Nino Niederreiter: Stress, Druck und fehlende Muskeln
Aktualisiert

Nino NiederreiterStress, Druck und fehlende Muskeln

Der 18-Jährige hat einen NHL-Vertrag bei den Islanders unterzeichnet – und wird Millionen kassieren. 20 Minuten Online hat ihn in New York getroffen.

von
Jürg Federer
New York
Nino Niederreiter, 18 Jahre alt, unterschrieb bei den New York Islanders einen Vertrag über 2,825 Millionen. (Bild: Adriana Caroli)

Nino Niederreiter, 18 Jahre alt, unterschrieb bei den New York Islanders einen Vertrag über 2,825 Millionen. (Bild: Adriana Caroli)

20 Minuten Online: Nino Niederreiter, was bedeutet Ihnen Ihr NHL-Vertrag über 2.825 Millionen US-Dollar?

Nino Niederreiter: Dieser Vertrag bedeutet für mich vor allem eine Beruhigung. Ich kann mich nun voll auf das Saisonvorbereitungs-Camp der New York Islanders konzentrieren und muss nicht mehr ans Geschäft denken.

Wie stehen Ihre Chancen, zum Saisonstart am 9. Oktober gegen die Dallas Stars auf dem Eis zu stehen?

Nino Niederreiter: Die Chancen sind intakt. Wir sind 13 Stürmer, die sich für zwei Kaderplätze im Team aufdrängen. Ich werde alles daran setzen, meine Chancen möglichst lange aufrechtzuerhalten.

Was braucht es noch, dass Nino Niederreiter ein NHL-Spieler wird?

Nino Niederreiter: In meinem Alter ist die körperliche Verfassung sehr wichtig. Ich weiss, dass ich die Voraussetzungen für die NHL habe, das bestätigt sich auch hier im NHL-Camp der Islanders. Aber ich muss noch an Muskeln zulegen, um physisch stärker zu werden.

Was unternehmen Sie, damit Sie ein NHL-Spieler werden?

Nino Niederreiter: Ich habe im Sommer mit meinem persönlichen Fitnesstrainer Dino Lauber gearbeitet und ich bin mittlerweile 93 kg schwer. Mein Ziel ist es, 95 kg auf die Waage zu bringen.

Was erwartet der Headcoach Scott Gordon von Ihnen, damit er Sie in der NHL einsetzen wird?

Nino Niederreiter: Es ist schwierig, herauszufinden, was der Headcoach denkt. Bisher hat er mir einzig gesagt, dass ich noch besser mit meinem Mitspielern kommunizieren soll. Ich müsse meine Spielzüge klarer ankündigen und lauter sprechen.

Wer sind Ihre Mitspieler?

Nino Niederreiter: Ich spiele in einer Sturmformation mit Frans Nielsen und Josh Bailey. Wir verstehen uns auf dem Eis sehr gut.

Wie gross wäre die Enttäuschung, wenn es zum Saisonstart für Sie nicht reichen würde und Sie zurück in die Junioren-Liga versetzt würden?

Nino Niederreiter: Darüber denke ich im Moment gar nicht nach, die Entscheidung über meine Zukunft liegt ja nicht bei mir, sondern bei den New York Islanders. Ich setze einfach alles daran, dem Coach die Entscheidung möglichst schwer zu machen.

Der Druck auf Sie wäre unheimlich gross, wenn Sie mit einem Millionen-Vertrag und dem Status als Erstrundendraft in der Junioren-Liga spielen müssten. In Portland würden alle Wunder von Ihnen erwarten.

Nino Niederreiter: Druck ist etwas, das man sich selbst auferlegt. Es ist die Angst, nicht zu bestehen. Ich arbeite bereits seit fünf Jahren mit meiner Mental-Trainerin Rita Suter zusammen und sie lehrt mich, genau mit solchen Situationen umzugehen.

Sie haben im ersten NHL-Saisonvorbereitungsspiel gegen Boston überzeugt und gleich ein Tor erzielt.

Nino Niederreiter: Ja, das war ein typisches NHL-Tor, ich habe den Puck vor dem Tor abgelenkt.

Wie haben Sie sich danach gefühlt?

Nino Niederreiter: Es war eine Erleichterung. Es gehört zu meiner Spielvorbereitung, mir die Haare nass zu machen und dann den Helm anzuziehen. Als ich mich dafür in Boston vor den Spiegel gestellt habe, sah ich mich im Trikot der New York Islanders. Ehrlich gesagt war ich da zum ersten Mal richtig nervös.

Das erste Tor im ersten Spiel, da muss doch ein Saisonstart bei den New York Islanders möglich sein.

Nino Niederreiter: Ich glaube, das Einzige, was mir dieses Tor garantiert, ist ein Einsatz im nächsten Spiel. Nicht mehr und nicht weniger.

Ihr Agent Andre Rufener hat sie während den letzten Tagen in New York besucht. Was für ein Verhältnis pflegen Sie zu Ihrem Agenten?

Nino Niederreiter: Wir stehen ständig im Kontakt miteinander. Rufener ruft mich vor jedem Spiel an, bespricht mit mir eishockeytechnische Details, schaut sich dann die Partie am TV an und ruft mich danach wieder an, um mir Rückmeldungen zu geben. Er ist so etwas wie mein persönlicher Coach. Es ist angenehm, dass er mich nun auch in New York besucht hat.

Was für ein Zeugnis stellen Sie ihm für Ihren NHL-Vertrag aus?

Nino Niederreiter: Ich stelle ihm ein sehr gutes Zeugnis aus. Es ist Rufeners Aufgabe, mir die bestmöglichen Konditionen für meine Karriere zu ermöglichen. Im Falle meines NHL-Vertrages war die Vertragssumme ein Thema. Einerseits will man einen gut dotierten Vertrag unterzeichnen, andererseits ist es aber auch sehr wichtig, nicht zu übertreiben. Schliesslich zählt mein gesamter Vertrag mit 2.825 Millionen US-Dollar zum Salary Cap (Lohnobergrenze) der New York Islanders. Viel wichtiger als die Höhe der Summe war es deshalb, realistisch zu bleiben und nicht zu übertreiben. Ich bin der Meinung, dass Rufener das mit viel Geschick gemacht hat, ich arbeite seit zwei Jahren mit ihm zusammen und ich bin sehr zufrieden mit seiner Arbeit.

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