Aktualisiert 13.02.2009 11:30

ArchäologieStreit um Nofretete: Kairo hofft auf Rückgabe

Seit fast 100 Jahren weilt die Büste der schönen Nofretete an der Spree. Doch vielleicht kehrt sie bald zurück an den Nil — ihr Entdecker soll 1913 die ägyptischen Behörden betrogen haben.

Ludwig Borchardt, damals Direktor des Deutschen Instituts für ägyptische Altertumskunde in Kairo, hatte die Plastik der Pharaonengattin im Dezember 1912 entdeckt. Im Jahr darauf brachte er die Büste nach Deutschland; dabei soll er die ägyptische Altertümerverwaltung angeschwindelt haben.

Geheimes Dokument soll Schwindel belegen

Die Angelegenheit ist heikel. Denn die ägyptischen Behörden suchen seit Jahren nach Argumenten, um die vom Bildhauer Thutmosis geschaffene Büste der Gattin von Pharao Echnaton an den Nil zurückzuholen. Die Bundesregierung hat dies bislang abgelehnt.

«Spiegel-Online» berichtete, ein unter Verschluss gehaltenes Dokument belege, dass der Archäologe Borchardt bei der Aufteilung der Fundstücke geschwindelt habe: Er soll ein schlechtes Foto vorgelegt und die Kalksteinbüste als Gipsplastik ausgegeben haben.

Die Stiftung Preussischer Kulturbesitz (SPK), der die berühmte Plastik gehört, wies das zurück. Gustave Lefebvre, der damals als Sachverständiger für die ägyptische Altertümerbehörde arbeitete, habe ganz einfach die Bedeutung der Büste verkannt. Deshalb habe er sie den Deutschen überlassen.

Zahi Hawass, der Generalsekretär der Altertümerverwaltung in Kairo, hält die «Spiegel»-Enthüllung, falls sie stimmt, für «eine grossartige Nachricht, die unserer Sache dienen wird.» Er will das erwähnte Dokument jetzt selbst in Augenschein nehmen.

Hitlers «Schatz»

Der Streit um die faszinierende Büste ist nicht neu: Schon zu Borchardts Lebzeiten (1863-1938) hatten die ägyptischen Behörden alle Hebel in Bewegung gesetzt, um die Nofretete zurück an den Nil zu holen.

1933 setzte ein Mann der Diskussion ein vorläufiges Ende, der nicht in erster Linie für seinen Kunstsinn bekannt geworden ist: Adolf Hitler. Der Führer erklärte, er werde «den Kopf der Königin niemals aufgeben». Es sei «ein Meisterwerk, ein Juwel, ein wahrer Schatz.» «Ich werde ihr ein Museum in Berlin bauen», versprach Hitler, «und ich träume davon, dieses Wunder mitten in einem Saal, gekrönt von einer Kuppel, zu platzieren.»

Aus diesen Plänen wurde bekanntlich nichts.

(dhr/sda)

Nofretete

(oft auch Nefertiti genannt; der Name bedeutet «die Schöne ist gekommen») war die Hauptgemahlin des ägyptischen Pharao Echnaton (Amenhotep IV.) und lebte im 14. Jh. v. Chr.

Gegen Ende der Regierungszeit ihres Mannes hatte sie die Position einer Mitregentin inne. Manche Wissenschaftler vermuten, sie habe sogar nach Echnatons Tod kurzzeitig das Reich beherrscht.

(Quelle: Wikipedia.org)

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