Studie: Der gelbe Riese sieht bald rot
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Studie: Der gelbe Riese sieht bald rot

700 Millionen Franken Gewinn schrieb die Post in den ersten neun Monaten. Doch eine Studie prognostiziert der Post eine Finanzierungslücke, weil die Preise fallen. Bei einer Liberalisierung des Postmarktes drohen eine Entlassungswelle und tiefere Löhne.

Wird der Schweizer Postmarkt vollständig geöffnet, hat dies laut einer Studie Folgen für die Grundversorgung, die Preise und die Stellen im Postsektor. Bestellt hat die Studie das Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (UVEK).

Fällt das Briefmonopol ganz, könne die Post gemäss der Studie die Grundversorgung mittel- und langfristig nur selbst finanzieren, wenn sie gleiche Bedingungen erhalte wie die private Konkurrenz, schreibt das UVEK. Durchschnittlich höhere Löhne für Post-Angestellte und bessere Arbeitsbedingungen wären nicht mehr möglich.

Nicht mehr als gesetzliche Vorgaben

Ebensowenig könnte die Post den heutigen Poststellenmix aufrecht erhalten. Auch auf Anliegen einzelner Regionen könnte sie nicht mehr eingehen. Bleibt das Angebot der Post weiterhin über den gesetzlichen Vorgaben, müsste für die Finanzierung der Grundversorgung längerfristig der Staat einspringen.

Kann die Post hingegen zu gleichen Bedingungen arbeiten wie die Konkurrenz, ist die Grundversorgung bis zum untersuchten Zeithorizont von 2021 gesichert. Bliebe ein Monopol für Briefe unter 50 Gramm bestehen, könnte die Post mit den Erträgen die Grundversorgung langfristig finanzieren.

Bei einer vollständigen Liberalisierung wird der Postsektor auf lange Sicht weniger Personen beschäftigen. Die durchschnittlichen Preise der Produkte der Post sinken laut der Studie bis 2011. Danach bleiben sie stabil oder werden noch tiefer. Entscheidend sind hier die Möglichkeiten der Post, ihre Kosten anzupassen.

Grundlage für Gesetzesrevision

Wettbewerb ist gemäss der Studie am ehesten bei der Briefpost in städtischen Agglomerationen zu erwarten. Betroffen wäre der Briefverkehr unter privaten und Geschäftskunden, eine Voraussetzung wäre zudem der vollständige Fall des Briefmonopols.

Die von Plaut Economics und Frontier Economics erstellte Studie dient nach Angaben des UVEK als Grundlage für die geplante Revision der Postgesetzgebung. Untersucht wurden verschiedene Szenarien mit einer teilweisen oder vollständigen Marktliberalisierung.

Der Bundesrat legte im September den Fahrplan für die weitere Öffnung des Postmarktes vor. 2011 soll das Briefmonopol von 100 auf 50 Gramm gesenkt werden. Zwei bis fünf Jahre später entscheidet das Parlament, ob das Monopol ganz fallen soll. Dieser Beschluss ist referendumsfähig.

Gygi: Grundversorgung neu definieren

Post-Chef Ulrich Gygi forderte im Herbst, den Begriff der Grundversorgung neu zu definieren, sollte die Öffnung des Postmarktes weiter vorangetrieben werden. Etwa könnten statt Poststellen mehr Agenturen geschaffen werden, die zwar längere Öffnungzeiten, aber weniger Dienstleistungen anbieten könnten.

Potenzial sah Gygi auch bei der Logistik und bei der Kommunikation. Mit einem Beförderungsmonopol für Briefe mit weniger als 50 Gramm Gewicht könne die Post die postalische Grundversorgung jedoch finanzieren, sagte Gygi.

Die Post befindet sich 2007 auf Gewinnkurs. In den ersten neun Monaten des Jahres erwirtschaftete sie einen Konzerngewinn von 699 Millionen Franken, 98 Millionen mehr als in der Vorjahresperiode. Rückläufig war das Ergebnis jedoch im Segment PostMail. (sda)

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