Aktualisiert 15.12.2010 23:48

LuzernStudenten schaden Obdachlosen

Die Situation der Obdachlosen hat sich in Luzern verschärft – nicht nur wegen der Kälte. Das Leben machen ihnen auch Studenten schwer, die billigen Wohnraum für sich beanspruchen.

von
Lena Berger
Jobdach-Präsidentin Annemarie Käch in der Notschlafstelle. (Foto: L. Berger)

Jobdach-Präsidentin Annemarie Käch in der Notschlafstelle. (Foto: L. Berger)

Dreissig Nächte dürfen Obdachlose in der Luzerner ­Notschlafstelle verbringen. Danach müssen sie – auch wenn sie keine Anschlusslösung gefunden haben – mindestens einen Monat lang woanders unterkommen. Ein Problem: Die wachsende Universität zieht immer mehr Studenten an – und diese wiederum nehmen Randständigen den billigen Wohnraum weg. «Studenten gelten bei Vermietern ­leider als pflegeleichter», bedauert Annemarie Käch, Präsidentin des Vereins Jobdach. Das mache es schwierig, die Randständigen zu motivieren. «Viele halten es für aussichtslos, eine Wohnung zu finden.» Deshalb nehme man es mit der 30-Nächte-Regelung im Winter nicht immer ganz genau.

Auch Josef* (42) musste aus seiner Wohnung im Eichhof raus, weil das Haus für Studenten umgebaut werden soll. Seit drei Monaten lebt er nun auf der Strasse. «Ein- oder zweimal habe ich draussen übernachtet. Ich habe mich in einen Lastwagen-Anhänger gelegt», erzählt er in der «Gasse Ziitig Lozärn». Pro Nacht schlafen laut SIP-Chef Anton Häfliger trotz der tiefen Temperaturen durchschnittlich vier Personen draussen. Die SIP macht deshalb Kältepatrouillen. «In Luzern soll niemand erfrieren», so Häfliger.

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*Name der Redaktion bekannt

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