Energie: Sparkampagne nützt nichts – jetzt soll in den Städten das Licht ausgehen

Publiziert

EnergieSparkampagne nützt nichts – jetzt soll in den Städten das Licht ausgehen

Der Stromverbrauch ist im September weiter angestiegen. Politiker wollen jetzt Massnahmen wie Lichterlöschen oder Steuerung über den Preis.

von
Claudia Blumer
Daniel Graf

Darum gehts 

Vor einem Monat hat der Bund seine Stromspar-Kampagne «Energie ist knapp, verschwenden wir sie nicht» gestartet. Bis jetzt zeigt sich kein Spareffekt, wie eine Auswertung des «Tages-Anzeigers» (Bezahlartikel) zeigt. Braucht es nun verbindliche Stromspar-Regeln? Die Bevölkerung wäre dem nicht abgeneigt, wie eine Umfrage von Tamedia und 20 Minuten von Ende September zeigt: 50 Prozent sind dafür, dass der Bundesrat Sparmassnahmen für obligatorisch erklärt, bevor ein Mangel eingetreten ist.

Grüne-Nationalrat und Energiepolitiker Kurt Egger erstaunt es überhaupt nicht, dass der Stromverbrauch nicht sinkt. Es brauche verbindliche Massnahmen, denn die Stauseen seien zu wenig gefüllt. «Strassenlampen können um 23 Uhr abgeschaltet werden, Schaufenster ohnehin, das tut niemandem weh.» Auch Gebäude wie das Zürcher Fraumünster, das Kloster Einsiedeln oder die Kirche Fischingen müssten nachts nicht beleuchtet werden.

Weiter müsse der Bund mit Unternehmen Sparziele von beispielsweise fünf Prozent definieren. Das sei mit wenig Aufwand zu erreichen, bei einem Hotel zum Beispiel durch eine Verkürzung der Sauna-Zeit. Oder bei einem Detailhändler, indem er eine grosse und wenig genutzte Tiefgarage nicht durchgängig voll ausleuchte.

Auch Michael Töngi, Grünen-Nationalrat und Vizepräsident des Schweizerischen Mieterverbands, ist fürs Lichterlöschen. «In Schaufenstern, Weihnachtsbeleuchtungen und beleuchteten Objekten wie Kirchen hat die Beleuchtung keinen wirklichen Nutzen. Töngi kritisiert die Stromsparkampagne: «Auch wenn ich nicht sicher bin, ob tatsächlich gar kein Strom gespart worden ist, reicht es natürlich nicht, einfach ein paar Plakate aufzuhängen und Inserate zu drucken.» Wirklich zum Stromsparen animiert würden die Menschen dann, wenn sie sähen, dass auch in der Öffentlichkeit etwas passiert. «Die Stadt Luzern wird zum Beispiel den Wasserturm nicht mehr beleuchten und in den eigenen Gebäuden keine Weihnachtsbeleuchtung anbringen.»

Stromverbrauch soll über den Preis gelenkt werden

FDP-Nationalrätin Susanne Vincenz-Stauffacher könnte sich ein Sparziel von zum Beispiel zehn Prozent vorstellen, wobei jeder Haushalt selber entscheidet, wie er dieses Ziel erreichen will. «Die einen wollen vielleicht lieber die Heizung runterdrehen, dafür den Tumbler weiterhin benutzen.» Dies allerdings erst, wenn eine Mangellage bevorsteht.

Der Aargauer FDP-Nationalrat Matthias Jauslin bringt eine andere Idee ins Spiel: den Stromverbrauch über den Preis steuern. Damit wäre der Strom immer dann teuer, wenn es wenig Strom zur Verfügung hat, und günstiger, wenn das Angebot genügend gross ist. Auch GLP-Nationalrat Martin Bäumle würde dies befürworten. Doch technisch sei die Schweiz leider noch nicht soweit (siehe Box).

Für Bäumle ist es noch zu früh, die Massnahmen zu verschärfen. «Wenn wir bis Ende Oktober mit Freiwilligkeit immer noch gleich weit sind, muss der Verbrauch gebremst werden.» Der vor Monatsfrist gestartete Appell des Bundes wirke nicht so schnell, bei der öffentlichen Verwaltung würden jetzt diverse Massnahmen geprüft, die teilweise erst ab Oktober Wirkung zeigten.

«Polizei kann nicht in der Wohnung kontrollieren»

Auch FDP-Ständerat Ruedi Noser will der Bevölkerung mehr Zeit geben. «Sparmassnahmen gehen nicht von heute auf morgen.» Er sehe es in der Firma, an der er beteiligt ist: «Wir haben uns zum Ziel gesetzt, 15 Prozent Strom zu sparen. Doch bis zur Umsetzung wird es Januar.» Von einem Obligatorium würde er ohnehin absehen. «Wer soll das kontrollieren? Die Polizei in der Wohnung geht nicht, dazu braucht es einen Hausdurchsuchungsbefehl.» 

Preis soll den Stromverbrauch steuern

Keine News mehr verpassen

Mit dem täglichen Update bleibst du über deine Lieblingsthemen informiert und verpasst keine News über das aktuelle Weltgeschehen mehr.
Erhalte das Wichtigste kurz und knapp täglich direkt in dein Postfach.

Deine Meinung

937 Kommentare