Aktualisiert 22.04.2014 22:33

EnergiewendeStrom soll für alle teurer werden

Der Bund greift erneut auf das Portemonnaie des Konsumenten zurück und will Zuschläge für die Energiewende verdoppeln. Das sei Geldverschwendung, sagen Kritiker.

von
Caroline Freigang
Gemäss dem neuen Energiegesetz könnte der Bundesrat die Zuschläge für erneuerbare Energien sogar noch weiter erhöhen. Die Obergrenze sei 1,5 Rappen pro Kilowattstunde. Momentan zahlt der Konsument 0,6 Rappen.

Gemäss dem neuen Energiegesetz könnte der Bundesrat die Zuschläge für erneuerbare Energien sogar noch weiter erhöhen. Die Obergrenze sei 1,5 Rappen pro Kilowattstunde. Momentan zahlt der Konsument 0,6 Rappen.

Jetzt bekommen auch die Konsumenten die Energiewende zu spüren: Ab 1. Januar 2015 sollen die Strompreise steigen. Das Energiedepartement von Doris Leuthard möchte im Juni beantragen, den Zuschlag zur Förderung erneuerbarer Energien zu erhöhen. Dies bedeutet, dass ein durchschnittlicher Vierpersonenhaushalt jährlich einen Zuschlag von 50 Franken statt 27 wie bisher auf den Strompreis zahlen würde, berichtet Radio SRF.

Durch die Erhöhung sollen so insgesamt zusätzlich 300 Millionen Franken pro Jahr eingenommen werden. Diese Gelder sollen dann in Solar-, Wind-, oder Wasserkraftprojekte investiert werden.

«Industrie soll mitzahlen»

Louis Schelbert, Nationalrat der Grünen, hält die Erhöhung der Zuschläge für sinnvoll. «Die Kosten der Atomkraft durch Unfälle und Müllbeseitigung sind wesentlich höher als die Kosten der Energiewende. Wenn man bedenkt, dass allein die Kosten der Fukushima-Katastrophe auf etwa 200 Milliarden Franken geschätzt werden, sind 50 Franken mehr für erneuerbare Energien gerechtfertigt», so Schelbert.

Zurückhaltender gibt sich Grünen-Nationalrätin Yvonne Gilli. Zwar unterstütze sie die Förderung von erneuerbaren Energien, plädiere jedoch für eine Differenzierung bei den Konsumenten: «Wünschenswert wäre, wenn Kunden, die bereits mehrheitlich erneuerbaren Strom beziehen, weniger zahlen müssten als solche, die AKW-Strom konsumieren.»

Auch Sara Stalder, Geschäftsleiterin des Konsumentenschutz, findet es problematisch, wenn die Zuschläge ausschliesslich von den Konsumenten geschultert werden. Sie spricht sich für eine stärkere Einbindung der Industrie aus: «Damit die der Konsument nicht alleine für erneuerbare Energien aufkommen muss, sollten auch Unternehmen helfen, dafür zu bezahlen.»

«Erneuerbare Energien sind nicht effizient»

Klarer Gegner der Preiserhöhung ist AKW-Befürworter und SVP-Nationalrat Ulrich Giezendanner. Er sagt: «Nur weil die Energiewende einen Ausstieg aus dem Atomstrom fordert, wird der Strom teurer. Würden wir den Atomstrom behalten, müssten wir keine höheren Preise zahlen.» Auch die Risiken beim Atomstrom sieht Giezendanner nicht als unvertretbar gross: «Es gibt immer ein gewisses Restrisiko, das wir Menschen tragen müssen. Auch bei der Wasserkraft gibt es keine absolute Sicherheit.»

Nicht einverstanden mit einer Erhöhung der Zuschläge ist auch FDP-Nationalrat Christian Wasserfallen. Mit dieser Risikodiskussion werde davon abgelenkt, dass erneuerbare Energien nicht wirtschaftlich seien, entgegnet Wasserfallen. Er fügt hinzu: «Durch die Zuschläge werden 750 Millionen Franken jährlich in erneuerbare Energien investiert, aus denen wir 1 bis 2 Prozent Strom erhalten. Das ist nicht effizient.»

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