Aktualisiert 14.03.2017 15:38

Zu wenig flexibel

Studenten finden keine einfachen Nebenjobs

Viele Schüler und Studenten wollen mit einem Nebenjob ihr Budget aufbessern. Die offerierten Stellen seien aber oft nicht passend, klagen junge Schweizer.

von
V. Blank
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Nebenjobs mit einfachen Tätigkeiten – wie etwa hier am Fliessband – werden für Schüler und Studenten immer seltener angeboten.

Nebenjobs mit einfachen Tätigkeiten – wie etwa hier am Fliessband – werden für Schüler und Studenten immer seltener angeboten.

Jackf
Wegen der Automatisierung fallen viele einfache Nebenjobs weg.

Wegen der Automatisierung fallen viele einfache Nebenjobs weg.

Am ehesten fündig werden Schüler und Studenten, die einen Nebenjob suchen, in der Gastronomie.

Am ehesten fündig werden Schüler und Studenten, die einen Nebenjob suchen, in der Gastronomie.

Leezsnow

Studieren oder zur Schule gehen und daneben noch ein paar Franken verdienen – das wünschen sich viele junge Schweizer. Doch die Suche nach einem einfachen, flexiblen Nebenjob mit kleinem Arbeitspensum gestaltet sich für Studenten und Schüler zunehmend schwierig. Diese Erfahrung hat auch Pascale Illi gemacht: Die 20-Jährige schliesst derzeit die gymnasiale Matura auf dem Zweitweg ab. Die Suche nach einem kleinen Nebenerwerb fand sie frustrierend: Trotz stundenlanger Suche im Internet fand die Maturandin nichts.

«Ich habe online zwar viele Jobangebote gefunden, aber die meisten waren unbrauchbar», sagt Illi zu 20 Minuten, «ein Angebot, das ich mit dem ständig wechselnden Stundenplan und dem Samstagsunterricht hätte vereinbaren können, schien nicht zu existieren.»

Die Lage schien Illi so prekär, dass sie die Nebenjobsuche im Rahmen ihrer Matura-Arbeit unter die Lupe nahm. Sie befragte 190 Schüler und Studenten nach ihren Erfahrungen. Das Fazit: Die offerierten Stellen sind oft zu wenig flexibel und darum nur schwer vereinbar mit dem Schüler- oder Studentenleben. Das Bild bestätigte sich im Gespräch mit Klassenkameraden – viele bekundeten Mühe, einen einfachen Nebenjob zu finden. Am ehesten fündig werden junge Schweizer laut der Umfrage in der Gastronomie. Auch Vitamin B ist hilfreich. «Am erfolgreichsten ist, wer sich innerhalb des Bekanntenkreises nach einer Stelle erkundigt», so Illi.

Die Ablage macht jetzt der Computer

Die Lage auf dem Nebenjobmarkt habe sich verändert, sagt auch Michael J. Flückiger (siehe Box). Er ist Gründer des Personaldienstleisters Poolside, der sich speziell an Studierende richtet. Der Experte sagt: «Der klassische Studentenjob – sprich ein Job ohne grosse Anforderungen und mit niedrigem Pensum – wird kaum noch besetzt.» Sehr einfache Tätigkeiten, etwa Akten kopieren oder Daten eintippen, würden heute vom Computer übernommen.

Grundsätzlich seien die Anforderungen an Studierende generell eher gestiegen, so der Experte. Ein Blick in die Praxis bestätige das zu einem grossen Teil: «Viele Unternehmen schätzen die Flexibilität und dynamische Denkweise der Studierenden, fordern aber auf der anderen Seite ein höheres Pensum und eine steile Lernkurve.»

Einfache Jobs fallen weg

Ähnliche Beobachtungen hat Sebastian Henschel, Präsident des Vereins Studierende ZHAW, in der Industrie gemacht: Der Bedarf an Studierenden in spezialisierten Praktika die Nachfrage nach Working Students steige. «Die einfachen Studentenjobs, etwa am Fliessband oder im Lager, fallen derweil der Automatisierung zum Opfer – einfache, repetitive Aufgaben gibt es in der Industrie immer weniger.»

Genau solche Jobs wären aber heiss begehrt, sagt Roger Gfrörer, Leiter Career Services an der Universität Zürich. Die Marktplatz-Seite der Universität Zürich und der ETH, auf der Inserate für Studentenjobs geschaltet werden können, werde «sehr gut besucht». «Doch auch auf dem Stellenportal der Career Services wird der Trend zu 40- bis 50-Prozent-Nebenjobs sichtbar», so Gfrörer.

Neues Portal für Schüler und Studenten

Ein solches Pensum bewältigen und dazu noch den Unterricht besuchen, Arbeiten schreiben und für Prüfungen lernen – das war für Maturandin Illi und ihre Klassenkollegen zu viel. «Drei Kolleginnen haben nach den Sommerferien angefangen zu arbeiten – in den Herbstferien gaben sie frustriert auf», erzählt die 20-Jährige. Und rund ein Drittel ihrer Mitstudierenden sei immer noch auf der Suche nach einem passenden Nebenjob.

Um Schülern und Studenten zu helfen, hat Illi im Rahmen ihrer Matura-Arbeit das Onlineportal «Studentenjob-Guide» auf die Beine gestellt. Dort finden junge Schweizer Stellenangebote, die gut mit Schule oder Studium zu vereinbaren sind, sowie Links zu Arbeitgebern und Anlaufstellen. Illi selbst hat mittlerweile eine Stelle in der Event-Gastronomie gefunden – «dank dem Tipp einer Freundin».

Was ist wichtig bei der Nebenjob-Suche? Michael J. Flückiger vom Personaldienstleister Poolside gibt Tipps:

- Suchverfahren: Online gibt es verschiedene Portale, die auf Jobs für Studierende spezialisiert sind. Hier kann man sich ein eigenes Suchprofil anlegen und so immer auf dem aktuellen Stand bleiben.

- Bewerbungsunterlagen: Die Grundvoraussetzung, um einen Nebenjob zu erhalten, ist ein klar gegliederter und vollständiger Lebenslauf sowie ein ansprechendes Anschreiben. Das Anschreiben sollte auf die jeweilige Stelle angepasst sein.

- Netzwerk nutzen: Nebenjobs sind sehr gefragt. Darum ist es hilfreich, Kontakte und Beziehungen zu nutzen. Wer jemanden kennt, der bei einer interessierten Firma arbeitet, sollte die Person ansprechen und nach entsprechenden Informationen und Ansprechpartnern fragen.

- Lohn: Bei Nebenjobs ist der Lohn meist vorgegeben und wenig verhandelbar. Die Höhe variiert je nach Stelle und Unternehmen. Der Lohn sollte aber nicht das entscheidende Kriterium sein. Viel wichtiger sind die Aufgaben, die Arbeitsgestaltung und die Erfahrung, die man im Job sammeln kann.

- No-gos: Fehler in den Bewerbungsunterlagen oder ein unprofessionelles Foto sind direkte Ausschlusskriterien. Schlechte Vorbereitung oder Unpünktlichkeit sind weitere No-Gos im Bewerbungsprozess.

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