Begehrte Ware: Studenten stehlen Mensa-Besteck im grossen Stil

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Begehrte WareStudenten stehlen Mensa-Besteck im grossen Stil

Studenten lassen «in spürbarem Mass» das Besteck aus Uni-Mensas mitgehen. Dagegen vorzugehen, ist laut den Betreibern aber schwierig.

von
J. Furer
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Ein Mensa-Essen auf der Terrasse geniessen: Da kommt es oft auch vor, dass das Besteck nicht mehr den Weg in die Uni zurückfindet.

Ein Mensa-Essen auf der Terrasse geniessen: Da kommt es oft auch vor, dass das Besteck nicht mehr den Weg in die Uni zurückfindet.

Keystone/Walter Bieri
«An der Universität Zürich wird regelmässig Besteck gestohlen», sagt Claudia Christen, Sprecherin der ZFV-Unternehmungen, die an verschiedenen Standorten an der Universität Zürich Mensen betreibt.

«An der Universität Zürich wird regelmässig Besteck gestohlen», sagt Claudia Christen, Sprecherin der ZFV-Unternehmungen, die an verschiedenen Standorten an der Universität Zürich Mensen betreibt.

Keystone/Martin Ruetschi
Dagegen Massnahmen zu ergreifen, sei aber nicht einfach. Christen: «Eine Kontrolle wäre für den Betrieb der Mensa sehr schwer durchzuführen und würde bedeutende zusätzliche Ressourcen beanspruchen.»

Dagegen Massnahmen zu ergreifen, sei aber nicht einfach. Christen: «Eine Kontrolle wäre für den Betrieb der Mensa sehr schwer durchzuführen und würde bedeutende zusätzliche Ressourcen beanspruchen.»

Keystone/Martin Ruetschi

Gabel, Löffel, Messer, Teller und Gläser gehören zur Grundausstattung jeder Küche. Die meisten besorgen sich ihr Besteck in einem Einrichtungshaus oder lassen es sich schenken. Doch manche Studenten haben einen anderen Weg gefunden, daran zu gelangen: Sie stehlen es aus der Mensa.

Darüber ist man bei diversen Schweizer Hochschulen nicht erfreut. «An der Universität Zürich wird regelmässig Besteck gestohlen», sagt Claudia Christen, Sprecherin der ZFV-Unternehmungen, die an verschiedenen Standorten an der Uni Zürich Mensas betreibt. Beispielsweise kämen am Campus Irchel pro Jahr rund 2000 Kaffeelöffel, je 1000 Gabeln und Esslöffel sowie 400 Messer weg. «Dass Besteck verloren geht, ist in den meisten öffentlichen Betrieben ein Problem.» Dagegen Massnahmen zu ergreifen, sei aber nicht einfach, sagt Christen: «Eine Kontrolle wäre für den Betrieb der Mensa sehr schwierig durchzuführen und würde bedeutende zusätzliche Ressourcen beanspruchen.»

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Nach dem Abschluss Besteck zurückgebracht

Auch an der Mensa der Universität Bern, die ebenfalls von den ZFV-Unternehmung geführt wird, verschwinde Besteck «in einem spürbaren Ausmass». Rund 20 Prozent des Bestandes gehe verloren. «Obwohl wir alle Speisen und Getränke auch to go anbieten, ist der Reiz gross, richtiges Besteck mitzunehmen, obwohl das Einwegbesteck gratis ist», heisst es auf Anfrage. Das Besteck komme in diesen Fällen nur selten zurück. In manchen Fällen sei es aber auch so gewesen, dass die Studierenden nach Abschluss ihres Studiums das Besteck wieder zurückgebracht hätten.

Bei der SV Group, die an der ETH Zürich, der Universität Basel und der Universität Lausanne Mensas führt, sieht die Situation ähnlich aus: «Am meisten spüren wir es jeweils zu Beginn des Herbstvollsemesters im September», sagt Sprecherin Manuela Stockmeyer. Vor allem Messer seien bei den Studierenden beliebt.

Dennoch gibt es auch bei der SV Group ehrliche Besteckdiebe. Stockmeyer: «Wir haben auch schon erlebt, dass uns Studierende nach ihrem Studienabschluss und wohl nach dem Auszug aus der WG das entwendete Besteck in grossen Taschen wieder zurückgebracht haben.»

Schöne Erinnerungen als Motivation?

Auch bei der SV Group habe man noch keinen Masterplan entwickeln können, um die Besteckdiebe von ihrem Vorhaben abzubringen oder den Verlust zu minimieren. Gelegentlich würde man aber in den Räumlichkeiten der Hochschulen das Besteck zusammensuchen, sagt Stockmeyer: «Für uns ist aber auch klar, dass wir aus ökologischen Gründen beispielsweise niemals auf Plastikbesteck zurückgreifen würden.»

Und welche Konsequenzen drohen, wenn Studierende beim Diebstahl erwischt werden? «Die Studierenden sind clever. Wir haben noch nie jemanden erwischt», sagt Stockmeyer schmunzelnd. Warum das Besteck bei den Studenten ein Renner ist, wisse man bei der SV Group nicht. «Vielleicht ist es einfach die gute Qualität des Bestecks oder die Erinnerung an die schönen Unizeiten und das feine Mensaessen.»

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