Polizeiliche Repression: Studie: Je mehr Polizei, desto mehr Drogentote
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Polizeiliche RepressionStudie: Je mehr Polizei, desto mehr Drogentote

Je grösser die polizeiliche Repression gegen Heroinkonsumenten ist, desto mehr Drogentote gibt es. Zu diesem Schluss kommt eine Studie der Universität Zürich.

Zwei Forscher der Psychiatrischen Universitätsklinik Zürich untersuchten die Entwicklung der Drogentoten in der Schweiz zwischen 1975 und 2007. Die Anzahl Drogentoter lag 1975 bei 35, stieg dann immer mehr an, bis 1992 mit 419 Opfern ein Höhepunkt erreicht wurde. Seit 1998 liegt sie zwischen 150 und 210 Fällen.

Carlos Nordt und Rudolf Stohler fanden heraus, dass in den 90er- Jahren die polizeiliche Repression gegen Heroinkonsumenten doppelt so hoch war wie in der Zeit davor und danach. In diesen Jahren gab es gemessen an der Anzahl Heroinsüchtiger 30 Prozent mehr Drogentote, wie die Universität Zürich am Mittwoch mitteilte.

Stress wegen Polizei?

Polizeiliche Repression wurde von den Autoren aufgrund der Anzahl der jährlichen Verzeigungen wegen Heroinkonsums bezogen auf die jeweilig geschätzte Anzahl von Heroinkonsumenten definiert. «So haben wir die Aktivität der Polizei gemessen für jedes Jahr zwischen 1975 bis 2007», sagte Carlos Nordt gegenüber der SDA. «In Jahren, wo mehr verzeigt wurde, gab es mehr Drogentote.»

Bis jetzt habe es keine diesbezüglichen Untersuchungen gegeben. Befürworter polizeilicher Repression vermuten, dass eine erhöhte Polizeipräsenz den Handel und somit auch den Konsum erschwert. Andere dagegen behaupten, dass eine höhere Polizeipräsenz bei Heroinkonsumenten Stress auslöse, was die Anzahl Drogentoter erhöhe.

Die Zürcher Autoren haben nun erstmals eine Methode entwickelt, um diese Vermutung mit Zahlen zu überprüfen. Diese Art, die Repression zu messen, hätten er und sein Studienkollege als erste angewendet, sagte Nordt. Die Studie wurde in der Zeitschrift «Drug and Alcohol Review» publiziert.

Therapie-Erfolge

Das Behandlungsangebot mit Methadon und Heroin reduzierte die Anzahl Drogentoter um das Vierfache, so wie dies bereits aus anderen Studien bekannt war. Trotzdem sank diese Zahl mit dem Beginn dieser Therapien in den Neunizgerjahren nicht sofort. «Dies hängt in unseren Augen mit der damals immer noch erhöhten Repression zusammen», sagte der Forscher.

Die Autoren weisen in ihrer Studie ausserdem darauf hin, dass die Zahl der Verzeigungen wegen Heroinkonsums eines jeweiligen Jahres wesentlich durch die Zahl der Drogentoten zwei Jahre zuvor bestimmt wird. «Steigt die Zahl der Drogentoten, gibt es ein mediales Echo und der Druck der Öffentlichkeit auf die Polizei nimmt zu», begründete dies Nordt.

(sda)

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