Universität Basel: Studenten brauchen häufiger den Psychiater
Aktualisiert

Universität BaselStudenten brauchen häufiger den Psychiater

Die Zahl der Studenten der Uni Basel, die psychologische oder psychiatrische Hilfe suchen, steigt. Die UPK-Oberärztin Christine Calabrese nennt Gründe dafür.

von
Chris Stoecklin
Studenten die sich psychiatrische Hilfe holen sind keine Seltenheit mehr.

Studenten die sich psychiatrische Hilfe holen sind keine Seltenheit mehr.

Das Frühlingssemester an der Universität Basel neigt sich seinem Ende zu. Dies bedeutet, dass die entscheidende Phase eingeläutet wird: die Prüfungsphase. Diese ist bei den Studenten mit viel Stress verbunden. Kommen noch Prüfungsangst, Liebeskummer oder Depressionen dazu, ist der Weg von Studenten zum Psychiater oft der letzte Schritt.

Für Studierende der Universität Basel mit psychischen Krisen gibt es eine Anlaufstelle: die Krisenintervention der Universitären psychiatrischen Kliniken Basel (UPK). Die zuständige Oberärztin Christine Calabrese sieht die Gründe, warum Studenten zu ihr kommen, äusserst vielschichtig und unterschiedlich. Sie bestätigt, dass Prüfungsstress ein Faktor ist, betont aber gleichzeitig: «Wir haben die Kapazität nicht, alle Studenten vor Ort zu therapieren.»

Viele Patienten müssten für eine Therapie weiterempfohlen werden. Der Grund dafür liegt auf der Hand. Zwar sind die Sprechstunden nicht kostenlos, die Studierenden erhalten im UPK aber viel eher einen Termin als bei privaten Psychiatern.

Viele Studenten mit vielseitigen Problemen

Marco V.* (22) ist Jurastudent aus Basel. Auf Anraten seiner Eltern hat er psychiatrische Hilfe in Anspruch genommen. Er war mit der Umstellung von Schule auf Universität überfordert. Vor allem die Abspaltung vom alten Freundeskreis machte ihm zu schaffen. «Ich isolierte mich selber, weil ich niemanden kannte», sagt er. Da er als sehr schüchtern gilt, war die Kontaktaufnahme mit den Kommilitonen schwierig. Seine Eltern erkannten das Problem und handelten. Heute ist er der festen Überzeugung, dass die Therapiegespräche sein Studium gerettet hätten.

Auch Alessia T.* (20) steht unter Stress. Sie hat zwar nicht direkt Probleme mit dem Studium, doch kommt sie in der fremden Stadt Basel bisher überhaupt nicht zurecht. «Ich kenne praktisch niemanden», sagt die Bernerin. Unter der Woche wohne sie in einer kleinen Wohnung in Basel. Am Wochenende gehe sie wieder in die Hauptstadt arbeiten. «Ich bin wie erschlagen», so die 20-Jährige. Die Müdigkeit gepaart mit mangelnder Motivation fürs Studium machen ihr zu schaffen. Nun denkt sie darüber nach, fremde Hilfe anzunehmen.

Jeder Einzelne ist willkommen

Die Schamgrenze vieler Menschen, sich Hilfe zu suchen, ist laut Calabrese hoch, auch wenn immer mehr Studenten den Gang in ihre Räume wagen. In einem Interview mit dem Beast Blog der Universität Basel betont sie: «Jeder, der ein Anliegen psychischer Art hat, kann zu uns kommen.»

Manche brauchen zur Problemlösung ein bis zwei Termine. Andere sind bereits erleichtert, wenn sie allein die Möglichkeit erhalten, in einem neutralen und professionellen Umfeld ihre Probleme mitzuteilen.

*Namen geändert

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