Ukip im Rassismus-Strudel: Streit um «Schlitzauge» und «Schwule»
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Ukip im Rassismus-StrudelStreit um «Schlitzauge» und «Schwule»

Im Vereinigten Königreich verheddert sich die auftrumpfende Ukip-Partei in internen Streitigkeiten. Wegen rassistischer Sprüche musste ein Kandidat bereits zurücktreten.

von
sut
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Nigel Farage muss aufpassen, dass seine EU-kritische Ukip-Partei nicht ins Lager der Rassisten abgleitet. Ein Kandidat der Partei hat sich in Gesprächen homophobe und fremdenhasserische Aussagen geleistet. Bild: Vor einem TV-Interview am 21. November 2014.

Nigel Farage muss aufpassen, dass seine EU-kritische Ukip-Partei nicht ins Lager der Rassisten abgleitet. Ein Kandidat der Partei hat sich in Gesprächen homophobe und fremdenhasserische Aussagen geleistet. Bild: Vor einem TV-Interview am 21. November 2014.

Keystone/AP/Lefteris Pitarakis
Jetzt wehrt sich Farage gegen das Android-Game «Ukik», worin fremdländisch aussehende Figuren von den Klippen von Dover gekickt werden.

Jetzt wehrt sich Farage gegen das Android-Game «Ukik», worin fremdländisch aussehende Figuren von den Klippen von Dover gekickt werden.

Vor einem halben Jahr war Nigel Farage in Siegerlaune: Seine Populistenpartei legte bei in den Europawahlen vom 25. Mai 2014 spektakulär zu.

Vor einem halben Jahr war Nigel Farage in Siegerlaune: Seine Populistenpartei legte bei in den Europawahlen vom 25. Mai 2014 spektakulär zu.

Keystone/Facundo Arrizabalaga

Die im Frühjahr geplanten Parlamentswahlen im Vereinigten Königreich werfen einen langen Schatten voraus. Die radikale Opposition in Gestalt der United Kingdom Independence Party (Ukip) wurde über das Wochenende von einem Wirbel um rassistische Aussagen eines Mitglieds erfasst, der das Image der gegen die Europäische Union ankämpfenden Partei beschädigen könnte.

Ins Kreuzfeuer geriet der Ukip-Aktivist Kerry Smith, der vergangene Woche erst zum Kandidaten der Partei für den Wahlkreis Basildon South ernannt worden war. Am Sonntag druckte die Zeitung «Daily Mail» Auszüge aus Tonbandaufzeichnungen von Gesprächen ab, worin Smith mit Kraftausdrücken um sich warf und abschätzig über Randgruppen sprach.

«Schlitzauge», «alte Schwuchteln» und schlechte Witze

So nannte Smith eine Frau mit chinesischem Namen eine «chinky» (Schlitzauge). Er lachte über die «old pooftahs» (alten Schwuchteln) in der LGBTQ-Gruppe der Partei. Den Namen der Gruppe, der für Lesbian, Gay, Bisexual, Transsexual and Questioning steht, verballhornte er höhnisch mit BLT – Bacon, Lettuce and Tomato, eine Abkürzung für einen Sandwich-Typ mit Speck, Kopfsalat und Tomaten.

Neben rassistischen und homophoben Sprüchen leistete sich Smith auch einen zweifelhaften Witz über die Ortschaft Chigwell in der Grafschaft Essex, für die er ins Unterhaus gewählt werden wollte. In dem wohlhabenden Ort müsse in einer Sondierung folgende Frage gestellt werden, scherzte Smith: «Befürworten Sie das EU-Verbot von Blei für Schrotflinten, weil man damit mehr Bauern erschiessen kann?» Smith brauchte das Wort «peasants» (Bauern) anstatt «pheasants» (Fasane). Schrot wird oft in der Fasanenjagd verwendet.

«Nettes, fettes Kuvert für Farage»

Nachdem die Transkripte an die Öffentlichkeit gekommen waren, versuchte Smith zuerst, mit einer Entschuldigung davonzukommen. Er nahm auch seine Behauptung zurück, Parteichef Nigel Farage habe bei der Auswahl eines anderen Kandidaten ein «nettes, fettes Kuvert» mit Geld erhalten. Diese Aussage habe auf einem Missverständnis beruht, sagte Smith. Doch es half nichts. Der Parteimann mit der lockeren Zunge trat noch am gleichen Tag von seiner Kandidatur zurück.

Nach dem Rücktritt gab sich Farage grosszügig. Er lobte Smith als «ungeschliffenen Diamanten» und verteidigte dessen Wortwahl. Wie der «Daily Telegraph» berichtet, fragte Farage beim Thema des Worts «chinky» in einem Radiointerview rhetorisch: «Wenn ihr oder eure Kumpels in ein chinesisches Restaurant geht, zu wem geht ihr dann?»

Die Antwort ist ein Game: «Ukik»

Mit solchen Aussagen balanciert Farage auf einem hohen Seil. Einerseits belegen Umfragen, dass ein grosser Teil der britischen Bevölkerung Kraftausdrücke verwendet, die von einzelnen Gruppen als beleidigend empfunden werden. Nach einer NatCen-Erhebung geben rund drei von zehn Briten zu, rassistische Neigungen zu verspüren.

Anderseits muss sich Farage dagegen wehren, dass man seine Partei als rassistisch definiert. Wie der «Guardian» schreibt, protestierte er am Montag gegen eine von Ukip-kritischen Mittelschülern gebastelte Android-App namens «Ukik» (du kickst). In dem satirischen Game werden fremdartig gekleidete Figuren über die weissen Klippen von Dover gekickt.

Die Ukip gewann in den Europawahlen vom 22. Mai 2014 überraschend 24 Sitze – mehr als die Konservative Partei und Labour. Diesen Grosserfolg möchten die rechten Rebellen in den Wahlen zum britischen Unterhaus wiederholen.

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