Sven Schendekehl, «Legalize it»: «Studie ist ein Tropfen auf den heissen Stein»
Aktualisiert

Sven Schendekehl, «Legalize it»«Studie ist ein Tropfen auf den heissen Stein»

Die Berner Stadtbehörde will Cannabis kontrolliert via Apotheke an Konsumenten abgeben. Hanf-Befürworter Sven Schendekehl (46) vom Verein «Legalize it» ist wenig begeistert.

von
Mira Weingartner
«Es gibt bereits etliche Forschungen und Studien zum legalen Konsum von Cannabis», meint Sven Schendekehl vom Verein «Legalize it».

«Es gibt bereits etliche Forschungen und Studien zum legalen Konsum von Cannabis», meint Sven Schendekehl vom Verein «Legalize it».

Keystone/Andree-noelle pot

Herr, Schendekehl, während zweieinhalb Jahren will die Stadt Bern Apotheken erlauben, Cannabis an Probanden zu verkaufen. Was halten Sie von diesem Ansatz?

Es gibt bereits etliche Forschungen und Studien zum legalen Konsum von Cannabis. Was für neue Aspekte die Berner mit ihrem Pilotprojekt nun genau noch aufdecken wollen, ist mir rätselhaft. Das Ganze ist längst keine wissenschaftliche Frage mehr, sondern ein politischer Kampf. Eine solche Studie ist ein Tropfen auf den heissen Stein: Die breite Masse wird in den nächsten Jahren weiterhin für den Konsum von Gras und Hasch strafrechtlich verfolgt werden.

Geben die 1000 Probanden, die dereinst straffrei kiffen dürfen, nicht genügend Anstoss, um den Stein für alle ins Rollen zu bringen?

Vielleicht rüttelt die Studie einen Teil der Bevölkerung auf. Um mit einer solchen Studie aber wirklich etwas bewirken zu können, bräuchte es etliche Teilnehmer mehr. Mit nur 1000 Auserwählten aus Bern ist etwa der dortige Schwarzmarkt kaum beeinflussbar. Auch können die Testpersonen nicht wirklich selbstbestimmt THC konsumieren – durch die Studie werden sie überwacht und verhalten sich in dem engen Korsett, das die Studie wohl vorgeben wird, unnatürlich. Möchte man wirklich etwas herausfinden, sollte das Verhalten der Konsumenten etwa im US-Staat Colorado beobachtet werden. Dort hat bereits jedermann Zugang zu legalem Hanf.

Sie beobachten das Treiben rund um die Legalisierung von Cannabis seit Jahren. Hat die zweieinhalb Jahre dauernde Berner Studie überhaupt Chancen auf eine Durchführung?

Wenn sich die Verantwortlichen auf die wissenschaftliche Fragestellung fixieren, dann könnten sie vom Bundesamt für Gesundheit durchaus grünes Licht erhalten. Doch wie gesagt – Studien und Resultate hierzu gibt es bereits zu Genüge. Auch könnte es schwierig werden, überhaupt Teilnehmer zu finden.

Sollte die Studie dennoch zu Stande kommen, ist sie nach 30 Monaten wieder vorbei. Was sollte ihrer Meinung danach passieren?

Dann stehen wir wieder am Anfang. Und genau das ist das Problem. Man sollte einfach einmal eingestehen, dass der Konsum von Marihuana und Haschisch ein natürliches Verhalten der Menschen ist.

Von der Studie scheinen Sie nicht besonders begeistert zu sein. Was wünschen Sie sich von den Politikern?

Das ganze Hin und Her verwirrt die Betroffenen sehr. Nach grossen Ankündigungen krebsen die Politiker immer wieder zurück. In erster Linie sollten die Gesetze überarbeitet und Hanf legalisiert werden. Dafür muss man die Mehrheit der Bevölkerung gewinnen. Dies hat beispielsweise bei der Abgabe von Heroin schon geklappt. Während Cannabis-Konsumenten noch strafrechtlich verfolgt werden und selbst schwer Kranke

nur mit grösster Mühe zu medizinischem Cannabis gelangen, übernehmen die Krankenkassen bereits die Kosten für Heroin. Das wirft doch Fragen auf!

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