Aktualisiert 20.01.2016 17:32

Arbeit statt Miete

Studenten sollen sich ein neues Grosi suchen

Neue Idee: Studierende sollen bei Betagten einziehen und im Gegenzug für Hilfeleistungen im Alltag kostenlos wohnen. Für Studenten fehlen in Basel aktuell rund 250 Zimmer.

von
ey
Mieterlass fürs Staubsaugen und andere Arbeiten im Haushalt sollen Studenten das Wohnen bei Betagten schmackhaft machen. (Symbolbild)

Mieterlass fürs Staubsaugen und andere Arbeiten im Haushalt sollen Studenten das Wohnen bei Betagten schmackhaft machen. (Symbolbild)

Keystone

Ältere Menschen sollen Studierenden in der Region Basel eine Unterkunft bieten und im Gegenzug Dienst- und Hilfeleistungen als Abgeltung erhalten: Mit dem Projekt Wohnen für Hilfe wollen der Kanton Basel-Stadt sowie Gemeinden und Organisationen die Wohnungsnot von Studierenden bekämpfen.

Angestossen wurde das Projekt aus Studentenkreisen: In der Region Basel sind laut dem Verein für Studentisches Wohnen (Wove) viele Studierende der Universität und der Fachhochschulen auf der Suche nach bezahlbarem Wohnraum. «Derzeit fehlen in Basel rund 250 Zimmer», sagt Chaim Howald, Wove-Geschäftsführer. «Ältere Menschen dagegen verfügen oft über freien Wohnraum und sind an Gesellschaft interessiert.»

Für die Vermittlung der Studierenden an ältere Personen ist die Wove verantwortlich; diese führt Interessierte per Fragebogen zusammen. Dies solle das Konfliktpotential senken, wie Howald am Mittwoch sagte. «Der administrative Aufwand kostet die Studenten 300 Franken.»

Bei der Ausarbeitung ihres Vertrages sind die beiden Partner indes frei. Der Verein schlägt vor, jeden Quadratmeter des zur Verfügung gestellten Zimmers mit einer Stunde Arbeit pro Monat abzugelten. Dabei orientiert sich Wove an Deutschland sowie Luzern und Zürich, wo es ähnliche Wohnungsvermittlungsprojekte bereits gibt. Nicht übernehmen sollen Studierende jedoch Pflegeaufgaben.

Eine Stunde Arbeit pro Quadratmeter

Für feierwütige Studenten ist diese Art von Unterkunft möglicherweise weniger geeignet. «Solange sich die Studenten den Anbietern anpassen und verlässlich sind, kann sich jeder anmelden», meint Howald. Wenn zum Beispiel der ältere Hausherr regelmässig zur Therapie müsse, werde vom Studenten erwartet, dass er seine Freizeit- und Ferienplanung danach richtet.

Die Wove bietet seit 1990 bereits ein ähnliches Projekt an, nämlich das der Schlummermütter und -väter. Bei ihnen können die Studenten als Untermieter in den ungenutzten Wohnraum einziehen, müssen aber Miete zahlen. Das Angebot ist immer noch aktuell und auch sehr beliebt. «Es haben sich viele ältere Leute gemeldet, die lieber Gesellschaft wollen als einen Studenten, der nur die Miete zahlt. Diese Nachfragen waren ein wichtiger Punkt für die Entwicklung des Projekts», sagt Howald.

Gesellschaftlicher Zusammenhalt

Bei der Vermittlung arbeitet Wove mit dem Verein 55 zusammen. Dieser will über acht angeschlossene Seniorenorganisationen mit weit über 10'000 Mitgliedern für das Projekt werben. Er erhoffe sich, dass damit auch Probleme zwischen Alt und Jung überwunden werden können, sagt Heinz Gerster, Präsident des Vereins.

Mit Wohnen für Hilfe solle auch der gesellschaftliche Zusammenhalt gewahrt werden, so Lukas Engelberger, Vorsteher des Gesundheitsdepartements. Von der Zusammensetzung der Bevölkerung sei Basel-Stadt einer der ältesten Kantone der Schweiz. Das Projekt passe daher ausgezeichnet zur kantonalen Alterspolitik. (ey/sda)

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