Studenten zeigen Ahmadinedschad die rote Karte
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Studenten zeigen Ahmadinedschad die rote Karte

Der iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad ist zu einem Besuch in New York eingetroffen. Für politische Aufregung sorgte seine Absicht, eine Rede an der Universität von Columbia zu halten.

Ahmadinedschad will danach in New York an der Vollversammlung der Vereinten Nationen teilnehmen. In einem Interview des US-Fernsehsenders CBS dementierte Ahmadinedschad erneut, dass sein Land nach dem Besitz von Atomwaffen strebe. «In politischen Beziehungen hat die Atombombe heute keinen Nutzen», sagte er. «Wenn sie nützlich wäre, hätte sie den Zusammenbruch der Sowjetunion verhindert. Wenn sie nützlich wäre, hätte sie das Problem der Amerikaner im Irak gelöst. Die Zeit der Bombe ist vorbei.»

Iranische Bomben im Irak?

Zum Vorwurf der US-Regierung, im Irak würden amerikanische Soldaten durch iranische Bomben getötet, sagte Ahmadinedschad: «Nun, das sagen die Amerikaner. Noch einmal, wenn Amerikaner irgendwo in der Welt ein Problem bekommen, dass sie nicht lösen können, beschuldigen sie andere, anstatt das zu akzeptieren. Es tut mir sehr leid, dass durch falsche Entscheidungen amerikanischer Verantwortlicher irakische Menschen und auch amerikanische Soldaten getötet werden.»

Als CBS-Interviewer Scott Pelley bei dem am Donnerstag in Teheran aufgezeichneten Gespräch Ahmadinedschad vorhielt, er weiche seiner Frage aus, sagte der: «Wir sind hier nicht in Guantanamo. Wir sind hier nicht in einem Bagdader Gefängnis. Wir sind nicht in einem Geheimgefängnis in Europa. Wir sind nicht in Abu Ghraib. Wir sind im Iran. Ich bin der Präsident dieses Landes!»

Zornige Studenten

Ahmadinedschad hatte vor seiner Ankunft in New York mit seiner Absicht einen Sturm der Entrüstung ausgelöst, einen Kranz für die Opfer der Anschläge des 11. Septembers 2001 am Ground Zero niederlegen zu dürfen. Dies wurde unter Hinweis auf Sicherheitsgründe abgelehnt. In dem CBS-Interview sagte er zu seinen Beweggründen für einen Ground-Zero-Besuch, man bekunde mit einer solchen Geste Respekt. «Und vielleicht äussert man dort auch seine Ansicht über die Ursachen solcher Zwischenfälle.»

Heute will Ahmadinedschad vor Studenten der Columbia University sprechen und sich auch Fragen stellen lassen. Die Universität lehnte Forderungen nach einer Ausladung des iranischen Präsidenten mit Hinweis auf die Redefreiheit ab. Einige Studenten allerdings zogen mit Plakaten und Transparenten vor der Uni auf und brachten ihr Missfallen über den Besuch zum Ausdruck. Ahmadinedschad hat in international scharf kritisierten Reden die Zerstörung Israels gefordert und den Holocaust als Märchen bezeichnet. (dapd)

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