellung mehr, als wenn auf irgendeinem Volksfest 1 Ballermann Song verboten wird.» Auf dem Kurznachrichtendienst trendet der Hashtag #Layla bereits. 

Wirst du oder wird jemand, den du kennst, aufgrund der Geschlechtsidentität diskriminiert? 

Hier findest du Hilfe:

Gleichstellungsgesetz.ch, Datenbank der Fälle aus Deutschschweizer Kantonen

Eidgenössisches Büro für die Gleichstellung von Frau und Mann

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