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ZürichStress im Wald wegen Apps mit Vogelstimmen

Naturschützer schlagen Alarm: Mit Vogelruf-Apps locken Fotografen und Vogelliebhaber Vögel aus ihren Verstecken. Das stresst die Tiere gewaltig.

von
Cécile Blaser
Gefährlicher Unfug: Vogelgesang-Apps locken Vögel aus Verstecken. Foto: key

Gefährlicher Unfug: Vogelgesang-Apps locken Vögel aus Verstecken. Foto: key

Eigentlich tönt es völlig harmlos: Zahlreiche Smartphone-Apps liefern Bilder, Bestimmungshilfen und Tonbeispiele des Gesangs jeder heimischen Vogelart. Doch findige Fotografen und übereifrige Vogelfans missbrauchen die Vogelgesangs-Clips gezielt, um in der Natur Vögel aus ihren Verstecken zu locken. Dies ist für die Vögel gefährlich. «Sie meinen, der künstliche Ruf sei ein anderes Männchen, gegen das sie ihr Revier verteidigen müssen», erklärt Christa Glauser von SVS/Birdlife Schweiz. Dadurch würden sie von ihren überlebenswichtigen Tätigkeiten wie Fressen und Brüten abgehalten.

Besonders seltene Vogelarten würden dadurch massiv gestört. Deswegen sei das Locken mit den Vogelruf-Apps bei echten Vogelfreunden verpönt. «Gerade Singvogelarten wie Ammern oder die Nachtigall reagieren besonders sensibel und irritiert», bestätigt auch Hans Schmid von der Vogelwarte Sempach. «Spechte und Eulen könnten sogar ihr Revier aufgeben, da sie den künstlichen Rivalen als zu stark einschätzen.» In England wurde die App-Plage in Naturschutzgebieten derart gross, dass Vogelschützer die Apps verbieten lassen mussten.

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