Forderung von RoadCross und Ärzte: Strengere Begutachtungen für Senioren
Aktualisiert

Forderung von RoadCross und ÄrzteStrengere Begutachtungen für Senioren

Der Fall eines 96-Jährigen, der am Samstag in Seewen eine Frau überfahren hat, wirft hohe Wellen: RoadCross und Ärzte fordern strengere Begutachtungen für ältere Autofahrer.

von
Lena Berger
Fahrberatung für Senioren soll Unfälle älterer Lenker verhindern. (Foto: keystone)

Fahrberatung für Senioren soll Unfälle älterer Lenker verhindern. (Foto: keystone)

Noch im September wurde dem 96-jährigen Unfallverursacher von seinem Hausarzt die Fahrtüchtigkeit attestiert, wie Recherchen von 20 Minuten ergeben haben. Knapp vier Monate später überfuhr er letzten Samstag auf dem Fussgängerstreifen eine 78-jährige Frau und verletzte sie dabei lebensgefährlich. Trotzdem : «Wir haben keinen Grund, das Gutachten des Arztes anzuzweifeln», sagt Josef Blersch, Vorsteher des Verkehrsamts Schwyz.

Wie die Beurteilung zu Stande kam, ist Kurt Schreier, dem Präsident der Ärztegesellschaft Schwyz, ein Rätsel. «Es erstaunt mich nicht, dass sich viele Leute fragen, warum man einen 96-Jährigen hinters Steuer lässt», sagt er. «Bei der Begutachtung von über 85-Jährigen sollte zwingend eine Zweitmeinung eingeholt werden», fordert Schreier. Schliesslich handle es sich – wie der aktuelle Fall zeige – um folgenschwere Entscheidungen. Das belegt auch die Statistik: Gemäss der Unfallverhütungs­beratungsstelle BFU steigt mit zunehmendem Alter der Anteil der verschuldeten Unfälle.

Laut der Schweizer Strassenopferhilfe RoadCross gibt es immer wieder Ärzte, die langjährigen Patienten Gefälligkeitsgutachten ausstellen. «Die Ärzte müssen aufhören, beide Augen zuzudrücken», fordert Sprecher Silvan Granig. Es brauche unabhängige Experten statt befangener Hausärzte.

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