Statistik: Strengere Strafen schützen nicht vor Rückfällen
Aktualisiert

StatistikStrengere Strafen schützen nicht vor Rückfällen

Das Bundesamt für Statistik hat die Rückfallquote von Straftätern untersucht - und ist zu interessanten Schlussfolgerungen gekommen.

Strafrechtlich verurteilte Schweizer werden seit den Achtziger Jahren immer weniger rückfällig. In Kantonen, deren Sanktionspraxis als streng gilt, sind Rückfälle von Straffälligen nicht seltener als in Kantonen mit milderen Strafen.

Zu diesen Schlüssen kommt eine Analyse des Bundesamtes für Statistik (BFS) über strafrechtliche Rückfälle. Danach werden am häufigsten Personen wiederverurteilt, die jung, männlich und bereits vorbestraft sind und die schwere Straftaten begangen haben.

Die Rückfallrate nach einer strafrechtlichen Verurteilung sinkt seit 1987 kontinuierlich. 30 Prozent der Schweizerinnen und Schweizer, die in jenem Jahr für ein Verbrechen oder Vergehen verurteilt worden waren, wurden innerhalb von drei Jahren rückfällig. Für das Jahr 2003 betrug die Rückfallrate 22 Prozent.

Rückläufig war die Rückfälligkeit bei Strassenverkehrsdelikten, Gewalttaten und Drogenhandel, ansteigend dagegen bei Vermögensdelikten. Rund die Hälfte der wegen Diebstahls verurteilten Personen wurden wieder rückfällig.

Mehr Rückfälle bei vorbestraften Personen

Vorbestrafte Personen werden besonders häufig rückfällig. Bei den 2003 verurteilten Personen ohne Vorverurteilung wurden innerhalb der drei folgenden Jahre 18 Prozent rückfällig. Bei den Personen mit einer Vorverurteilung lag die Rate bei 37, mit zwei Vorverurteilungen bei 58 Prozent.

Überdurchschnittlich häufig sind Wiederholungstäter unter Jugendlichen, Männern und Personen, die wegen schwerer Delikte verurteilt wurden. Die Rückfallrate ist stark von der Schwere der Straftat abhängig.

Nach einer Verurteilung wegen eines Vergehens lag die Rückfallrate bei insgesamt 23 Prozent, nach einer Verurteilung wegen eines Verbrechens bei 34 Prozent.

Entgegen dem allgemeinen Trend sind Minderjährige und junge Erwachsene seit dem Ende der Achtziger Jahre häufiger rückfällig geworden. Dies gilt allerdings nicht für schwerste Delikte: Die Rückfallrate bei Jungen nach einer Verurteilung wegen einer Gewaltstraftat blieb etwa stabil.

Strenge und milde Kantone

In einer Untersuchung der Verurteilungen wegen Fahrens in stark angetrunkenem Zustand zeigte sich, dass die Rückfallquote in Kantonen mit strenger Sanktionspraxis nicht tiefer liegt als in solchen mit milderen Strafen.

Während in Schaffhausen oder Aargau Blaufahrer viel öfters zu unbedingten Freiheitsstrafen verurteilt werden als in Genf oder im Tessin, liegen die Rückfallraten nach drei Jahren in allen Kantonen im Bereich von 14 Prozent.

Dieselben Trends wie beim Fahren in angetrunkenem Zustand wurden auch bei anderen Straftaten festgestellt.

Diese Ergebnisse deuten laut BFS darauf hin, dass die grösste präventive Wirkung bei Rückfällen nicht von der Art und Höhe der Strafe ausgeht, sondern eher vom Risiko, wieder von der Polizei gefasst zu werden - oder davon, wie stark die Bevölkerung im Allgemeinen die entsprechende Art von Straftat verurteilt.

Bei den Rückfallanalysen wurden nur Schweizer Staatsangehörige berücksichtigt, nicht aber Ausländer, da in der Strafurteilstatistik nicht zwischen in der Schweiz lebenden Ausländern und Durchreisenden oder Grenzgängern unterschieden wird.

Bei Minderjährigen dagegen schlüsselt die Jugendstrafstatistik die Rückfallquoten ab 1999 nach Nationalität auf. (sda)

Deine Meinung