Protest: Studenten drohen Bussen bis 4000 Franken
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ProtestStudenten drohen Bussen bis 4000 Franken

Die Uni Zürich will Studenten härter bestrafen, wenn sie sich nicht an die Regeln halten. Sie sollen bis zu 40 Stunden gemeinnützige Arbeit verrichten – oder bezahlen.

von
Daniel Waldmeier
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Protestaktion an der Uni Zürich.

Protestaktion an der Uni Zürich.

Die neue Disziplinarverordnung der Hochschule soll im September in Kraft treten. Sie ist die härteste der Schweiz.

Die neue Disziplinarverordnung der Hochschule soll im September in Kraft treten. Sie ist die härteste der Schweiz.

Wer beispielsweise spickt, ein Plagiat einreicht oder den Betrieb an der Uni stört, kann zu 40 Stunden gemeinnütziger Arbeit für die Uni oder zu einer Busse bis 4000 Franken verknurrt werden.

Wer beispielsweise spickt, ein Plagiat einreicht oder den Betrieb an der Uni stört, kann zu 40 Stunden gemeinnütziger Arbeit für die Uni oder zu einer Busse bis 4000 Franken verknurrt werden.

Darum gehts

  • Studenten reichen vor Gericht Beschwerde gegen die neue Disziplinarordnung der Uni Zürich ein.
  • Neu sollen auch Geldbussen und gemeinnützige Arbeit möglich sein.
  • Die Uni begründet die Erweiterung des Bussenkatalogs mit dem Kampf gegen abgekupferte Arbeiten.

«Bildung statt Zucht und Ordnung» oder «Immerhin keine Haftstrafe. LOL»: Studenten protestierten am Montag vor dem Hauptgebäude der Uni Zürich mit Transparenten gegen die neue Disziplinarverordnung der Hochschule. Diese soll im September in Kraft treten. Sie ist die härteste der Schweiz: Wer beispielsweise spickt, ein Plagiat einreicht oder den Betrieb an der Uni stört, kann zu 40 Stunden gemeinnütziger Arbeit oder zu einer Busse bis 4000 Franken verknurrt werden.

Die Uni will damit insbesondere abgeschriebene Arbeiten, sogenannte Plagiate, besser ahnden können. Hat ein Studierender sein Studium bereits abgeschlossen, fehlte es laut Uni-Sprecherin Rita Ziegler bis anhin an geeigneten Sanktionsformen. «Das Sanktionssystem der bisherigen Disziplinarordnung hat sich als relativ unflexibel erwiesen.» Die meisten Disziplinarverfahren beträfen heute Plagiate oder die Verwendung unlauterer Mittel wie Spicks. 2019 etwa gab es vier Disziplinarverfahren. Dabei ging es um einen Plagiats- und einen Beschimpfungsfall sowie zwei Fälle von Prüfungsbetrug.

Meinungsäusserungsfreiheit in Gefahr?

Studenten gehen nun aber auf die Barrikaden. Der Verband der Studierenden der Uni Zürich hat am Montag eine Beschwerde beim Zürcher Verwaltungsgericht eingereicht. Die Bussen seien unzulässig im «Hinblick auf die finanzielle Situation von Studierenden», heisst es in einer Mitteilung. Das Einkommen eines Studierenden betrage im Mittel 2000 Franken, wobei ein Viertel der Studierenden über ein Einkommen von höchstens 1500 Franken verfüge.

Sascha Deboni von der Studierendenorganisation Kripo befürchtet, dass künftig nicht nur Plagiate oder Spicken hart sanktioniert werden, sondern auch Störungen des Universitätsbetriebs. «In Zeiten von Protesten ausgehend vom Klimastreik oder dem feministischen Streik die Formen politischer Meinungsäusserungen an der Universität zu beschneiden und härter zu sanktionieren, ist nicht zulässig.» Man verteidige das Anfertigen von Plagiaten nicht. Das Problem des Ghostwritings bestehe aber ohnehin: «Wer viel Geld hat, kann Arbeiten komplett fälschen, ohne dass es auffällt.»

Uni kontert

Uni-Sprecherin Ziegler betont, es gehe nicht darum, störende Studenten zu massregeln. «Die 4000 Franken kommen nur bei der maximalen Variante eines Disziplinarverstosses zur Anwendung. Zusätzlich müssen gemäss der neuen Disziplinarverordnung die finanziellen Verhältnisse der angeschuldigten Person angemessen berücksichtigt werden, was eine massvolle Anwendung dieser Disziplinarmassnahme gewährleistet.»

In bestimmten Fällen werde selbst die Maximalsumme für die angeschuldigte Person wenig sein. «Dann etwa, wenn diese für das Verfassen einer Masterarbeit 10’000 Franken an einen Ghostwriter bezahlt hat.»

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