Trotz Liberalisierung: Strom soll noch teurer werden
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Trotz LiberalisierungStrom soll noch teurer werden

Wenn ein Markt liberalisiert wird, erwartet man eigentlich mehr Wettbewerb und damit sinkende Preise. Obwohl in der Schweiz Grosskunden (z. B. Unternehmen) seit 2009 den Anbieter frei wählen können, ist genau das Gegenteil eingetreten.

von
Dajan Roman
Liberalisierung des Strommarkts: Laut Experten profitieren Privathaushalte nicht. (Keystone)

Liberalisierung des Strommarkts: Laut Experten profitieren Privathaushalte nicht. (Keystone)

Strom ist rund 10 Prozent teurer geworden. «Die Regulierung ist in der Schweiz sehr schlank organisiert», sagt Strommarktexperte und HSG-Professor Rolf Wüstenhagen. Das führe zu höheren Preisen: «Es ist wie bei Hase und Igel: Die regulierenden Firmen haben im Strommarkt meist einen Informationsvorsprung vor dem Regulator.» Je komplexer der Markt und die Angebote seien, desto schwieriger sei es für den Regulator, den Überblick zu behalten.

Wohin eine schwache Re­gulierung führe, zeige folgendes ­Beispiel: «Grossbritannien hat eine viel mächtigere Regulierungsbehörde als Deutschland. Die Folge ist, dass RWE und E.ON im deutschen Heimmarkt viel mehr verdienen als auf

der Insel.»

Ab 2014 können auch die privaten Haushalte den Anbieter frei wählen. Und dann dürfte Strom noch teurer werden. Wüstenhagen: «Die Erfahrung zeigt, dass Akteure mit grosser Marktmacht profitieren werden.» So könnten Industriekunden bessere Konditionen aushandeln und «die Anbieter müssen dann die verlorenen Einnahmen bei anderen Kunden, etwa den Privathaushalten, wieder reinholen.»

«Grün» macht den Strom teuer

Ein Grund für die steigenden Strompreise in der Schweiz ist das hohe und ebenfalls noch steigende Preisniveau in Europa. Laut Professor Wüstenhagen ist die Schweiz traditionell sehr stark in den internationalen Stromhandel eingebunden, weswegen sich diese Preise auch auf das Inland auswirken. Zudem ist die Schweiz am hohen Preisniveau nicht ganz unschuldig. «Von einem hohen Strompreis in Deutschland und Italien profitieren auch die Exporteure von ‹grünem› Strom aus Schweizer Wasserkraft», so Wüstenhagen.

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