Zürcher Obergericht: Streit unter Kindern - da drehten die Eltern durch
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Zürcher ObergerichtStreit unter Kindern - da drehten die Eltern durch

Weil ein Zehnjähriger einem Nachbarsmädchen Gras ins T-Shirt geworfen hatte, kam es in Schlieren zu einer brutalen Abrechnung unter Eltern. Nun standen sie vor Gericht.

von
Attila Szenogrady
In einer Wohnung an der Lättenstrasse in Schlieren gingen die Brüder auf ihren Nachbarn los.

In einer Wohnung an der Lättenstrasse in Schlieren gingen die Brüder auf ihren Nachbarn los.

Absurde Szenen wie in einem brutalen Mafiafilm spielten sich an einem Sonntag vor fünf Jahren an der Lättenstrasse in Schlieren ab. Ein heute 39-jähriger Monteur aus dem Kosovo und sein jüngerer Bruder stürmten die Wohnung eines Nachbarn und drängten diesen in dessen Schlafzimmer in eine Ecke. Dann würgten sie den ebenfalls aus dem Kosovo stammenden Hausherrn und prügelten auf ihn ein.

Zum Schluss packten die Angreifer das Opfer und trugen ihn zum offenen Fenster. Dann versuchten sie, den Familienvater aus dem dritten Stock nach unten zu werfen. Dieser hielt sich zunächst verzweifelt am Heizkörper fest. Doch dann hing er plötzlich ausserhalb des Fensters mit dem Oberkörper in der Luft.

«Du wirst jetzt umgebracht»

Während der ältere der beiden Brüder dem Privatkläger wiederholt mit dem Tod drohte, rief der mit letzter Kraft seine Ehefrau. Als diese per Telefon die Polizei alarmierte, liessen die Brüder von ihrem Gegner ab und suchten das Weite. Der Geschädigte hatte Prellungen am Kopf, Verletzungen am Brustbein sowie einen Bruch des Zeigefingers erlitten.

Die Polizei nahm kurz darauf die beiden Brüder fest und rätselte zunächst über das Tatmotiv der brutalen Abrechnung. Waren Drogen, Spielschulden oder gar Blutrache im Spiel? Die Ermittlungen brachten Überraschendes zutage. So lag der Grund für den Gewaltakt in einem simplen Streit unter Kindern: Am Nachmittag des 13. Septembers 2009 hatte der zehnjährige Sohn des älteren Bruders der Tochter des Opfers Gras ins T-Shirt geworfen. Worauf sich das Mädchen bei seinem Vater beschwerte. Dieser massregelte hernach den Buben verbal. Der Schüler wiederum informierte seinen Vater, was zur Eskalation führte.

Bedingte Geldstrafen für Angreifer

Am Dienstag beschäftigte sich das Zürcher Obergericht mit dem Fall. Die beiden Brüder beteuerten vergeblich ihre Unschuld. Der ältere gab an, dass er vom Opfer zuerst attackiert und geschlagen worden sei. Der jüngere behauptete, dass er bloss habe schlichten wollen. Ohne Erfolg. Die Oberrichter folgten den Darstellungen der Anklage und verurteilten sie wegen Körperverletzung zu bedingten Geldstrafen von 150 Tagessätzen zu 50 Franken beziehungsweise zu 120 Tagessätzen zu 50 Franken. Dem Geschädigten wurde ein Schmerzensgeld von 400 Franken zugesprochen. Damit bestätigten die Oberrichter ein erstinstanzliches Urteil des Bezirksgerichts Dietikon umfassend.

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