Uni in Brand gesteckt: Student stirbt bei Unruhen in Kairo

Aktualisiert

Uni in Brand gestecktStudent stirbt bei Unruhen in Kairo

Fliegende Steine, brennende Autoreifen, eine Uni in Flammen: Erneut kam es in Kairo zu Unruhen zwischen Anhängern der Muslimbruderschaft und der Polizei.

Bei Zusammenstössen zwischen Demonstranten und der Polizei ist am Samstag in Ägypten ein weiterer Mensch ums Leben gekommen. Nach Angaben der Behörden versuchten Polizisten Studenten aus einem Gebäude der islamischen Al-Azhar-Universität in Kairo zu vertreiben, weil sie die Abschlussprüfungen störten. Dabei kam ein Student ums Leben, ein Gebäude wurde angezündet. Nach Angaben eines Sicherheitsbeamten wurden 68 Studenten festgenommen.

Die Behörden machten die Studenten für die Gewalt verantwortlich. Das für die Polizei zuständige Innenministerium erklärte, sie hätten mehrere Gebäude auf dem Campus gestürmt, um Kommilitonen und Dozenten zu «terrorisieren». Einige hätten mit Schusswaffen in die Luft geschossen und Möbel zertrümmert. Der Angriff habe die Polizisten dazu bewogen, einzugreifen und die Menschenmenge zu vertreiben. Daraufhin hätten die Studenten die Wirtschaftsfakultät in Brand gesteckt.

Studenten beschuldigen Polizei

Die Studentensprecherin Aja Fathi wies die Angaben der Behörden zurück und erklärte, die Polizei habe das Feuer auf streikende Studenten vor der Wirtschaftsfakultät eröffnet und den Kommilitonen getötet. Fathi warf den Beamten auch vor, das Gebäude in Brand gesteckt zu haben, um den Studenten die Schuld zuzuschieben.

Auf Aufnahmen örtlicher Fernsehsender und bei sozialen Online-Medien war zu sehen, wie Flammen über dem dreistöckigen Gebäude aufstiegen. Vermummte Demonstranten auf Dächern verschiedener Universitätseinrichtungen warfen Steine auf Sicherheitskräfte. Studenten sprangen aus Fenstern, um vor der Gewalt zu fliehen.

Proteste gegen Vorgehen der Regierung

Die Studenten der Al-Azhar-Universität protestieren bereits seit Wochen gegen den Sturz des islamistischen Präsidenten Mohammed Mursi im Juli. Die Übergangsregierung hatte Mursis Muslimbruderschaft am Mittwoch zur Terrororganisation erklärt. Bei Protesten dagegen waren bereits am Freitag fünf Menschen getötet worden.

Der stellvertretende Ministerpräsident und Bildungsminister Hossam Eissa warf der Muslimbruderschaft vor, Universitätsprüfungen behindern zu wollen. Es sei Aufgabe der Regierung, die Sicherheit vor dem geplanten Verfassungsreferendum am 14. und 15. Januar wiederherzustellen, erklärte er laut einem Bericht der staatlichen Nachrichtenagentur Mena.

Die Regierung hat ihr Vorgehen gegen die Muslimbruderschaft und Mursi-Anhänger vor dem Volksentscheid im kommenden Monat verstärkt. Die Behörden befürchten, Unterstützer des Ex-Präsidenten könnten versuchen, das Referendum zu behindern. (sda)

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