Aktualisiert 16.06.2019 07:26

FCB-Legenden

Streller und Frei sind ähnlich gescheitert

Die ehemaligen Nationalspieler Marco Streller und Alex Frei wechselten schnell vom Rasen ins Büro und scheiterten auf ähnliche Weise.

von
E. Tedesco
1 / 9
Alex Frei und Marco Streller waren zwei der herausragenden Schweizer Stürmer. Frei erzielte allein für Rotblau 108 Tore (167 Pflichtspiele) und ist Rekord-Torschütze der Schweizer Nati (42 Tore). Streller schoss 144 Treffer (324 Partien) nur für den FC Basel. Zusammen holten die beiden mit dem FCB 18 Titel (13 Meisterschaft und 5 Cup).

Alex Frei und Marco Streller waren zwei der herausragenden Schweizer Stürmer. Frei erzielte allein für Rotblau 108 Tore (167 Pflichtspiele) und ist Rekord-Torschütze der Schweizer Nati (42 Tore). Streller schoss 144 Treffer (324 Partien) nur für den FC Basel. Zusammen holten die beiden mit dem FCB 18 Titel (13 Meisterschaft und 5 Cup).

Freshfocus
Die beiden erfolgreichen Stürmer wechselten vom Rasen ins Büro und wurden Sportchefs.

Die beiden erfolgreichen Stürmer wechselten vom Rasen ins Büro und wurden Sportchefs.

Daniela Frutiger
Seit Juni 2017 ist Streller Sportdirektor sowie Mitglied des Verwaltungsrats und des Vereinsvorstand des FCB.

Seit Juni 2017 ist Streller Sportdirektor sowie Mitglied des Verwaltungsrats und des Vereinsvorstand des FCB.

Keystone/Georgios Kefalas

Von Anfang an war er der Frage ausgesetzt, was ihn eigentlich zum Sportdirektor des Schweizer Vorzeigeclubs legitimiere. Was, ausser seinem rotblauen Herzen und dem Status einer Clublegende, der Liebe zur Region, der Erfahrung eines Goalgetters? Vor zwei Jahren frage man sich: Kann Marco Streller als Sportchef des FC Basel funktionieren? Ohne klare Antwort darauf, tritt er zwei Jahre später zurück.

Vom FCB-Rasen hinter den Schreibtisch beim FC Luzern, und die Frage war die gleiche: Kann er das? 20 Monate versuchte sich Alex Frei im Luzerner Haifischbecken als Sportchef – erfolglos. Zermürbt von Sticheleien aus dem Hinterhalt und internen Querelen, von der Art, wie seine Arbeit aus dem Club heraus torpediert wurde, gab er auf, sagte, dass er unter den gegebenen Umständen nicht weiterarbeiten könne. Seinen Verdruss erklärte er später folgendermassen: «Man hat 27 Sitzungen für einen Spieler der 80'000 Franken kostet.»

Streller wiederum schrieb am Freitag, nachdem er einen internen Machtkampf beim FCB verlor: «Es sind zwei, drei Sachen passiert, die ich nicht akzeptieren kann.» Auch der FCB-Sportchef beklagt fehlende Rückendeckung.

Zu wenig Kompetenzen, zu lange Entscheidungswege

Die Sportchefs nehmen bei der Führung eines Fussballclubs heutzutage eine zentrale Rolle ein. Vielleicht ist er sogar die wichtigste Person im Club, wenn man seine Aufgaben anschaut: Er entscheidet über Transfers, Verträge der Spieler und über die Wahl des wichtigsten Angestellten – des Trainers. Deshalb sollte den Sportchefs, Sportdirektoren oder Sportkoordinatoren genügend Kompetenzen eingeräumt werden.

Wie Frei einst, sah sich auch Streller dieser Kompetenzen beschnitten. Zumindest waren die Entscheidungswege zu lang und zu kompliziert. Der FCB war immer einen Schritt zu spät. Sei es bei der Entlassung von Raphael Wicky, der Verpflichtung von Silvan Widmer oder bei der Analyse über die Zukunft von Trainer Marcel Koller. Diese Entscheidung hätte der FCB lange vor Saisonschluss fällen müssen.

Aktionismus und Fehlentscheidungen

Frei und Streller waren zwei der herausragenden Schweizer Stürmer. Frei erzielte allein für Basel 108 Tore (167 Pflichtspiele), ist Rekord-Torschütze der Schweizer Nationalmannschaft (42 Tore). Streller schoss 144 Treffer (324 Partien) für den FC Basel. Zusammen holten sie 18 Titel (13 Meisterschaft und 5 Cup). An fussballerischem Rüstzeug fehlte es nie.

Aber je grösser der Sportchef einst als Spieler war, desto grösser ist der Druck, der später auf ihm lastet. Und mit Niederlagen umzugehen, dafür kannten sie als Spieler nur eine Art: auf dem Platz, im nächsten Spiel. Als Sportchef konnten sie keinen Einfluss nehmen in ihren Logen, keine Tore schiessen. Oft führte das zu Aktionismus oder zu Fehlentscheidungen. Frei und Streller waren Fussballer mit Leib und Seele. Aber sie sind zwei Sportchefs, die scheiterten.

Frei hat seine Berufung gefunden

Frei bereut zwar nicht, schliesst aber aus, je wieder als Sportchef zu arbeiten. Die Themen, mit denen man sich rumschlage, seien nicht die seinen. Der 39-Jährige weiss, was er will, hat inzwischen seine Berufung im Trainerjob gefunden. Im November schliesst er die Uefa-Pro-Lizenz ab und liebäugelt mit einer Karriere im Trainerbusiness.

Und Streller? Der bald 38-Jährige (feiert am Dienstag Geburtstag) bleibt trotz Rücktritt als Sportdirektor kurioserweise Mitglied im Verwaltungsrat des FC Basel und Präsident Bernhard Burgener ist sogar noch «froh» darüber. Abgesehen davon, weiss Streller sicher, was er nicht will: Trainer werden. Ob Streller wie Frei kategorisch ausschliesst, je wieder als Sportchef zu arbeiten? Gut möglich.

Fehler gefunden?Jetzt melden.