Schulabbruch: Studie stellt auch Lehrer an Pranger
Aktualisiert

SchulabbruchStudie stellt auch Lehrer an Pranger

Freiburger Forscher bringen brisante Fakten ans Licht: Tausende Schweizer Jugendliche schmeissen jährlich die Schule hin, was den Bund Millionen kostet. Viele Schulen schauen weg.

von
Bigna Silberschmidt
Schulabbrecher kosten Millionen. Foto: colourbox.com

Schulabbrecher kosten Millionen. Foto: colourbox.com

«Die Zahl der Schulabbrecher wird oft beschönigt», sagt Margrit Stamm, Erziehungswissenschaftlerin der Universität Freiburg. Das Thema sei vielen Schulen unangenehm. Bei einer umfangreichen Studie hat Stamm herausgefunden, dass fast die Hälfte der Jugendlichen, die die Schule vor Ende der obligatorischen Schulzeit verlassen, dies nicht freiwillig tun: «Teilweise werden die Schüler von den Lehrern regelrecht ­hinausgeekelt.» Aktiv, indem diese die Schüler blossstellen und als hoffnungslose Fälle abstempeln, oder passiv, indem sie Schulschwänzen nicht bestrafen und damit ein Fernbleiben vom Unterricht fördern.

Hochrechnungen zufolge schmeissen jährlich mindestens 5000 Schweizer Teenager den Bettel vorzeitig hin. «Das verursacht Kosten in Millionen­höhe», so Stamm. Denn viele der Abbrecher endeten in Drogenproblemen, legten eine höhere Delinquenzbereitschaft an den Tag oder würden von der Sozialhilfe abhängig.

Aber auch Eltern sollten geschlossener hinter der Ausbildung ihrer Kinder stehen: «Vorzeitiger Schulabbruch kann bei ihnen mit Geldstrafen und Haft geahndet werden», weiss Erziehungs­direktor Bernhard Pulver. Ihn haben die Ergebnisse der Studie aufgeschreckt und dazu veranlasst, eine detaillierte Erhebung für den Kanton Bern in Auftrag zu geben. Stamm präsentiert ihre Resultate morgen an einer Tagung an der Uni Freiburg. bigna silberschmidt

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