Streitpunkt Grossinvestoren
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Streitpunkt Grossinvestoren

Immer mehr Fussballklubs werden von Grossinvestoren übernommen. Über diese Tendenz unterhielten sich Funktionäre aus ganz Europa am Zürcher Symposium der Gesellschaft «International Football Arena».

Im Rahmen des Symposiums diskutierten namhafte Persönlichkeiten miteinander. So sassen Chelsea-CEO Peter Kenyon, Ex-Arsenal-Vorstandsmitglied Peter Dein, Barcelona-Vizepräsident Ferran Soriano und Wolfsburg-Geschäftsführer Klaus Fuchs in einer Reihe. Beim Thema «Fussball und Investoren» tanzte nur einer der Anwesenden aus der Reihe: Einzig Unternehmer Soriano fand keine wohlwollenden Worte für die wohltätigen Geldgeber, wie die «Frankfurter Allgemeine» berichtet.

Sorianos Klub Barcelona denkt nämlich nicht einmal im Traum daran, sich von einem solchen «Wohltätigen» übernehmen zu lassen. Der Verein wird von über 100 000 Mitgliedern getragen. «Wir vom Vorstand werden von unseren Mitgliedern gewählt», sagte Soriano, «und die beharren darauf, dass wir die Kontrolle über unseren Verein nicht aufgeben dürfen.»

Premier League interessant für Investoren

Anderer Meinung ist Peter Dein, der Arsenal vor wenigen Monaten im Zorn verliess, weil die anderen Vorstandsmitglieder die Türe für einen Grossinvestoren nicht öffnen wollten. «Die Premier League ist ein heisses Produkt, daran wollen auch Investoren teilhaben», so Dein. Dies ist in der Tat so. Acht der zwanzig Vereine sind inzwischen in fremder Hand. Der wohl bekannteste Klubbesitzer in England ist der Milliardär Roman Abramowitsch, seineszeichens Besitzer des FC Chelsea.

Die saftigen Geldspritzen des Russen haben dem Verein zuletzt geholfen, zweimal den Meistertitel und einen Spitzenplatz im europäischen Fussballgeschehen zu holen. Kein Wunder steht sein CEO voll und ganz hinter ihm. «Roman», sagte Peter Kenyon, «ist ein Fussballfreund, ein richtiger Chelsea-Fan. Er wird noch lange bleiben.» Und Peter Dein pflichtet seinem einstigen Gegenspieler bei: «Die Fans interessiert nur ein erfolgreiches Team.»

Behinderung des freien Marktes

Im Kreis der Grossen stimmte auch Klaus Fuchs, dessen VfL Wolfsburg zu neunzig Prozent dem Volkswagen-Konzern gehört, dem Lob auf die Grossinvestoren zu. Dass in Deutschland die Vereine die Mehrheit der Stimmrechtanteile behalten müssen (Fünfzig-plus-eins-Regel), ist für ihn ein Dorn im Auge, obschon sein Klub von einer Ausnahmeregel profitiert. «Ich bin mal gespannt, ob jemand gegen die Fünfzig-plus-eins-Regel klagen wird», sagte Fuchs in Zürich und fügte an: «Sie ist eine Behinderung des freien Marktes.»

Welche Fussballklubs sich bereits im Besitz eines Grossinvestoren befinden, erfahren Sie in der Bildstrecke oben.

(mon)

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