Aussterben der Dinosaurier: Studie widerlegt Asteroiden-Theorie
Aktualisiert

Aussterben der DinosaurierStudie widerlegt Asteroiden-Theorie

Eine neue Studie rüttelt weiter an der Theorie, wonach ein Asteroiden-Einschlag in Mexiko vor 65 Millionen Jahren die Dinosaurier auslöschte. Die Forscher - unter ihnen ein Geologe der Universität Lausanne - schlagen statt dessen eine Kette von Ereignissen vor.

Thierry Adatte vom Institut für Geologie und Paläontologie der Uni Lausanne untersuchte gemeinsam mit Forschern aus den USA, Spanien und Mexiko Ablagerungen auf der mexikanischen Halbinsel Yucatan. In der Region hatte ein gewaltiger Gesteinsbrocken aus dem All den rund 180 Kilometer breiten Chicxulub-Krater in den Boden gerissen.

Die Forscher kommen zum Schluss, dass der Einschlag rund 300 000 Jahre vor dem Massentod der Dinosaurier - und jenem von 65 Prozent aller Tier- und Pflanzenarten - stattfand. Zudem war die Ablagerungsgeschwindigkeit nach dem Einschlag normal: Es gibt keine Hinweise auf Tsunamis, die von Befürwortern der Asteroiden-Theorie oft angeführt werden.

Keine Kleinlebewesen ausgestorben

Die Wissenschaftler analysierten auch Mikrofossilien in den Sedimenten. Sie fanden in den Schichten vor dem Einschlag 52 Arten von Lebewesen. In den Sedimenten nach dem Einschlag entdeckten sie genau die gleichen 52 Arten wieder.

«Keine einzige Art ist wegen des Einschlags ausgestorben», sagt Gerta Keller von der US-Universität Princeton, welche die im Fachmagazin «Journal of the Geological Society» publizierte Studie geleitet hatte. Keller hatte schon in früheren Studien Zweifel an der Asteroiden-Theorie angemeldet.

Das Aussterben der Dinosaurier sei statt dessen wohl auf eine komplexe Verkettung von Ereignissen zurückzuführen, sagte Thierry Adatte auf Anfrage der Nachrichtenagentur SDA. «Die Wissenschaft ist nie einfach.»

Gewaltige Vulkanausbrüche

Eine entscheidende Rolle spielten dabei laut dem Forscher gewaltige Vulkanausbrüche im heutigen Indien. Diese Eruptionen ereigneten sich 50 000 bis 80 000 Jahre vor dem Massensterben, das am Übergang von der Kreidezeit zum Tertiär stattfand. Ein kilometerdicker Lavastrom schob sich dabei über den Subkontinent.

Die Kreidezeit sei eine von einem starken Treibhauseffekt geprägte Periode gewesen, sagte Adatte. Aber vor dem Übergang zum Tertiär fand eine Abkühlung statt, welche bereits viele Arten schwächte oder aussterben liess. Dann ereigneten sich die Vulkanausbrüche und führten wieder zu einer raschen Erwärmung mit Staub und saurem Regen.

Nahrungskette zerbrochen

Gemeinsam mit einem oder mehreren erneuten Meteoriteneinschlägen- von denen allerdings bis heute keine Krater gefunden wurden -könnte dies den Dinosauriern «den Todesstoss» versetzt haben, mutmasst der Forscher. Viele Arten starben aus, für die anderen fehlte die Nahrung - ein Massenaussterben war die Folge.

Für Adatte ist es keine Überraschung, dass wohl kein Asteroid oder Meteorit die alleinige Ursache des Massensterbens war: Es seien vier weitere Massenaussterben bekannt, sagte er. Keines davon könne auf den ersten Blick mit einem Asteroideneinschlag in Verbindung gebracht werden.

(sda)

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