Aktualisiert 12.02.2020 08:43

Fiat Hybride

Stromstoss für italienische Kultautos

Gut Ding will Weile haben? Fiat kommt mit einem Mild-Hybridsystem für die beiden Kult-Minis 500 und Panda doch noch im E-Zeitalter an.

von
B. Stüdle
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Beliebter Italiener, jetzt auch mit einem Motor, der nicht mehr von gestern ist: Fiat Panda und 500, ausgestattet mit Mild-Hybrid-System.

Beliebter Italiener, jetzt auch mit einem Motor, der nicht mehr von gestern ist: Fiat Panda und 500, ausgestattet mit Mild-Hybrid-System.

Fiat
Fiat kommt mit einem Mild-Hybridsystem für die beiden Kult-Minis 500 und Panda im E-Zeitalter an. Ein rein elektrischer Cinquecento wird in Genf vorgestellt

Fiat kommt mit einem Mild-Hybridsystem für die beiden Kult-Minis 500 und Panda im E-Zeitalter an. Ein rein elektrischer Cinquecento wird in Genf vorgestellt

Fiat
Bis 2021 sollen gleich mehrere komplett neue Modelle mit Plug-In-Hybrid- oder rein elektrischen Antrieben ausgerüstet werden.

Bis 2021 sollen gleich mehrere komplett neue Modelle mit Plug-In-Hybrid- oder rein elektrischen Antrieben ausgerüstet werden.

Fiat

«Domani», pflegen unsere südlichen Nachbarn zu sagen, wenn man etwas von ihnen will. Ihr Lebensmotto «verschiebe doch auf morgen, was du heute kannst besorgen» ist ja durchaus sympathisch und schont die Herzen der Italiener – laut Statistik gehört Bella Italia zu den Ländern mit den wenigsten Herzinfarkten. Dafür brauchen sie halt öfters etwas länger. Oder haben sie schon mal eine Bella Macchina mit Hybridantrieb oder Elektromotor auf der Strasse gesehen?

Gab es auch nicht, wenigstens was Serienfahrzeuge betrifft. Bei Fiat – und übrigens auch bei den anderen Marken des Fiat-Chrysler-Konzerns (FCA) – ändert das jetzt «subito». Bis 2021 sollen gleich mehrere komplett neue Modelle mit Plug-In-Hybrid- oder rein elektrischen Antrieben ausgerüstet werden. Von Fiat ist bereits bei der Geneva International Motor Show (GIMS) Anfang März ein völlig neuer, rein elektrischer Fiat 500 versprochen. Und man staune: In Bologna – der ersten und bisher einzigen Smart-City auf dem Stiefel –, präsentierten die Turiner Autobauer in diesen Tagen die Legenden Panda und Cinquecento mit einer völlig neu konzipierten Basismotorisierung mit Hybridsystem.

Später Einstieg

Beim Nachtessen – natürlich im Bio-Lokal – in Bologna staunte auch Stefano Cesini als er gefragt wurde, warum Fiat erst jetzt mit Hybrid-Autos auf den Markt kommt. «Wir haben uns mit dem Thema Elektrifizierung schon seit langem beschäftigt», wehrte sich der Head of Fiat Functional Family und zitierte Fiat-Europachef Luca Napolitano, mit einer einfachen Antwort auf eine schwierige Frage: «Wir sind zum Schluss gekommen, dass der Markt jetzt reif ist.»

Weniger einfach haben es sich Fiat-Chefingenieur Carlo de Marino und sein Team gemacht. Sie mussten innert ein paar Monaten das Problem «moderne Technik zum günstigen Preis» lösen. Denn die Oldies Panda (aus dem Jahr 2011) und Fiat 500 (2007) gehören ja nicht zu den europaweit bestverkauften Autos ihrer Klasse, weil sie technisch up to date sind. Also war klar, dass die Hybride auf gar keinen Fall viel teurer sein dürfen als die Normalos. Das passt: Die Launch-Edition mit allen Extras kostet beim Panda 16'490 und beim Cinquecento 16'690 Franken – die Basisversionen gibt es bereits ab 13'990 Franken, das sind nur 600 Franken mehr im Vergleich zu den Normalos.

«Wir haben das geschafft, weil wir gut sind», meinte de Marino beim Mittagessen. «Im Ernst: Wir haben die besten Ideen aus allen Produktionsbereichen wieder und wieder technisch und ökonomisch optimiert und so eine einfache, kostengünstige Lösung gefunden.» Und so haben sie laut eigener Einschätzung eine Art Ei des Kolumbus gefunden: «Firefly» heisst der komplett neu konzipierte Basismotor mit der sogenannten Mild-Hybrid-Technologie. Der 77 kg leichte 1,0-Liter-Dreizylinderbenziner verleiht den Strom-Wägelchen 70 PS – notabene satt eine Pferdestärke mehr als beim bisherigen 1,2-Liter-Vierzylinderbenziner.

«Milde» Hybride

Mit «Mild» kaschieren die Marketingstrategen, dass die Hybride nicht voll elektrisch gefahren werden können. Der 5-PS-Elektromotor hilft den Benzinmotoren nur auf die Sprünge und lädt die Batterie beim Bremsen. Immerhin lassen sich so der Verbrauch nach Werksangaben von 4,9 auf 3,9 Liter auf 100 Kilometer senken, und der allgegenwärtige CO2-Ausstoss wird von 109 auf 88 Gramm pro Kilometer gesenkt. Vorausgesetzt, man beherrscht die ökonomische Fahrweise für den «Fyerfly»: Vor der Kreuzung Gang raus und mit automatisch abgestelltem Motor bis zum Stopp segeln.

Nicht nur deshalb kommt Spass auf bei den Testfahrten durch die engen Gassen, zwischen den geschichtsträchtigen Bauten in der Altstadt Bolognas. Im dichten Stadtverkehr mit Hupen und Drängeln, holprigen Pflastersteinen und viel Stop and Go fahren die Fiat-Legenden unter Strom zur Hochform auf. Am Stopp springt der ruhende Motor sehr schnell an, lässt einem flott in jede Lücke sprinten und schlängelt sich stressfrei durch den dichten Stadtverkehr. Auch wenn sie sich optisch kaum verändert haben: So modern fühlten sich die beiden Kultautos schon lange nicht mehr an.

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