Stromproduzentin droht der Schweiz

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Stromproduzentin droht der Schweiz

Die Stromproduzentin EOS treibt ihr Projekt für ein Gaskombikraftwerk in Chavalon VS voran. Letzte Woche reichte sie das Baugesuch ein. Falls das Parlament solche Kraftwerke nicht von der CO2-Abgabe befreit, droht die EOS, das Werk im Ausland zu bauen.

Das geplante Gaskombikraftwerk auf dem Gelände des früheren Heizkraftwerks Chavalon oberhalb der Unterwalliser Gemeinde Vouvry würde bei Vollbetrieb schätzungsweise 0,75 Millionen Tonnen CO2 ausstossen. Insgesamt wurden in der Schweiz im Jahr 2004 44,7 Mio. Tonnen CO2 freigesetzt.

Geht es nach dem Ständerat, sollen die Betreiber solcher Kraftwerke auf dem gesamten Ausstoss eine CO2-Abgabe von 35 Fr. pro Tonne CO2 bezahlen. Das würde die Gestehungskosten des Kraftwerks Chavalon von geplanten 8 Rappen auf 9,2 bis 9,5 Rappen pro kWh erhöhen.

Hohe Mehrkosten erwartet

Dieser Preis ist aus Sicht des EOS-Chefs Hans Schweickardt zu hoch. Während der geplanten Betriebsdauer von 25 Jahren rechne er wegen der CO2-Abgabe mit Mehrkosten von insgesamt 530 Mio. Franken, führte er am Dienstag vor den Medien in Chavalon aus.

Würden Gaskraftwerke nicht zumindest teilweise von der CO2-Abgabe befreit, müsse man erwägen, das Projekt im Ausland durchzuziehen, warnte Schweickardt den Nationalrat, der sich noch zum ständerätlichen Vorschlag äussern muss. Andere Schweizer Stromproduzenten haben diesen Schritt bereits getan oder planen ihn.

Für Schweickardt wäre es ein Fehler, hierzulande keine solchen Kraftwerke zu bauen. Eine Versorgungslücke erwartet er wie das Amen in der Kirche. Im schlimmsten Fall öffne sie sich ab 2012. Um sich dagegen zu wappnen, müssten alle Optionen verfolgt werden, sagte er.

Breiterer Strommix gefordert

Diese reichen für den ehemaligen Atel-Direktor vom Stromsparen über die Erschliessung von neuen erneuerbarer Energien und die Erneuerung der langfristigen Lieferverträge bis zum Bau eines neuen Atomkraftwerks. Alle diese Vorschläge seien nur Teillösungen, da sie immer auch mit Nachteilen verbunden seien.

Deshalb führe kein Weg an den Gaskraftwerken vorbei. Nur ein breiter Strommix bringe Entspannung. Geht es nach Schweickardt, geht Chavalon bereits Anfang 2010 ans Netz. Im Winter könnte das Werk mit einer Leistung von 400 MW und einer Jahres-Produktion von 2,2 TWh einen ansehnlichen Teil der Bandenergie liefern.

Könnten in der Schweiz Gaskombikraftwerke nicht rentabel betrieben werden, müsse der Strom importiert werden, wie auch immer er im Ausland produziert werde, sagte Schweickardt weiter. Wolle man dies nicht, müssten schubladisierte Projekte zur Produktion von Bandenergie wie etwa neue Rhone-Flusskraftwerke neu diskutiert werden.

Forderungen und Fahrplan der EOS

Konkret fordern die EOS-Verantwortlichen den Nationalrat auf, Gaskrafwerke teilweise von der CO2-Abgabe zu befreien. Statt wie vorgeschlagen auf dem gesamten Ausstoss des Klimagases will die EOS höchstens auf zwei Dritteln des CO2 die Abgabe bezahlen oder mit Kompensationsleistungen abgelten. Den Grossteil davon (ebenfalls 2/3) soll mit Massnahmen im Ausland kompensiert werden dürfen.

Den Entscheid über den Bau des 380-Millionen-Franken-Projekts will die EOS im dritten Quartal 2007 treffen. In Kürze will sie mit dem Abbau des 1999 stillgelegten Heizkraftwerks beginnen, damit Anfang 2008 die Bauarbeiten aufgenommen werden können.

Weitere Gaskombikraftwerke in Planung

In der Schweiz sind neben dem EOS-Projekt in Chavalon VS weitere Gaskombikraftwerke in Planung. Zudem wollen verschiedene Stromkonzerne solche Anlagen in Italien oder in Frankreich bauen.

Zwei der in der Schweiz geplanten Projekte liegen im Mittelland. Im neuenburgischen Cornaux will die Groupe E bis 2011 ein 400-MW-Werk bauen. Beteiligt sind auch die BKW und die Romande Energie. Letztere ist auch am Projekt in Chavalon beteiligt.

Die Bernischen Kraftwerke BKW ihrerseits verfolgen auch eigene Projekte. Im Jahr 2010 wollen sie in Utzenstorf BE ein Werk in Betrieb nehmen. Weniger weit fortgeschritten ist ein Projekt der Axpo, die Anfang 2006 eine Machbarkeitsstudie für ein Werk in der Schweiz ankündigte.

Gross ins Geschäft mit Strom aus Erdgas will die BKW in Italien einsteigen. Sie kaufte im April 2006 die Projektrechte für eine 400-MW- und eine 800-MW-Anlage im südlichen Nachbarland. Auch die Atel erhofft sich Erfolg im Ausland. Im Dezember kündigte die Aare-Tessin AG für Elektrizität an, in Frankreich ein solches Projekt zu verfolgen.

(SDA)

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